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Altaj Expedition 2008
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 - sl 09/2008

5 Wochen Russland, genau genommen Südsibirien an der Grenze zu Kasachstan, Mongolei und China – Paddeln vom Feinsten in einer für unsere Längengrade recht ungewöhnlichen Umgebung. Auf dieses Abenteuer ließen sich Daniel Herzig, Reiner Glanz, Luki Seitner, Gerhard Schmid, Mandi Stich, Lorentz Holzer und Jürgen Maier in diesem Sommer ein.

Vom Altajgebirge habe ich vor 3 Jahren, während eines Auslandssemester in Moskau zum ersten Mal gehört – Big Volume Wildwasser, Steppe, Bären, Rastamangärten an den Flussufern, wilde Eingeborene, so in etwa waren die Eckpunkte, die sich in den Erzählungen von den russischen Großstädtern ständig wiederholten.
Altay Herzig
Quelle: Jürgen Maier
Früh am Morgen vor dem Marsch zum Karagem
 
Klingt ja mal gar nicht so schlecht, dachte ich mir, und so beschlossen Reiner Glanz und ich, dass wir uns das Ganze selbst ansehen wollen. Schnell hatten wir eine Gruppe ebenso motivierter Paddler zusammen und begannen letzten Winter mit den ersten Reisevorbereitungen. Ende Juni war es dann, wir flogen nach Moskau. Nach ein wenig Sightseeing in der Hauptstadt, setzten wir uns für 3 Tage in die Transsibirische Eisenbahn und fuhren nach Barnaul, der Hauptstadt des Gouvernements Altaj.
 
Herzig Altay
Quelle: Jürgen Maier
Am Weg hoch zum Karagempass
 
Dort erwartete uns schon Vasilij Porsev, der Local Hero der Region. Am nächsten Morgen (ziemlich kurze Nacht– ja, auch in Sibirien gibt es Diskos!) holten wir Lorentz Holzer und Jürgen Maier am Flughafen ab um dann unseren Fahrer Rudik zu treffen. Eine echte Kämpfernatur von Beruf Zobelwilderer, Katamaranguide. Mit seinen Worten „Vykjuchajte civilizaciju, evropejcy (Schaltet die Zivilisation ab, Europäer)!“ ging es im ausrangierten Militärbus-Selbstbau Richtung Süden, zu unserem ersten Fluss. Und tatsächlich, die Dörfer rückten immer weiter auseinander und wichen einer unglaublich beeindruckenden Landschaft – anfangs sattes Grün und neuseeländisch anmutende runde Bergrücken verwandelten sich mit zunehmende Nähe zur Mongolei in trockene Steppenlandschaft.
 
Der erste Bachabschnitt, die Mazhoj-Schlucht der Chuja, war satt eingeschenkt und stellte gleich einen Höhepunkt der Wildwasserfahrten da. Zum Einfahren wuchtiges, offenes Wildwasser im Still einer sommerlichen oberen Ötz und danach ebenso wuchtiges Pool & Drop in einer engen Klamm. Einiges an Unterwasserzeit konnten wir alle vervuchen. Die Schlüsselstelle forderte dann auch gleich einen Schwimmer von Gerhard in einem Monster (!) - Loch. Nach der Fahrt waren wir uns einig, dass es bei dieser Schwierigkeit recht angenehm war, die Straße und Rudik in der Nähe zu wissen.

Am nächsten Tag ging es weiter zum ersten Multidaytrip. Nach einer wilden Autofahrt durch mehrere kleine Bäche und über den Karagempass übernachteten wir am letzten mit dem Auto irgendwie zugänglichen Platz und schulterten früh morgens am nächsten Tag unsere Boote.
Herzig Altay
Quelle: Jürgen Maier
Lorenz in einer der unteren Stellen der Chulcha
 
Nach fünf Stunden Fußmarsch mit 35kg schweren Booten und der absoluten Desillusionierung bezüglich unserer Tragesysteme ging es los auf dem Argutzufluss Karagem: 2 Tage steiles, teils etwas verholztes Wildwasser 4/4+ , durchsetzt mit längeren Landschaftssechsern. Nach der Mündung in den Argut änderte sich der Flusscharakter vollständig und wir fanden uns auf Traumwuchtwasser wieder – offene, teils sehr kräftige Katarakte brachten uns in Kombination mit der Außentemperatur von ungefähr 30 Grad ordentlich zum Schwitzen. Zur Mittagszeit gab es jeden Tag FKK- Siesta, was uns am Nachmittag stets trockene Paddelklamotten einbrachte.
 
