1. Mai 2000. Rainer und Franziska Ulm aus Lichtenau bei Ansbach machen sich mit ihren zwei Klepper Faltbooten zu ihrer großen Europatour auf. Damals gehen die beiden noch davon aus, dass ihr Abenteuer rund um Europa etwa 1 1/2 bis 2 Jahre dauern wird. Zunächst Paddeln die Ulms die Donau bis zum Schwarzen Meer. Die Reise führt sie weiter entlang der europäischen Küste - Türkei, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien, Portugal bis zur Atlantikküste. Über die großen Binnenkanäle erreichen die Beiden schließlich nach 5 Jahren und 10 000 Kilometern ihr Ziel in Hamburg. In den nächsten Wochen gibt’s das große Paddelabenteuer der Ulms auf kajak.at in fünf Teilen zum nachlesen.
Rainer und...
...Franziska Ulm
Teil 1 – Entlang der Donau bis Istanbul
Die Idee mit dem Faltboot um Europa zu paddeln hatten die Ulms schon vor einigen Jahren. Am 1. Mai 2000 setzten sie ihre Vision schließlich in die Tat um. Zuvor gab es jedoch noch eine Menge zu erledigen: Visa beantragen, Impfungen, Karten besorgen, Sponsoren auftreiben, Wohnung abgeben…
Schöne blaue Donau...
"Unsere Körper haben sich schon auf das Paddeln im kalten Donauwasser eingestellt" schreibt Franziska Ulm in ihrem ersten Reisebericht. In ihren mit über 100 Kilo beladenen, 5,2 Meter langen und 87 cm breiten Faltbooten paddeln Rainer und Franziska zunächst ohne viele Probleme auf der Donau durch Deutschland und Österreich. Die 30 Schleusen bis Wien lassen Sie getrost hinter sich. Am 34. Tag erreichen Sie die Slowakei. Am Zoll gibt es keine Probleme. Nach einem kurzen Blick in die Boote erhalten die Ulms den Einreisestempel.
Bootsrutsche bevorzugt! Das Umtragen dauert mit den beladenen Booten gute 2 Stunden...
Bei Kilometer 1855 erreichen die Ulms die Staustufe Cunovo. Hier müssen Sie zum ersten Mal umtragen. Die 140 Kilo schweren Boote werden ausgeladen, auf den Bootswagen gehievt und zur Einsatzstelle gefahren – erst nach gut 2 Stunden sitzen Rainer und Franziska wieder im Boot. Entlang der alten Donau paddeln die beiden weiter denn er aus der Stalinzeit Stammende Kanal bietet keine einladende Alternative.
Schuhe trocknen!
Nach 20 Kilometern mischt sich plötzlich ein lautes Rauschen zwischen das Zwitschern der Vögel im natürlichen Auwald. Die Donau teilt sich. Rechts geht es zu einem riesigen Wehr und links? Keine Ahnung… Auf der Karte ist nichts eingezeichnet, man hört nur das laute Rauschen. In der Mitte liegt eine Insel. Vorsichtig fahren sie am Ufer entlang. Dann sehen sie wenige Meter vor sich einen riesigen Steinwall der sich über den ganzen Flussarm erstreckt. Das Wasser rauscht nur so runter - an ein Weiterkommen ist nicht zu denken! Die beiden paddeln zurück zur Insel und finden schließlich eine Durchfahrtsmöglichkeit. Leider ist diese wieder defekt. Zum zweiten Mal an diesem Tag heißt es Boote ausladen, auf den Bootswagen hieven, zur Einsatzstelle fahren…
Über Budapest geht es weiter an die ungarisch-serbische Grenze. Dort wird es für die Ulms wieder spannend denn sie haben keine Erlaubnis auf serbischem Gebiet zu paddeln. Die Boote müssen zerlegt werden und auf dem Landweg nach Rumänien transportiert werden.
Schlechtwettertag auf der Donau
Der Tagesablauf von Rainer und Franziska folgt hat sich der Tageszeit angepasst. Aufstehen mit den Vögeln – "meist fängt der Morgengesang um 4:30 Uhr an" – ausreichend frühstücken und packen.
