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Mit dem Faltboot um Europa - Teil 2
- jup -

1. November 2000. 3.000 Kilometer haben Rainer und Franziska Ulm in den vergangenen sechs Monaten bereits hinter sich gebracht. Mit ihren beiden Klepper-Faltbooten paddeln die beiden rund um Europa. Über die Donau und das Schwarze Meer führte sie ihr Abenteuer bis nach Istanbul. Der zweite Teil der kajak.at-Serie "Mit dem Faltboot um Europa" führt Rainer und Franziska von der Türkei über die Inseln der Ägäis und den Kanal von Corinth bis nach Korfu.

Nachlesen:

Teil 1 - Entlang der Donau bis Istanbul
 


Türkei und Grichenland

Das Marmara Meer haben die beiden Extrempaddler aus Ansbach bereits hinter sich gelassen. Auch die erste Kältewelle haben Rainer und Franziska Ulm gut überstanden. Durch den Canakkale Kanal gelangen sie hinaus in die Ägäis.

Der rege Schiffsverkehr macht ihnen zu schaffen. "Der Kanal verengt sich von acht auf drei Kilometer. Man hat das Gefühl in einem Stromfluss reinzufahren".
faltboot ulm
 
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Segeln in der Ägeis
 
Die türkischen Medien zeigen an den Aktivitäten der beiden ein reges Interesse und so kommt es, dass sie an vielen Orten erkannt und freundlich aufgenommen werden. Ihre Bekanntheit kommt ihnen aber auch noch anderwärtig zu gute: Behördenwege und Militärkontrollen erscheinen plötzlich weit weniger hinderlich. Eines Abends bauen sie in einer herrlichen Bucht ihr Nachtlager auf. Weit und breit ist niemand zu sehen. Plötzlich klappen ein paar Autotüren zu und fünf bewaffnete Männer steuerten geradewegs auf das Zelt zu. "Einer von ihnen hatte eine Taschenlampe und als er sie anmachte erkannte ich zu meiner Erleichterung, dass sie vom Militär waren." Kontrollen sind im türkisch-griechischen Grenzgebiet nichts Ungewöhnliches. Den Männern kamen die beiden Faltbootpaddler, ganz allein in der einsamen Bucht, wahrscheinlich etwas suspekt vor. Zum Glück sind die türkischen Zeitungsberichte mit an Bord – "Die haben uns schon oft geholfen, da es mit der Kommunikation nicht immer so toll klappt!"
 
türkei ulm
Türkei ulm
 
Entlang der türkischen Küste macht den Abenteurern der Peuras, ein starker Wind aus Norden, zu schaffen. Oft sitzen die beiden mehrere Tage lang fest. Drei ungemütliche Nächte verbringen die Ulms auf einer kargen kleinen Insel vor der Küste. Der Wind peitscht mit 80-100 km/h vorbei, das Meer braust, vier Meter hohe Wellen schlagen gegen die Felsen, stundenlang tobt ein gewaltiges Gewitter. Während der Nacht kommen die eigentlichen Herrscher der Insel zum Vorschein: unzählige Ratten kriechen aus ihren Löchern. Als sie die Insel wieder verlassen steuern Rainer und Franziska bereits ihr letztes Ziel in der Türkei an.
 
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Insel im Sturm
 
In dem kleinen Fischerhafen Akyarlar-Turgutreis werden die Paddler vom Bürgermeister und Tourismusdirektor mit Blumenstrauß und Presse wie Staatsgäste empfangen. Dort erleben sie das Lammfest Bayramlar. Wegen der schlechten Wirtschaftslage in der Türkei kauft der hiesige Bürgermeister seinen Gemeidearbeitern 100 Schafe. "Bei der Verteilung der Schafe waren wir dabei und die Menschen waren total happy". Am nächsten Tag beginnt das Opferfest. "Als wir durch die Gassen der Stadt liefen sahen wir wie die Schafe geschlachtet werden. Überall lagen Füße und Köpfe rum für die Hunde! Das Schaf wird in drei gleiche Teile geteilt, der erste Teil geht an die Familie, der zweite an die Verwandtschaft und der dritte wird an die armen Leute verteilt."
 
Auf nach Grichenland

Nach sechs Monaten Türkei fällt es den Ulms schwer sich von Land und Leuten zu trennen. Bevor sie ihr Abenteuer in Richtung Kos fortsetzen, leisten sie noch einen Beitrag zur Völkerverständigung. Eskortiert von vielen kleinen Fischerbooten, einer Fähre mitsamt Gemeinderat und Bürgermeister und zwei Schiffen der türkischen Küstenwache paddeln die beiden in Richtung Griechenland. Nach drei Seemeilen werden im internationalen Gewässer die Anker geworfen.