Herzig Altay
Quelle: Jürgen Maier
Beim Buckeln zum Kurkure
 
2 Tage, etliche eindrucksvolle Klammen und unzählige Stromschnellen bis zum fünften Grad später erreichten wir einen Tag vor dem Safety-Zeitplan den Ausstieg – und mussten zum Glück nicht lange auf Rudik warten.

Nach einem Tag Autoüberstellung erreichten wir eine aufgelassene Militärstation. Der jetzigen Leiter und Förster empfing uns überrascht, hatte Vasilij doch vergessen uns anzumelden und stattdessen Rudik mit einer Stange Zigaretten vorgeschickt. Damit stand der russischen Gastfreundschaft nichts mehr im Wege und wir hatten zum ersten Mal seit einer Woche wieder ein festes Dach über dem Kopf. Spätestens an diesem leicht sumpfigen Ort, verwandelte sich die russische Überzeugung „im Altaj gibt es keine Moskitos oder Bremsen“ in einen Running-Gag. Von dieser Basisstation aus ging es am ersten Tag zum sibirischen Park & Huck auf dem Chulyshman.
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
Gerhard, Reiner und Mandi am Bashkaus
 
Nach einer flotten Stunde bootstragen, erreichten wir den Einstieg des ersten Abschnitts. Der Fluss lässt sich als recht korsisch beschreiben oder besser korsisch bei gut Wasser. Verwinkelte Katarakte, höhere Stufen bis 5 Meter. Neben die Linie möchte man, dank überall unter Felsen verschwindendem Wasser, lieber gar nicht erst schauen.
 
Herzig Altaj
Quelle: Lorenz Holzer
Jürgen am Chulyshman...
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
...und der zweite Tag
 
Abends packten wir noch die Sachen für die nächste Mehrtagestour am unteren Abschnitt und dann ging es wieder zwei Tage in die Wildnis. Dank etlicher Zubringer am Weg Richtung Teleckoe-See änderte sich auch hier der Charakter des Flusses zum Wuchtwasser, der Abschnitt „Kasha“ („Brei“) erwies sich als absolutes Traumwildwasser (4+)/5. Große Boulder, ungefähr 30 Kubik, technische Linien, die dennoch teils aus dem Boot zu fahren sind, alles in einer wunderschönen, weiten Schlucht, was will man mehr!
 
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
Einen der unteren Zubringer konnten wir dann leider doch nicht befahren (Kurkure), da die Landung eines 10 Meter Falls mit nur 1,5 Kubik dann doch etwas hart aussah – was tut man nicht alles für die Kondition. Wir hatten die Boote zuvor schon eineinhalb Stunden hochgebuckelt.

Der nächste Fluss, der Bashkaus, gilt als der wildeste Klassiker der Region – zahllose Gedenktafeln erinnern an die russischen Katamaranfahrer, die den Stromschnellen zu Opfer gefallen sind. Allein der Gedanke, mich in einem der selbstgebauten Gummiungetümer über die Katarakte zu wagen, hinterlässt bei mir ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Im Kajak hingegen sind die teils recht engen, schwierigen und zwangigen Passagen meist gut zu meistern, vereinbart man mit seinem Ego, die eine oder andere zu hacklige Stelle mühsam zu umtragen.

