Wie sicher sind die gängigen Paddel-Bekleidungsformen im schweren Wildwasser? Dieser Frage widmete sich im vergangenen Spätherbst der AKC. Das Ergebnis des Feldtestes ist nun als Broschüre downloadbar.
Dass man in schwerem WW einen Helm aufsetzt war nicht immer so. Die Entwicklung neuer
Bootsformen brachte aber andere Möglichkeiten im WW Sport mit sich. Es wurde
steiler. Die Eskimorolle war keine technische Kosmetik mehr, sondern für den Erfolg einer
Befahrung zwingend notwendig. Und wenn der Kopf oft unter Wasser ist, hat man auch mal
Steinkontakt. Also wurde ein Helm aufgesetzt. So kam eins zum anderen. Die Industrie hat
in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, dass man es heute als Paddler bequem und
warm hat. Modischer Chic macht vor den Paddlern natürlich auch nicht halt. Warum auch?
Die Kleiderordnung der Wildwasserfahrer hat sich in den letzten Jahren völlig verändert.
Die Meinungsbildner zeigen sich auf Bildern
und in Videos mit Textilhosen ("Trocken–
hosen") oder mit Surfershorts. Cagdecks,
bekannt aus Slalom, Rennsport und Freestyle, werden jetzt auch bei eiskaltem
Schmelzwasser benutzt. Die neuen Klamotten sind herkömmlicher Bekleidung in
vieler Hinsicht überlegen. Der Tragekomfort
und die Bewegungsfreiheit eines Cagdecks
wird mit traditioneller Ausrüstung nicht
erreicht, Textilhosen mit Latex-Knöchelabschluss sind leichter, beweglicher und
überzeugen am Ufer durch Atmungsaktivität
und Windschutz.
Tatsache ist auch, dass Leute sich seit
Jahrtausenden über ihr Outfit definieren
(Mode). Das Image des klassischen LongJohns entspricht nicht den Erwartungen der
jungen Kayaker-Generation mit ihrem lässiglegeren
Lifestyle, auch deshalb wird er von
den Jungen weniger benutzt.
Nach dem tödlichen Unfall von Tim Weinmann im vergangenen Oktober hatten einige Paddler des Alpinen Kajak Club (AKC) das Cag Deck als mögliches Risiko im Verdacht. Daher sollten alle gängigen Bekleidungsformen, mit Ausnahme von Neoshorts, im vergangenen Herbst einem Sicherheitstest unterzogen werden. Am 18. November traf sich das Testteam in Augsburg, die Außentemperatur war anfangs bei
-1° und stieg später auf +3°C. Die Wassertemperatur betrug 3,6°. Die Schwimmstrecke war
von Waschmaschine bis Zielsteg, vor dem Schwimmen war ein Spurt angesagt um den
Puls hochzufahren und etwas außer Atem zu kommen. Um die subjektiven Eindrücke zu überprüfen wurden Thermometer an
der Haut angebracht und die Temperaturen sofort nach der Schwimmphase abgelesen.
Der Verdacht gegenüber dem Cagdeck hat sich nach dem Versuch als gerechtfertigt erwiesen. Wir haben bestätigt gefunden, dass die
Kombination aus trägerloser Textilhose und
Cagdeck heutiger Bauweise bei Fahrten auf
Gletscherbächen, bei Frühjahrsfahrten im
Schmelzwasser und in ähnlichen Situationen
tatsächlich sehr gefährlich sein kann, weil
das Cagdeck keine feste Verbindung zum
Körper hat, sofort hochgeschoben wird und
der ganze Oberkörper sofort naß und auch
ständig umspült wird.
Das gesamte Ergebnis des Versuches sowie die Empfehlungen des AKC wurden nun unter dem Titel "Kanugefahren - Sicherheitsbekleidung im schweren Wildwasser" zusammengefasst. Die Broschüre gibt es auf der Webseite des AKC zum downloaden. >>> AKC-Online
Interessanter Artikel, gute Zusammenschau, schön, dass ihr euch die Mühe gemacht habt! Ich gehöre der nicht mehr ganz jungen Generation an, mag's gerne warm, und finde hier bestätigt, was ich an meinem uncoolen LongJohn und den vielen Fleeceschichten darunter habe!
Netten Gruß aus Graz,, IRENE!
26.05.2008 Lesermeinung
Helga Lehner
gute arbeit habt ihr da geleistet! danke!
ist ein sehr nützlicher artikel, und hut ab, dass ihr bei der kälte freiwillig schwimmen gegangen seid!