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Kasachstan Trilogie III
- sl -

Cartwheels in den Koksu-Fällen, Abschlusssyphon am Chakyn auch der letzte Teil der Kasachischen Trilogie von Peter Malkin ist noch einmal spannend und von russischer Leichtigkeit durchzogen.
 
Die Koksu-Fälle
Doch die kasachische Reise ging weiter Richtung Charyn. Doch zuvor wollten wir den Koksu-Fällen einen Besuch abstatten und diese auf ihre Befahrbarkeit hin prüfen. Nicht nur der schwer beladene Toyota, auch wir hatten mit der zentralasiatischen Gluthitze zu kämpfen. Die geringe Lufteuchtiggkeit absorbierte alles Feuchte umgehend und machte die erreichten 41° Celsius nochhalbwegs erträglich – wir schwitzten nicht einmal.

Die Koksu-Fälle führten mehr Wasser als Vasilii erwartet hatte. Er war vor 15 Jahren bei seiner ersten Kajaktour dort gewesen, als noch niemand daran dachte so etwas zu fahren. Doch auch bis heute verschlägt es kaum Paddler dorthin und die Fälle erwarteten ihre Erstbefahrer. Der erste Fall sah gar nicht so schlimm aus, obwohl auf den ersten Blick keine geeignete Linie erkennbar war. Fall Nummer zwei machte einen völlig harmlosen Eindruck, als ob einen maximal ein paar Enden erwarteten, ehe man aus dem Unterwasser katapultiert werden würde.
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
 
Wir ernannten Alexander zum Versuchskaninchen, der dann auch nichts besseres im Sinn hatte, als den ersten Fall mit der Haupströmung hinunter zu plumpsen, was sich als keine besonders kluge Lösung entpuppte. Doch es bescherte ihm immerhin die seltene Gelegenheit, in seinem dicken Dagger Mamba eine knappe Minute lang Cartwheels zu praktizieren, ehe ihn der Druck von 40 Kubik in die Freiheit schoss.
 
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
 
Vasilii und Antonio wählten eine andere, auch nicht wirklich saubere Anfahrt. Vasilii überschlug sich und bezog ein wenig Prügel, eher herausgespült wurde. Antonio verbrachte mehr Zeit im Rücklauf. Er verlor sein Paddel und vollführte mehrere Handrollen. Schließlich bekam er einen Wurfsack zu fassen, später noch sein Paddel. Er rollte noch einmal und verließ den Rücklauf mit Würde.
 
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
 
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
Tom gelang eine makellose und präzise Befahrung. Er vollführte einen Bilderbuch-Boof über die schmale Zunge in der Fallmitte und schoss, wie aus einer Steinschleuder abgefeuert und mit ordentlich Spray, aus dem Unterwasser hervor.

Es war nicht möglich, den zweiten Fall vom Ufer aus zu sichern, also fuhren Vasilii und Alexander als erste, um „vom Boot aus zu sichern“. Links war ein ein kräftiges Loch, rechts fast grünes Wasser. Von oben betrachte, sah es aus, als könne man direkt nach rechts ins Kehrwasser boofen. Bei konkreter Annäherung stellte sich unglücklicherweise heraus, dass alles etwas größer war, als wir von oberhalb wahrgenommen hatten. Alexander traf das grüne Wasser mit Höchstgeschwindigkeit, tauchte ab und wieder auf - und wurde dann in den Rücklauf gezogen.
 
In diesem Moment erschien Vasilii, dem es zwar gelang zu boofen, der aber ebnso im Loch endete, wie vor ihm Alexander. Gemeinsam surften sie über die andere Seite hinaus und schrien anschließend ihre Anspannung und Freude laut heraus. Der Rest des Teams fuhr weiter links und passierte das Unterwasser unbehelligt. Selbst Artem befuhr den ersten Fall und paddelte nach dem zweiten Fall zurück ins Loch, um etwas Spaß zu haben.
 
Kasachstan Koksu
Quelle: kayakussr.com
 
Der Charyn
So machten wir uns in bester Stimmung auf zum mächtigen Charyn. Die Straße war schon für sich einen Schau: 100 Kilometer über eine Ebene zwischen zwei Gebirgszügen. Als die letzten weißen Gipfel des Djungarsky Alatau Gebirge hinter uns außer Sicht waren, erspähten wir am Horizont die schneebedeckten Berge des Tyan-Shan Gebirge vor uns. Der Charyn fließt nicht im Gebirge, sondern durch ein Plateu in einer tiefen Schlucht, die durch ihr rotes und schwarzes Gestein recht hübsch, aber auch etwas düster daherkommt. Wir erreichten das Tal der Burgen, ein beeindruckendes Naturdenkmal, welches wir jedoch in erster Linie wegen der GPRS-Abdeckung aufsuchten, um Informationen über die Zubnaya Shotka Schlucht, den, neben dem Tau Teke Rapid, schwierigsten Abschnitt des Flusses, herunterzuladen.
Charyn Kasachstan
Quelle: kayakussr.com
Suchbild: Wer findet den Toyota?
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakusssr.com
Zubnaya Shotka (Toothbrush Canyon) begann mit einer kleinen Stromschnelle, die uns bereits ein wenig das Gefahrenpotential diese Flusses spüren ließ. Das Flußbett war voller verstreuter, scharfkantiger Felsbrocken, die eine größere Anzahl von Syphons formten und, als Zugabe, mehrere rückläufige Löcher und ordentlich Gefälle generierten. Und dann waren wir recht schnell mitten drin in der „Zahnbürste“, den Namensgeber der Schlucht. Es begann mit einer Horror-Stelle, die, nach einer Reihe zuführender Walzen, den kompletten Fluß in einem Syphon unter einem flussbreiten Stein verschwinden ließ. In der Anfahrt muss man kurz nach der letzten Walze von links nach rechts traversieren, um zu einem kleinen Durchlass zu kommen, von dem aus man sich nach rechts in Sicherheit boofen kann.
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Mißlingt dies, landet man in einem engen Schlitz, der wohl kaum ein Boot durchlassen würde. Und dann ist da noch, kurz vor der Kante, ein Kehrwasser, das direkt in den großen Syphon zieht. Allein der Gedanke an eine Kenterung irgendwo oberhalb, ließ mich vor Angst in die Hose machen. Die vier Meter breite Stromzunge schoß so gewaltig auf den Eingang des Syphons zu, dass dieser das Wasser nicht auf einmal aufnehmen konnte und eine kleine Welle bildete. Und das ganze als Kröung eines bereits einen Kilometer langen Fünfers, der wahrlich kein Spaziergang war, sondern durchaus Potenzial füe Abenteuer in sich barg.
 