Aufstehen mit den Vögeln
Gegen 10 Uhr geht’s los mit paddeln. An einladenden Plätzen wird pausiert oder gebadet. Das dient nicht nur der Abkühlung sondern hat auch einen Trainingseffekt – wie kommt man aus dem Wasser wieder direkt ins Boot?
Ab 17 Uhr beginnt die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. "Wegen der großen Frachtschiffe können wir unsere Boote nicht im Wasser lassen, da es zu große Wellen gibt" berichtet Franziska. Das Zelt wird aufgebaut und alles für die Nacht vorbereitet und dann gibt es Abendessen – oft irgendwas mit Nudeln und Reis…
Bild links: Moorbad an einem Seitenarm der Donau
Am 77. Tag kommen die Ulms schließlich ans Schwarze Meer wo sie sofort stürmisch und mit hohem Wellengang begrüßt werden. An das Paddeln auf dem Meer müssen sich Rainer und Franziska erst noch gewöhnen. "Nicht zu vergleichen mit der Donau – die größten Probleme haben wir mit der Brandung wenn wir wieder aufs Meer raus wollen. Wir bringen zuerst Rainers Boot raus und werfen den Anker. Dann meines – als ich einsteigen wollte kam ein voller Brecher ins Boot – alles nass! Na gut, macht auch nichts denn daran muss ich mich gewöhnen. So trocken wie auf der Donau geht es nun nicht mehr."
Das Lager ist aufgebaut...
...Schlafplatz im Donaudelta
Entlang der rumänischen Küste führt die Reise vorbei an menschenleeren Stränden. Trotzdem wird die hiesige Polizei auf die Paddler aufmerksam. Wieder einmal gibt es eine Kontrolle. "Passporta, Passporta!" Einer der Polizisten sieht sich sehr genau um, alles wird notiert, dann verschwinden sie wieder. Nach ein paar Tagen in völliger Einsamkeit gelangen Rainer und Fanziska an einen Süßwassersee. Die Freude ist groß - Wäsche waschen, das Salz von der Haut spülen und endlich mal wieder was einkaufen – "Immer nur Reis und Nudeln ist auf Dauer nichts!".
Meet the lokals! Auf ihrer Reise treffen die Ulms viele interessante Persönlichkeiten...
Kurz vor Constanza wird es abenteuerlich. Der Tag beginnt mit super Rückenwind. Die Segel werden gehisst und die Ulms schießen mit ihren Booten nur so dahin. Der Wind wird immer stärker und die Wellen immer höher. "Ein tolles Gefühl wenn man oben auf der Welle ist und es nach unten geht!" berichtet Franziska begeistert. Am Nachmittag wird es schlussendlich doch zu gefährlich. Sie müssen raus und bauen an einem einsamen Strand ihr Lager auf.
Campen im Sperrgebiet
Kaum ist das Zelt aufgestellt, tauchen fünf uniformierte Männer auf. Die Ulms befinden sich auf militärischem Sperrgebiet. Sie müssen weiter. Wo aber hin? Zurück aufs Meer geht nicht, das wäre lebensgefährlich. Die Männer beraten sich. Nach zweieinhalb Stunden taucht schließlich ein großer Militär-Lkw auf und transportiert die Rainer und Franziska samt Booten aus dem Sperrgebiet. Gut gegangen! Weit gefehlt, denn abgesetzt wurden die Beiden im nächsten Sperrgebiet. "Unser Zelt stand bereits als wieder jemand daherkam und meinte, hier könnten wir nicht bleiben." Diesmal schalten die Ulms auf stur. "Nach einer Stunde kamen dann ganz hohe Offiziere die offensichtlich was zu sagen hatten und nach langem hin und her durften wir bleiben. Das war vielleicht ein Tag!"
Bild rechts: Dinnertime!
Badezimmer mit Aussicht...
In Constanza angekommen gönnen sich Rainer und Franziska zunächst einmal was Gutes zu essen. Die Stadt bleibt ihnen jedoch aus einem anderen Grund in Erinnerung: Der Hafen von Constanza mit einem Durchmesser von 20 Kilometern wurde aus Sicherheitsgründen mit drei Meter hohen Betonsteinen umbaut. Diesen Wall gilt es zunächst einmal zu umpaddeln. Nach den ersten 7 Kilometern schlägt das Wetter um – Gegenwind. "Wir mussten durchgehend paddeln, denn wenn du einmal kurz aussetzt trägt dich die Welle wieder zurück. Wir paddelten neun Stunden und kamen nur fünf Kilometer weiter. Ich war am Ende, aber wir hatten keine Möglichkeit auszusteigen, sonst hätten die Wellen unsere Boote an die Steine geschleudert."
