4-paddlers.com - Paddeln weltweit
Login:
Pwd.:
Anmelden
eingeloggt bleiben
 

Kasachstan Trilogie I
- sl -

Im kasachischen Wildwasser leistet eine Gruppe von Russischen Kajakfahrern um Vasilii Porsev gerade Pionierarbeit. Zahlreiche Erstbefahrungen haben sie schon vollbracht. Im ersten Teil der Kasachstan Trilogie verliert der rechte Arm des Gromotuha nun seine Unschuld.
 
Verwerft bitte alle lustigen Assoziationen, die sich durch die Borat Filme in Euren Gehirnen eingenistet haben, wenn ihr das Wort „Kasachtan“ hört. Es handelt sich um ein wildes Stück Land voller Berge, Wüsten und fantastischer Flüsse. Es gibt Kasachen, die nach der Sitte ihrer Großväter auf Hochebenen Schafe hüten. Andere befassen sich mit Systemen zum Onlinebanking. Dieses Land hat, ebenso wie die Mehrzahl der anderen ehemaligen Sowjetstaaten, noch keine Beachtung seitens des paddelnden Volkes erfahren. Dennoch sind die Wildwassermöglichkeiten höchst beeindruckend. Bei der Planung unsere Reise versuchten wir die wesentlichen Attraktionen des Landes zu berücksichtigen. Unsere Trip gestaltete sich derart intensiv , dass wir selbst eine Woche nach unsere Rückkehr in unser Hauptquartier im sibirischen Altaigebirge, immer noch total „gestoked“ waren. Zieht Euch mal rein, was jetzt kommt.
 
 
Vasilii Porsev, der derzeit beste sibirische Paddler, ist nicht immer so gewessen, wie man ihn heute kennt. Er lebte in Ekaterinburg, einer großen Stadt in Sibirien. Eines Tages nahmen ihm dramatische Umstände alles, was er bislang besaß. Familie, Haus, Arbeit, die Frau, die er liebte. Das einzige, was ihm geblieben war, war seine Kajakleidenschaft. Mittellos geworden, zog er zu seinen Freunden nach Kasachstan, wo er begann, die Berge um die Stadt Ridder zu erkunden. So sah er Gromotuha, den Donner-Fluß. Er befuhr den linken Arm des Gromotuha, den vor ihm noch niemand geppadelt war. Was auch so bleiben wird, solange nicht eine Truppe wirklich hingebungsvoller und sattelfester Paddler dort auftaucht. Vasilii berief uns ein, um das unerforschte Miststück des rechten Arms des Gromotuha zu paddeln.

Bild rechts: Vasilii Porsev ist unser Feldgeneral. Kennt Alles und war schon Überall. Lebt 6-7 Monate für den Kanusport in den Wäldern und Bergen direkt an den Flüssen. Seine Paddelerfahrung kann eigentlich gar nicht überschätzt werden.
Vasilii Porsev Portrait
Quelle: kayakussr.com
 
Gletscher Tragen
Quelle: kayakussr.com
 
Es führt keine Straße zum Fluß. Wir mieteten einen MAZ, ein riesiges Geländefahrzeug, dass uns wenigstens näher an den Pass heranbringen sollte. Doch der Fahrer war ein Idiot. Er schaffte es lediglich einen Kilometer über die befestigte Straße hinaus. So mußten wir die Boote und sämtliche Ausrüstung zum Basislager an der Baumgrenze schleppen.. Ich ging 7 Kilometer um auf 1700 Meter Seehöhe zu gelangen. Einige gingen zweimal, erst mit dem Boot, dann holten sie den Rest. Andere erledigten es in einem Schwung. Die Nacht war ziemlich warm, obwohl wir von nicht-schmelzenden Gletschern umgeben waren.
 
Am nächsten Tag packten wir unsere Boot für die Befahrung und machten uns auf zum Pass. Die Landmannschaft marschierte in die entgegengesetzte Richtung. Sie würden uns in Ridder erwarten. Der Pass selbst war relativ leicht zu bewältigen. Lediglich die letzte Wand war von Schnee bedeckt. Bereits dem Gipfel sehr nahe, gerieten wir in einen brüllenden Sturm. Gewaltiger Donner erschütterte alles um uns herum und ein mächtiger Hagel prügelte uns durch. Wir schlüpften unter ein Tarp und warteten, zwischen Felsen kauernd, auf das Ende des Unwetters.

