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Mit dem Faltboot um Europa - Teil 4
- jup -

Nach einer laaaaaangen Pause geht' nun weiter mit der abenteuerlichen Reise von Rainer und Franziska Ulm rund um Europa. Die beiden Extrempaddler waren fünf Jahre und sechs Monate in ihren Faltbooten unterwegs, um von Ulm nach Hamburg zu paddeln. Auf der langen Route versteht sich. Teil vier führt die Beiden durch die Wogen des Atlantiks.
 
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Rückblick:

Am 1. Mai 2000 starteten Rainer und Franziska Ulm mit ihren Faltbooten zu einer Paddeltour rund um Europa. Ausgangspunkt war Ulm, von dort folgten sie der Donau ins schwarze Meer. Über den Bosporus paddelten die beiden Extremsportler ins Mittelmeer, vorbei an Griechenland, dem Balkan, Italien und Frankreich bis nach Spanien wo sie nach über drei Jahren in Gibraltar das Tor zum Atlantik erreichten.


Bild links: Franziska und Rainer Ulm
 
Nach vier Tagen Pause in Gibraltar kreuzen Rainer und Franziska Ulm die Bucht von Algeciras. Es herrscht reger Schiffsverkehr und gerade die Schnellfähren in Richtung Ceuta und Tanga sind nicht zu unterschätzen. Die beiden sind froh als sie diese gefährliche Etappe hinter sich gebracht zu haben. Eine Schlechtwetterphase zwingt sie auf den letzen Kilometern im Mittelmehr noch einmal zum Pausieren. Die Ulms nutzen die Zeit um den Tidenbuch verstehen zu lernen. Am 1381 Tag und nach 9333 Kilometern erreichen sie schließlich den südlichsten Punkt Europas: das Städtchen Tarifa – dahinter wartet der Atlantik.
 
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Schlafzimmer mit Meeresblick
 
Draußen auf dem Atlantik ist alles anders. "Nichts ist mehr so einfach wie am Mittelmehr" schreiben die Ulms in ihren Reiseberichten. Die Horrorgeschichten der Segler sorgen für mulmige Gefühle vor dem Aufbruch doch als der Atlantik sich gleich am ersten Tag von seiner besten Seite zeigt, rücken diese in den Hintergrund. Schon am folgenden Tag zeigt der Ozean sein anderes Gesicht. "Wir müssen lernen mit Ebbe und Flut zurecht zu kommen. Dazu kommen die Strömungen und riesigen Brandungen am Strand." Am Mittelmeer konnten die beiden Abenteurer wenige Meter neben dem Meer campieren, am Atlantik müssen sie die Höchststände beachten um nicht mit der nächsten Flut weggeschwemmt zu werden. Mindestens 30 Meter muss die gesamte Ausrüstung den Strand hinauf gezerrt werden. "Eine Schlepperei ohne Ende!" Nur in den Häfen entfällt die große Packerei. Dort gibt es Schwimmstege und somit kein Problem mit Ebbe und Flut.
 
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Blick auf Gibraltar
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Größer und weiter - am Atlantik
 
Unverzichtbar ist für die Ulms der Gezeitenkalender. Er zeigt genau an wann mit Hochständen zu rechnen ist und hilft ihnen die Bedingungen zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Dimensionen am Ozean sind anders. Nicht nur der Tidenhub und die Wellen sind größer, auch die Strände erscheinen länger. "Wir kämpfen von Hafen zu Hafen, leider sind sie oft zu weit von einander entfernt um sie an einem Tag zu erreichen. Dann gehen wir immer am Strand raus." In den Häfen stoßen die beiden trotzdem immer wieder auf Probleme. Meist handelt es sich dabei um Schwierigkeiten mit dem Hafenmanagement, das ihnen nicht erlaubt, ihr Zelt auf den Schwimmstegen aufzubauen. Dann sind die Ulms auf die Gastfreundschaft von Seglern angewiesen, die ihnen nicht selten auf ihren Booten Unterschlupf gewähren.
 
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Schlechtes Wetter zwingt die Ulms zum Pausieren
 
Rainer und Franziska paddeln vorbei an Barbate, dem Kap Trafalger, Conil, Sancti Petri, über die Bucht von Cadiz, nach Puerto Real und Puerto Sherry bis nach Rota. Von dort kämpfen sie sich weiter nach Chipiona. Zwei Kilometer vor der Hafeneinfahrt von Chipiona wird es für die beiden Paddler brenzlig. Gegenwind und Gegenströmung machen das Paddeln zu einem harten Kampf.

"Auf allen vier Seiten sind Riffe"

Die Ulms wollen auf kürzestem Weg in den Hafen und geraten so in eine Falle. In den großen Brechern übersehen sie Riffe die den großen Leuchtturm von Chipiona umgeben. Wie Vierecke liegen die Riffe im Wasser. Das Erste können sie problemlos mit einer Welle passieren doch danach sitzen sie fest. "Auf allen vier Seiten sind Riffe. Noch dazu läuft das Wasser ab." Mit einer großen Welle versuchen Rainer und Franziska wieder ins Meer hinaus zu kommen. "Fast hätte ich es geschafft," erzählt Franziska, "ich bin aber zu schwach um es mit der Ersten zu schaffen. Ich sitze voll auf. Die nächste Welle ist im Anmarsch und ich bin frei!"
 
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Surfen am Atlantik
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Kurz vor Tarifa
 
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Franziskas Freude dauert nicht lange. "Eine Welle bricht mit voller Kraft über meinem Boot und ich bin total nass und im Boot stehen zehn Zentimeter Wasser – das alles zwei Kilometer vor dem sicheren Hafen."