Steiniges Schlafgemach...
An der Grenze zu Bulgarien gab es wieder einmal Schwierigkeiten mit dem Ausreisestempel. Nach langem hin und her, konnten die Ulms den Beamten verständlich machen, dass man als Paddler nicht von einer Stunde zur nächsten das Land verlassen kann. Ein ähnliches Schauspiel wiederholt sich fünf Tage später beim Kampf um den viel begehrten bulgarischen Einreisestempel.
Bild oben: Besuch vom Wildschwein
In Bulgarien trafen die Ulms auf Assen, einen reichen Geschäftsmann, der so begeistert von deren Tour war, dass er seinen Bruder Velli und Angelika anrief um die beiden Paddler entlang der Küste mit dem Auto zu begleiten. Dadurch ergab sich auf die Möglichkeit Ausflüge ins Landesinnere zu machen. Die Ulms revanchierten sich bei Angelika, als sie einen Tag mit Rainer im Boot auf den Meer paddelte.
Rainer geht baden
Kurz vor Pomorie sorge ein Sturmwind noch einmal kräftig für Wirbel. Der Wind fachte so rasch an, dass keine Zeit blieb die Segel einzuholen. Das Wasser peitschte auf und schon war Rainer im Wasser. Die erste Kenterung! Zum Glück waren die beiden gut vorbereitet. Franziska hilft beim entleeren des Bootes, so rasch wie möglich machen sie sich auf zum Ufer. Der Sturm legt sich nicht – das heißt abwarten bis zum nächsten Tag.
Bild links: Kalte Dusche im Schwarzen Meer
Nach vielen Strapazen erreichen Rainer und Franziska glücklich und gesund Istanbul. "Wir sind echt gespannt was wir für Abenteuer hier in der Türkei erleben werden" beendet Franziska ihren vierten Reisebericht…
Wie es Rainer und Franziska Ulm auf ihrer Reise durch die Ägäis ergangen ist gibt’s im zweiten Teil der Serie "Mit dem Faltboot um Europa".
Klasse Bericht. Erinnert mich an einen Bekannten, der leider verzogen ist. Der ist auch die Donau komplett abgepaddelt. Super!!!!
18.02.2007 Lesermeinung
Marcel Schirmer
Super Bericht....ist schom Wahnsinn, was man mit dem Faltboot alles machen kann.
06.06.2006 Lesermeinung
buzz
Salute,
super interessanter Reisebericht, danke dafür. Wir waren selbst schon in Rumänien und Bulgarien unterwegs, passierten das Eiserne Tor jedoch auf dem rad...Viele Erinnerungen wurden da bei mir wieder wach. Ich wünsche Euch einen schönen Sommer, schaut doch mal bei www.touropean.com vorbei...gästebucheintrag wäre nett. Aber auch so noch viel Spaß im unberührten, wilden Osten!
06.06.2006 Lesermeinung
Simon Thußbas
Dem kann ich nur zustimmen. Sehr schöner Bericht mit ebenfalls sehr schönen Bildern.
Ein Freund von mir und ich möchten eine ähnliche Tour machen, allerdings blos bis ins schwarze Meer. Falls sie Zeit dazu haben, wäre mir sehr geholfen, wenn sie mir freundlicherweise ein paar Fragen zur Vorbereitung beantworten könnten.
-Braucht mann eine Fahrerlaubnis für die Donau? Wo kann man sie beantragen?
-Braucht mann eine Durchfahrtserlaubnis ein Visum oder ähnliches für Bulgarien und Rumänien?
-Wie lang braucht man ungefähr von Passau bis ans Schwarze Meer?(Sind beide fit und hoch motviert)
Ich bedanke mich schon eimal im vorraus und wünsche ihnen noch viele interessant Reisen
Mfg
Simon
07.02.2006 Lesermeinung
Sienel Rolf
Hallo,
ein sehr toller Bericht. Meine volle Hochachtung für diese Leistungen!
Gruß
Rolf