Am Gipfel angelangt, eröffnet sich uns ein überwältigender Blick auf das weitläufige und schneebedeckte Tal Rybniy Ruchey (Fischquelle).
Schnee Tragen
Quelle: kayakussr.com
 
Die Quelle entspringt einem See, der von bläulich-durchsichtigem Eis bedeckt ist, und fließt durch die riesigen Schneefelder des Tales hindurch. Tom und Antonio erreichten als erste die Passhöhe und wählten, statt dem Abstieg zu Fuß, die Variante Snowkayaking. Tom hatte hatte sein Tempo im Griff und legte einen geschmeidigen Lauf in den Schnee. Antonio zog es letztlich viel zu schnell ins Tal hinab, so dass er es nicht schaffte dort anzuhalten, wo er anhalten hätte sollen. Er fiel aus dem Boot und kugelte weiter hinunter. Das Kajak fuhr direkt in den Fluss und er, der ohnehin unfähig war zu bremsen, sprang von der eisigen Klippe direkt hinterher, um es zu retten. Es fügte sich dennoch alles zum Guten: Antonio gelang es, das Boot zu bergen, ehe es unter der nächsten Eishöhle verschwand. Er war unversehrt geblieben, allerdings musste er den bevorstehenden Tagesmarsch durch den Schnee vollkommen durchnäßt antreten.
 
Feuer Schwarzweiß
Quelle: kayakussr.com
Wir erreichten den Fluß in der Nacht, nach acht Stunden Marsch mit Booten und Gepäck. Dabei hatten wir 15 Kilometer zurückgelegt und einen Pass auf 2300 m Seehöhe überquert. Ich kann unmöglich mit Worten ausdrücken, wie fertig wir waren. Doch wir wurden mit einer Landschaft belohnt, die nur diejenigen sehen, die die Mühe des Marsches auf sich nehmen: Riesige grüne Wiesen, von einer Vielzahl von Farben und Blumen bedeckt, am fernen Ende von einem Lärchenwald begrenzt.

Am nächsten Morgen ging es dann, nach einem kleinen Problem mit der “wasserdichten” Kamera, endlich los.
 
Klarer Himmel, Sonnenbrand auf Nacken, Rücken und Häuptern, paddelten wir einen kurzen Abschnitt des Rybniy Ruchey für Aufnahmen zu unserem neuen Film, um dann endlich den Donner-Fluß unter den Kiel zu bekommen. Die erste Stromschnelle, Studeniy (cool rapid), bestand aus zwei fies aussehenden, aber letztendlich eher harmlosen Abfällen. Lediglich der zweite Abfall schickte uns alle auf eine komplette Tauchfahrt. Die nächste Stelle, Carousel, sah leichter aus, jedoch unterschätzten wir die Kraft der Strömung und der Presswasser ein wenig: Ich fuhr zwar sauber hindurch, schaffte es aber nicht ins Kehrwasser und befuhr zwangsläufig auch noch die folgende Stufe, ehe ich anhalten konnte. Vasili legte einen unkonventionelle Kopfunterbefahrung hin und erwischte ein Kehrwasser 100 m unterhalb seines eigentlichen Zieles.
 
Für Tom war kleines Abenteuer mit großen Folgen vorgesehen. Er plumpste viel zu weit rechts einen Abfall hinab, den er eigentlich boofen hätte sollen. Er veschwand komplett im brodelnden Unterwasser und tauchte erst nach 20 Sekunden wieder auf. Er hatte unter Wasser Felskontakt gehabt und und war regelrecht aus seinem Kajak gezuzelt worden. Boot, Paddel und Auftriebskörper nahmen, säuberlich voneinander getrennt, das Tempo der Strömung auf. Der Paddler selbst schaffte es recht schnell ans Ufer, doch das Kajak trieb durch den last chance rapid, den schwerste Abschnitt der Befahrung. Zwanzig Meter unterhalb verschwindet alles Wasser in einer ewigen Eishöhle. Wir verbrachten einige Stunden mit der erfolglosen Suche nach dem Boot und übernachteten schließlich am Zusammenfluss des rechten und des linken Arms des Goromotuha.
 
Am nächsten Tag genehmigten wir uns einen gemütlichen, späten Aufbruch und gelangten erst gegen 13 Uhr an den last chance rapid. Tom wanderte um die Eishöhle herum und berichtete von einem kleinen Durchlass, allerdings mit einem Felsen in der Mitte, der bis zur Decke der Höhle reichte. Niemand war scharf darauf, in da hinein zu paddeln. Dieser riesige Haufen aus Eis und Schnee konnte jeden Moment in sich zusammenbrechen –und er war acht Stockwerke hoch.
 
Kasachstan Donnerfluss
Quelle: kayakussr.com
 
Auf der Suche nach einem Standort zum Filmen fand Vasilii Toms Kajak unterhalb der Eishöhle. Wir machten ein paar Aufnahmen vom Bootfahren, dokumentierten die Bergung des Kajaks und beschlossen , den Rest des Tages ruhig angehen zu lassen. Das Boot war soweit in Ordnung, es hatte lediglich einen kleinen Riss in der Hülle, der mit Duck Tape, unserem besten Freund, eine optimistische Reparatur erfuhr.
 