Wir stellten einen Kameramann auf den Felsen, der den Syphon bildete, bereit, die letzten Sekunden im Leben eines Paddlers zu filmen. Vielleicht steigerte ich mich auch ein wenig zu sehr in die Sache hinein, doch die Geschichte meines Freundes Yar Vkasov setzte mich einfach unter Stress. Ich hatte sie vor vielen Jahren, zu Beginn meiner Paddelkarriere, gehört und es damals richtig mit der Angst zu tun bekommen. Yar verpasste das letzte Kehrwasser zu Beginnn der Strecke, stieg aus und schwamm den ganzen Kilometer WW 5, ehe er in den Syphon gezogen wurde. Er hatte bereits mit seinem Leben abgeschlosssen, als er irgendwie doch noch hindurchgezuzelt und unterhalb wieder ausgespuckt wurde. Er tauchte in einem Kehrwasser auf und verlor sofort das Bewußtsein.
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Unsere „diensthabenden Versuchskaninchen“, Antonio und Tom, machten stylisch und anmutig den Anfang. Lediglich Tom musste einmal in der Anfahrt rollen, doch er konnte die Linie halten.
 
Der finale Boof misslang beiden und sie schwappten durch den schmalen Schlitz, durch den doch ein Boot, sogar samt Paddler, hindurchpasste. Ingesamt gesehen also zwei gelungene Befahrungen. Als nächstes waren Vasilii und ich an der Reihe. Ich hatte mir den Eingang des Kataraktes nicht angesehen und mich auf Vasiliis Anweisung „ab durch die Mitte“ verlassen. Nach einer Biegung erwartete mich ein Loch, das es sehr genau mit mir nahm: ich war gefangen und im Surfen bemerkte ich, dass die Kehrwasser auf beiden Seiten auf höherem Niveau waren. Also versenkte ich so lange meine Bootsenden in das einschießende Grünwasser, bis mich das Miststück auf dem Bug stehend ausspuckte.
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
„Ein guter Anfang“ dachte ich mir, vor lauter Gischt so gut wie blind, und padelte weiter. Vasilii hielt zum ersten Mal vor der letzten, entscheidenden Stufe an. Dann boofte er (von dem ich glaube, dass er verwandter mit den tierischen Vorfahren des Menschen ist als normale Leute – allerdings denke ich dabei weniger an einen Affen als an einen Bären) mit animalischen Einsatz (manchmal glaube ich ihn in solchen Situation auch wie ein Tier brüllen zu hören) als einziger von uns auf der Ideallinie. Ich war mir ziemlich sicher, dass mir ein derart energisches Manöver nicht gelingen würde.
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Also entschloss ich mich, den Weg von Antonio und Tom in den Schlitz zu folgen. Danach sammelte ich mich und meinen Gedanken auf, und kam zu dem Schluss, dass man mit so vollen Hosen lieber doch umtragen sollte.
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Dann kam Tau Teke, mächtig druckvoll und 500 Meter lang, doch nach Toothbrush fast lieblich, und mangels Abschlussyphon eher wie genussvolles Achterbahnfahren. Wir paddelten in das Tal der Burgen hinein. Ich bin noch nie am Grand Canyon gewesen, doch diese Landschaft ist ähnlich, wenngleich vermutlich kleiner dimensioniert.
 
Wir bestaunten die verrückten Felsformationen während wir dem Ausstieg entgegentrieben, wo der treue Toyota auf uns wartete, um uns die 2000 Kilometer nach Russland zurückbringen.

Ihr fragt mich, wo die Handlung, die Auflösung, der Bezug und die Faszination dieser Episode ist? Nun gut, wir leben ein großes, unaufhaltbares Abenteur, und da man nie weiß, wie ein Tag enden wird, wird immer Raum für Faszinierendes bleiben.

Text: Peter Malkin/kayakussr.com
Übersetzer: Robert Platzer

Web-Tipp: www.kayakussr.com
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Kasachstan Charyn
Quelle: kayakussr.com
 
Ein großes Lob und Dank an Robert, den Übersetzer dieser Trilogie, ohne ihn wäre die Geschichte nicht auf kajak.at erschienen!

Der russische Monat würd nun eingedeutscht und mit dem Expeditionsbericht von Simon Seeberger mit Geschichten rund um den Baikalsee weitergeführt. Dementsprechend...Fortsetzung folgt...

Lesermeinungen

05.09.2008   Lesermeinung
Dietmar Franz Arnautovic
TrustedPaddler
Einfach nur Geil !!!!!!!!!!!!!!!!!!
 
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