Bild rechts: Völkerverständigung per Faltboot
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Auch der Bürgermeister und Gemeinderat von Kos hat sich auf den Weg gemacht um Rainer und Franziska in Empfang zu nehmen. Feierlich, mit Trachtenverein, Medien und einigen Tränen, wird die offizielle Verabschiedung und Übergabe zelebriert. "Das ist wirklich ein großes Ereignis, da zwei deutsche Faltbootpaddler es geschafft haben, Türken und Griechen auf dem Wege der Freundschaft zusammenzuführen" erinnern sich die Ulms. Geschenke werden überreicht, dann geht die Paddeltour weiter. Unter Winken und Zurufen, nun eskortiert von den griechischen Booten und Schiffen erreichen sie den Hafen von Kos.
 
ulm faltboot
ulm faltboot
 
"Für uns ist es ein kleiner Kulturschock, wenn man von der Türkei nach Griechenland kommt – alles ist so sauber, halt europäisch! Auch das immerwährende Handeln und Feilschen fällt weg." Auf Kos werden die Ulms herzlich aufgenommen. Neben offiziellen Terminen mit Bürgermeister und Medien werden sie zum Tauchen, Schnorcheln und Harpunenfischen eingeladen und Franziska lernt die Kunst der Tintenfischzubereitung: "Das ist echt harte Arbeit – man muss ihn solange auf einen Stein schlagen bis sich die ungenießbare Haut löst und er ganz weiß wird. Je länger man ihn bearbeitet desto zarter schmeckt er! "Ein Fischer verrät warum diese Prozedur notwendig ist: "Damit der Tintenfisch verrät wo seine Geschwister und Verwandten sind!"
 
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Immer feste drauf! Tintenfischzubereitung auf Griechisch...
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Muräne vom Spieß.
 
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Von Kos geht es über 15 Inseln in Richtung Athen. "Jeder der sich Inseljumping leicht vorstellt täuscht sich gewaltig. Besonders die Kykladen sind berüchtigt für ihre starken Winde. Die Düsenwirkung zwischen zwei Inseln ist extrem groß – da wird einem ganz schön mulmig!"

Immer wieder werden die Paddler von Einheimischen und Touristen eingeladen. Viele sind begeistert von ihrem Abenteuergeist, aber auch die Ulms sind fasziniert von den interessanten Begegnungen. So lernen sie auch das kulinarische Angebot des Meeres kennen. Ein griechischer Reeder zeigt ihnen, dass Seeigel weit mehr als nur Stacheln zu bieten haben: "Seeigeleier! – Schmeckt besser und ist teurer als Kaviar!". Auch Muräne dient als Alternative zu Nudeln und Reis.

Auf Odysseus Spuren

Zwischen den Griechischen Inseln sind die Ulms oft bis zu 10 Stunden am Stück unterwegs, daher ist die Freude groß als sie am Tempel des Poseidon vorbei in den Hafen von Athen Alimos paddeln. "Haben echt großes geleistet, den Sprung von Kos bis Athen über 15 Inseln macht uns so schnell keiner nach. Einige Segler beglückwünschten uns zu dieser Leistung."
 
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Mitten zwischen zwei Inseln treffen wir plötzlich auf eine kleine Schildkröte
 
Nach einer kurzen Pause in Athen brechen die beiden Abenteurer auf in Richtung Korinth. Nach zwei anstrengenden Paddeltagen ist auch dieses Ziel erreicht, doch sieht es zunächst nicht gut aus. "Der zuständige Beamte im Tower meinte, er glaubt nicht, dass wir eine Genehmigung bekommen, den Kanal mit unseren Faltbooten zu passieren, so hängt alles vom morgigen Treffen mit der General-Managerin ab." Etwas geknickt legen sich die Ulms schlafen.
 
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Neuer Tag, neues Glück. Durch ihre Bekanntheit aus den Medien ist es für Franziska und Rainer nicht schwer eine Ausnahmegenehmigung zu bewirken. Sie dürfen den Kanal nicht nur durchpaddeln, er wird eigens für sie gesperrt. Begleitet von einem Pilotboot mit TV- und Zeitungsreportern machen sich die beiden auf den Weg durch den historischen Kanal. "Für uns war es ein unbeschreibliches Gefühl durch diesen 6 Kilometerlangen Kanal zu paddeln und hinaufzusehen auf die 80 Meter hohe Brücke, die die Insel Pelopones mit dem Festland verbindet."
 
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Von Korinth aus führt die Route über den Golf von Patras, durch das Ionische Meer, entlang der Inseln Kastos, Kalamos, Meganissi, Skorpios, Spati und Lefkada bis nach Korfu. Von hier aus sind es 65 Seemeilen bis Italien. Die Bedingungen für die Überfahrt sind Anfang November nicht gerade einladend. Wie die Ulms schließlich nach fünf Monaten Grichenland doch nach Italien gelangen, wird in Teil 3 gelüftet…
 
Nachlesen:
Teil 1 - Entlang der Donau bis Istanbul

Fotos & Reiseberichte: Rainer und Franziska Ulm

Link: Webseite der Ulms

Lesermeinungen

21.02.2007   Lesermeinung
Alessandro Schirmer
TrustedPaddler
Netter, wenn auch manchmal etwas eigenartiger (Fische) Bericht. Super schön. Weiter so!!!!
10.02.2006   Lesermeinung
Stefan Wild
TrustedPaddler
Hallo Ihr Ulms,

und das, was Euch noch fehlt, daß die Runde voll ist, ist der Rhein-Main-Donaukanal.
Ein Stück davon will ich heuer machen,
denk dabei an Eure schönen Stories.

Beste Grüße!

Stefan
alias wadi beim kajak.at
 
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