Als Franziska den Hafen erreicht ist sie am fix und fertig. Zudem erlaubt ihnen der Hafenmeister nicht, auf den Schwimmstegen zu campieren. Nach dem harten Kampf auf dem Meer wissen sie nun nicht, wo sie schlafen sollen. "Ein Tag um sich ins nächste Flugzeug zu setzen und nichts wie heim!" Doch wie so oft nach negativen Erlebnissen nimmt der Tag doch noch eine gute Wendung. Auf einem Kanadischen Segler kommen sie unter und können sich einige Tage auf dem Boot erholen.

Bild links: Cup am Atlantik
 

Vier Jahre nach dem Start in Ulm erreichen Rainer und Franziska den spanisch-portugiesischen Grenzfluss Guadiana. Ein willkommen Abwechslung zur rauen See des Atlantik. "Natur pur!" erinnern sich die Ulms. "Nur ganz vereinzelt stehen meist verlassene Häuschen auf den Hügeln." Im Garten eines englischen Ehepaares dürfen sie sich mit frischen Obst und Gemüse versorgen, bis sie dem Fluss weiter stromaufwärts folgen.

Bild rechts: Sturm!
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Schiffswraks vor der Küste Portugals
 
"Weiter den Fluss hoch wird es an den Rändern immer felsiger – oft erinnert uns diese Flusslandschaft an den Donaudurchbruch." Flussschildkröten tummeln sich im Wasser und die beiden Abenteurer genießen diesen zehntägigen "Urlaub". Danach geht es wieder auf dem Atlantik weiter.

Schlechtes Wetter macht den Abenteurern zu schaffen und es geht langsam voran. Eine Überraschung erwartet die Ulms in Lagos. Der Bürgermeister steht mit sechs Journalisten und dem nationalem Fernsehen parat und begrüßt sie als die exotischsten Besucher zur Fußball EM 2004. Dazu gibt’s eine Einladung zum Essen – eine willkommen Abwechslung zu Spagetti mit Tunfisch.
 
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Der Atlantik verlangt auch den Faltbooten einiges ab
 
Schon am nächsten Tag setzen die Paddler ihre Tour fort. Nach Sonnenaufgang starten sie von Lagos in Richtung Sagres. Frühmorgens ist der Wind meist weniger stark, doch in den folgenden Stunden frischt er auf und peitscht die Brandung hoch gegen die Felsküste. Die Ulms halten Abstand zur Küste denn die Bedingungen sind alles andere als paddlerfreundlich. "Der ablandige Wind fegt gegen den Schwell und die Wellen bauen sich immer mehr auf. Ideal für Wellenreiter, für uns aber eine Katastrophe, wenn wir sehen mit welcher Gewalt die Brecher gegen die Küste rauschen." Zuviel Abstand birgt jedoch ebenfalls nichts Gutes. "Wir sind ständig am Kämpfen, damit uns der Norder nicht aufs offene Meer hinaus bläst. Zu nahe an der Küste erwischen uns die Brandungswellen."

"Es wäre schade dieses Stück auszulassen"

Das Kap Sao Vicente liegt vor ihnen und beide sehen dieser Etappe mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Überlegung das Kap und die Westküste bis Lissabon auszulassen steht im Raum. 260 Kilometer sind es bis Lissabon. Dazwischen liegt nur ein größerer Hafen, ansonsten nur Steilküste mit wenigen Stränden. Rainer und Franziska wollen dennoch nicht aufgeben. "Wir haben schon so viel geschafft, es wäre schade, dieses Stück auszulassen!"
 
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Die Etappe bis Sagres gestaltet sich problemlos und auch der Wetterbericht für den folgenden Tag scheint günstig. Am Ponta de Sagres, sechs Kilometer vor dem Kap müssen sie abbrechen. Zu hoher Schwell und heftige Kreuzsee machen ein Weiterkommen an diesem Tag unmöglich. "Wir werden hin und her geworfen wie in einer Waschmaschine."

Am Ende der Welt

Tags drauf sind die Bedingungen besser und Rainer und Franziska können das Kap, das auch "das Ende der Welt" genannt wird, nahe an der Küste umpaddeln. "Beeindruckend ragen die 42 Meter hohen Felswände neben uns auf. Oben thront der Leuchtturm, mit dem stärksten Licht Europas." Als sie um das Kap paddeln jubeln beide "Wir haben an unserem 1505 Tag das Ende der Welt umpaddelt!"
 
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Über Lissabon, Cascais und Avintes am Fluss Duro geht die Tour der Ulms mit einigen Pausen weiter. Drei gefährliche Teilstrecken an der Westküste lassen sie aus. "Dort gibt es fast nur lange Strände – sprich keine geschützten Häfen mit Fischerrampe. Das Risiko ist zu groß, bei gewaltigen Brechern anzulanden."

Kurz vor Ostern plagen Rainer wieder heftige Rückenschmerzen. Ein weiterer Bandscheibenvorfall wird diagnostiziert. Er muss nach Deutschland um sich operieren zu lassen.

Bild links: Im Hafen von Lissabon
 
Trotz Rainers gesundheitlicher Probleme brechen die Ulms ihre Europa-Umpaddelung nicht ab. Nach reiflicher Überlegung entscheiden sie sich jedoch, dem Atlantik den Rücken zu kehren und über die Binnenkanäle von Frankreich über Belgien und Holland nach Deutschland zu paddeln. Mehr dazu folgt in Teil 5.
 
Basierend auf Reiseberichten von Rainer und Franziska Ulm
Zusammenfassung: Judith Prechtl
Bilder: Rainer und Franziska Ulm
Weitere Infos: www.ulm-outdoor.de

Lesermeinungen

22.02.2007   Lesermeinung
Alessandro Schirmer
TrustedPaddler
Super schöne Bilder. Netter Bericht, toll geschrieben. Großes Lob!!!
 
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