Wir gingen los, um den linken Arm des Goromotuha zu besichtigen. Dieser führte deutlich mehr Wasser als der rechte Arm. Wir stießen auf zwei große Katarakte mit Stufen um die drei Meter, der Rest bestand hauptsächlich aus kontinuierlichem Wuchtwasser. Wir beschloßen diesen Abschnitt um jeden Preis zu paddeln. Es würde eine Erstbefahrung werden – und sie gelang ganz hervorragend. Wir entschlummerten des Nachts mit dem einzigartigen Gefühl, uns am nächsten Tag Erstbefahrer dieses wilden Wassers nennen zu können.
 
Der nächste Tag versprach lang zu werden. Wir mussten zum Einstieg des linken Arms marschieren, wieder runterpaddeln, dann das Basislager abbbauen und weitere 30 Kilometer vom Zusammenfluss zum Ausstieg fahren.
 
Kasachstan Donnerfluss
Quelle: kayakussr.com
 
Der Aufstieg mit den Booten dauerte nur eineinhalb Stunden, obwohl das GPS vier Kilometer signalisierte. Doch dann spielte uns das Bergwetter übel mit: es wurde kalt, es gab Regen und Starkwind. Wir saßen das Wetter in einer kleinen Holzhütte am Weg aus, in der es praktischerweise etwas Feuerholz, Tee und Zucker gab.
 
Nach gerade mal anderthalb Stunden hörten Wind und Regen auf. Wir setzten ein und uns wurde sofort klar, dass wir beim Besichtigen am Vortag die wahre Kraft des Flusses vom Schluchtrand aus nur unzureichend erkannt hatten. Was von oben wie ein paar leichte Abschnitte ausgesehen hatte, entpuppte sich als eine Abfolge gemeiner Löcher. Kehrwaseer waren selten und klein, Beginn und Ende des Abschnitts waren von zwei schwer einzuschätzenden Stufen gekennzeichnet. Die erste war in Ordnung. Ich überschlug mich in der zweiten - die erste hatte ich als einziger ausgelassen. Im mittleren Abschnitt befand sich ein bemerkenswert wuchtiger Katarakt, den wir aber ohne Probleme vom Boot aus scouteten.
 
Wir verbrachten zwei Stunden mit der Befahrung dieses Seitenarms und deren Dokumentation. Nach der Ankunft am Zusammenfluss begannen wir die Boote für die 30 Kilometer bis zum Ausstieg zu packen. Obwohl der Gromotuha nach dem Zusammenfluss leichter wird, hatten wir einige Probleme. Zum einen war Toms Boot beschädigt, so dass er, um Steinkontakt zu vermeiden, die wuchtigsten Linien im Hauptwasser fahren musste. Zum anderen hatte unser Kunde Artem nur Erfahrung auf Wildwasser 3-4 des Katun. Und dann war da noch die Wucht der doppelte Wassermenge! Die Befahrung erinnerte uns an die Majoyschlucht bei Hochwasser, eine Strecke mit zwei kernigen Abschnitten, an denen unser Freund John 2004, bei der Erstbefahrung mit Vasilii, aus seinem Boot gezogen wurde. Und schließlich die Gesamtlänge: es handelte sich um einen 30 Kilometer langen Katarakt, der uns anderthalb Stunden kernige Paddelarbeit abverlangte, ohne uns auch nur 15 Minuten Pause zu gönnen, um einmal das Paddel aus der Hand nehmen und sich einfach treiben lassen zu können.
 
Artem machte sich gut. Er wurde von zahlreichen gemeinen Löchern durchgeprügelt und fabrizierte sehenswerte Rückwärtsüberschläge in einigen derben Rückläufen – doch er stieg nie aus. Vielleicht auch nur, weil ihm klar war, dass ihm dann eine 30 Kilometer lange Wanderung durch bewaldete Schluchtwände drohte.

Nach anderhalb Stunden waren wir durch, schulterten die Boote und machten uns auf nach Leninogorsk (Ridder). Wir hatten trockene Kehlen und unsere Freunde lange nicht gesehen.

Text: Peter Malkin/kayakussr.com
Übersetzer: Robert Platzer

Web-Tipp: www.kayakussr.com
Landschaft Kasachstan
Quelle: kayakussr.com
 
Anmerkung der Redaktion: Alle Bilder wurden mittels GPRS aus Kasachstan übermittelt, deswegen gibt es leider noch nicht mehr!

Lesermeinungen

- bislang keine Lesermeinungen abgegeben. Sei du der erste! -
 
Du benutzt einen Adblocker. Da diese Webseite werbefinanziert ist, bitten wir dich um eine Spende für den erhalt dieses kostenlosen Service.
  © 4-paddlers.com 1999-2012 [Kontakt] [Impressum] [Nutzungsbedingungen] [Disclaimer]