Foto links: Luki booft die Devil's Bridge
 
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
Mandi am Bashkaus
 
Für absolut Hartgesottenen wartet noch ein extrem gerölliger Schlusskatarakt auf die Erstbefahrung. Mental sollte man am Bashkaus gut gewappnet sein – der imposante, felsige Klammcharakter mit dem Wissen, keinen Ausweg als den nach unten zu haben (wie auch am Karagem und oberen Argut), fordert gutes Frühstück und recht hohe Konzentration, belohnt dafür mit einem einmaligen Erlebnis über zwei bis vier Tage.
 
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
Der Einstieg zur Chuya
 
Herzig Altaj
Quelle: Jürgen Maier
Foto oben: Gerhard kurz vor der Mündung des Arguts in den Katun

Nach dreieinhalb Wochen intensiv(st)em Wildwasserpaddeln, beschlossen wir, die Zeit gemütlich ausklingen zu lassen und den 70km langen Teleckoesee zu überpaddeln, der uns mit herrlichstem Wetter empfing. Wunderbar klares Wasser, imposante Uferlinien, die sich erst gegen Norden hin mit Zivilisation durchsetzten, ließen einen gar nicht daran denken, dass es hier bei Schlechtwetter äußerst unlustig werden kann.

Zusammenfassend bietet das sibirische Altajgebirge an der kasachisch-mongolisch-chinesisch-russischen Grenze abwechslungsreichstes Wildwasser auf höchstem Niveau – und vor allem für Outdoorsportler echtes Outdoor, das nicht in der Schlucht neben der Straße seinen Platz findet. Somit ist am Bach noch etwas mehr Vorsicht geboten und die eine oder andere Extraumtrage zu empfehlen, um bei den Vorteilen der unbevölkerten Gegend zu bleiben. Auf jeden Fall eine einzigartige Gegend, die mich sicher wieder sehen wird!

Text: Daniel Herzig
Was wir gegessen haben:
Sehr viele Instantsuppen, Buchweizen, Reis, Nudeln, Dosenfraß, in den Dörfern teils ausgezeichnetes Borshch (rote Rüben Suppe mit/ohne Rindfleisch), Müsliriegel (Luki ist der Rekordhalter mit 70 importierten Hoferriegeln), Shashliks vom Schwein und Lamm, Plov (uzbekisches Reisfleisch, ebenfalls mit Lamm, teils mit Huhn), Soljanka (Suppe/Eintopf aus Wurst, Geselchtem, original nur mit ein paar Oliven und einer Scheibe Zitrone). Die Highlights: selbstgemachte Lepeshki (~Hefeteig ausgerollt und am Lagerfeuer im Topf fritiert, pur oder mit Zucker garniert), Steckerlbrot mit/ohne Rastaspinat, Harius (gesalzen/gebraten – von Rudik, wir waren unfähig, gefangener Äschen-ähnlicher Fisch, der geschuppt werden muss und unglaublich zart ist. Gerhard und ich haben einstimmig beschlossen, dass die beste Variante ist, den frischen Fisch einfach einzusalzen und ca. 3 Stunden marinieren zu lassen, im Vergleich kann auch ein junges Matjesfilet baden gehen). Um nicht zu vergessen: manche haben auch die Probe aufs Exempel statuiert und von der Wildnis überwältigt Heuschrecken frittiert. Kann mich aber nicht mehr erinnern, wer feststellte, dass sie wie Kartoffelchips abgehen.

Was wir getrunken haben:
Viel Mikropurwasser, auf den Zwischenstationen Bier aus Plastikflaschen, nicht oft, aber dann gezielt Wodka (ich hab immer mehr den Verdacht, dass dieses Getränk weniger ein Problem für Russen selbst ist, aber Ausländer in Russland anzieht wie Bananen Obstfliegen)

Wem wir danken wollen:
Blue and White, Dagger, Wavesport, Riot, Dragorossi, Sandiline, Artistic, Stohlquist, Robson, Rudik, Vasilij Porsev, Jajah
 
 
Hier gibt es exklusiv den Trailer des Expeditionsfilms zu sehen – die Vollversion gibt es am Rosenheimer Filmfestival des kommenden Jahres zu sehen!
 

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