Die Taraschlucht gilt mit bis zu 1500 Metern Tiefe als die größte Schlucht Europas. Der Reiz liegt unter anderem in der extremen Abgeschiedenheit und der Unberührtheit, die man hier erwarten darf. Gunter Seiser paddelte im Schlauchboot durch den 100 Kilometer langen Abschnitt im Nationalparkgebiet im Norden Montenegros.
Nach langer, beschwerlicher Anfahrt und nachdem wir die Rückholung organisiert haben, machen wir uns auf zum Einstieg. Hier ist die Befahrungsgebühr zu entrichten: Pro Person sind 70€ zu bezahlen. In der Vorsaison wäre die Befahrung um die Hälfte günstiger, aber das nützt uns jetzt natürlich nichts. Die Pässe sind mitzunehmen, da wir bei der Rückfahrt eine Grenzkontrolle zu passieren haben. Wir sind als Selbstversorger unterwegs, was bedeutet, dass wir neben Zelten und Schlafsäcken auch Proviant und Kochgeschirr in den Schlauchbooten verstauen. Die beiden Kajakfahrer unserer Gruppe paddeln ohne Gepäck, ihre Ausrüstung wird auf die Schlauchboote verteilt.
Kurz nach der Eistiegsstelle
Die Schlucht ist relativ hoch, auf dem Fluss wechseln sich kürzere Schwälle und Flachwasser ab, wir genießen die Fahrt. Sowohl Landschaft wie Wasser überraschen durch außergewöhnliche Schönheit, man ist an jeder Flussbiegung gespannt, was einen dahinter erwartet.
Karstquellen treten aus den Felsen und ergießen sich in die Tara als Wasserfall oder über Felsgestein rauschend.
Ein Highlight des ersten Tages ist sicherlich Sige, eine Durchfahrt zwischen Felsen, wo in 6m Höhe ein umgestürzter Baum quer über den Fluss gespannt liegt. Wir legen eine kurze Rastpause ein und springen vom Baumstamm in das glasklare Wasser der Tara.
Bescheidene Infrastruktur finden wir im Camp Radovan Luka, mehr hätten wir auch nicht erwartet inmitten der Abgeschiedenheit des Tales. Immerhin findet man hier Holztische und Bänke vor, das Haus ist geräumig und lässt auf einigen Rafting-Tourismus schließen. Man könnte sich auch in bereits aufgebauten Zelten einmieten und auf die Mitnahme der eigenen Zeltutensilien verzichten.
Niedere Wasserführung im August 2007
Nach der Abfahrt vom Camp sind wir wieder auf uns allein gestellt, wir werden auch heute den ganzen Tag keinem weiteren Boot begegnen. Die Tara zwängt sich hier durch den Teil des Gebirges, wo die umgebenden Berge am höchsten sind und steil vom Fluss nach oben führen. Die Sonne dringt hier öfter nicht bis zum Fluss, das Blau des Himmels blitzt zwischen den weit entfernten Gipfeln. Wir gleiten meist gemächlich im leichten Wildwasser, hin und wieder bringen kürzere Schwallstrecken Abwechslung.
Der Höhepunkt dieser Tagesetappe ist Sige Bajlovica. Mit diesem Begriff wird die von uns allen als überragendste Naturschönheit der ganzen Tara gekürte Stelle bezeichnet. Etwa eineinhalb Sunden vom Camp Radovan Luka entfernt ergießen sich hier aus 25 Metern Höhe Wasserfälle über moosbewachsene Felsen, zwischen Felsspalten, über Grasbüschel, im freien Fall oder auch in Kaskaden in die Tara.
Nach 42 km Flussfahrt mit etlichen weiteren landschaftlichen Schönheiten, Flachwasser-Paddelstrecken und überschaubaren Schwallstrecken erreichen wir am späten Nachmittag Brštanovica. Wir entschließen uns, die in Zeltform gestalteten Holzhütten zur Übernachtung zu mieten. Damit haben wir gute Matratzen und sparen uns den Auf- und Abbau der Zelte.
Die heute zu bewältigende Fahrstrecke beträgt etwa die Hälfte der beiden vergangenen Tage. Die Schlucht wird zeitweise etwas weiter, auch sind die umgebenden Berge nun schon deutlich niedriger. Landschaftlich ist auch dieser Tara-Abschnitt sehr reizvoll mit Prallwänden, kürzeren Schwallstrecken und natürlich glasklarem Wasser.
Nun folgen zwei Kilometer interessantes Wildwasser, technisch wohl anspruchsvoller als die bisher gefahrene Strecke. Hier empfiehlt es sich, die Stellen und den Flussverlauf vor der Befahrung zu besichtigen. Die erste eigene Befahrung wird wesentlich durch den Umstand erleichtert, dass auch hier Flachwasserabschnitte die Schwälle unterbrechen.
Nach viel Fahrspaß und einigen beschaulichen Kilometern taucht weithin sichtbar unsere Ausstiegsstelle auf: Die Straßenbrücke in Scepan Polje erreichen wir nach insgesamt 98 Kilometern Fahrstrecke auf der Tara. Hinter uns lassen wir die tiefste Schlucht Europas, unberührte Landschaft am Rande des Durmitorgebirges und ein glasklares Gewässer mit vielen Überraschungen.
Vor Antritt der Flussfahrt haben wir eine Rückholung von Scepan Polje zur Einstiegsstelle vereinbart. Wir haben gerade unsere Boote zusammengepackt, als auch schon die Autos zu unserer Abholung eintreffen. Die Passstraße führt in Sepentinen bis auf 2000 Meter Höhe. Die Fahrt durchs Durmitor-Gebirge mit den 2500 m hohen Gipfeln rundet die Erlebnisse der Tara mit einer besonderen Note ab.
wow welch ein Bericht!!! Ladet wirklich ein es mal selbst zu versuchen. Ich würde gerne wissen, ob die Durchfahrt mit einem Schlauchboot problemlos ist, oder man eher davon absehen soll wenn man samt Boot wieder unten raus kommen will. Hab selbst ein Gumotex Orinoco und meine auch dass euer Schlauchboot so eines war. Könnt ihr mir das bite behilflich sein. Reicht die Zeit aus wenn man in 2 Tagen zu durch sein will? Wo kann man sich vorab über die Pegelstände informieren? Dank euch jetzt schon für eure Hilfe und den tollen Bericht....
10.04.2008 Lesermeinung
Alexander Koller
emfehlenswert ist auch das nachbarland albanien
06.04.2008 Lesermeinung
Gerhard Hackl
Toller Bericht, Danke dafür
22.02.2008 Lesermeinung
Volker Ladda
Interessanter Bericht, schöne Bilder.
Gut neben den vielen Trips mit Monsterwellen und -drops etwas von einem familientauglichen Landschaftsechser zu lesen.
10.02.2008 Lesermeinung
Irene Krülle
Sehr schöner Artikel!
Sehr einladend, macht Lust es selber mal zu versuchen.