Vom Stromboding zur Steyrbrücke

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Einstieg: Nach dem „Sagmeisterwehr“ befindet sich nahe der Ortseinfahrt Hinterstoder in einer scharfen Linkskurve am rechten Straßenrand ein großer Parkplatz. Von hier führt ein Wanderweg zum „Flötzersteig“ und zum Wasserfall „Strumboding“. Bevor der Weg zu einer Aussichtsplattform ansteigt, nach rechts in Richtung Steg des Flötzersteiges abzweigen. Vor einer Informationstafel nochmals scharf nach links und der Einstieg am rechten Flussufer ist erreicht.

Ausstieg: Nach der Brücke der B 138 (Pyhrnpassbundesstraße) befindet sich am linken Ufer eine breite Betonstiege. Bei höheren Wasserständen Anlanden nicht immer einfach! Beim Gasthaus „Steyrbrücke“ großer Parkplatz.



Falls weitergefahren wird, im beginnenden Rückstau des Kraftwerkes Klaus (bei der Einmündung der Teichl) links bei einer Bootsrampe anlanden. Boote über die Böschung tragen und über den Elisabethsee (Privatgewässer) zum Südufer paddeln. Hier befindet sich ein Campingplatz mit einem öffentlichen und gebührenfreien Parkplatz.



Pegel: 134 cm

Gruppe: Klein- und Großgruppen.

Ausrüstung: Komplette WW-Ausrüstung

Das Jahrhunderthochwasser im August 2002 (der höchste Wasserstand am 12. 8. 2002 betrug am Pegel Kniewas „279 cm“) hat Teilbereiche der „oberen Steyr“ schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die nachfolgenden Sanierungsarbeiten (zuletzt vorgenommen Anfang Oktober 2003 im Stoanahaufn), die mit schwerem Gerät durchgeführt wurden, haben das Erscheinungsbild des Flusses derart verändert, dass der Befahrungsbericht immer wieder neu geschrieben werden muss.

Zur Befahrung des schwierigsten Teilabschnittes der Steyr ist grundsätzlich zu vermerken, dass durch den Ausbau des „Flötzersteiges“ (Wanderweg entlang der Steyr von der Steyrbrücke bis zum Steyr-Ursprung) ein Verlassen des Flusses fast überall möglich ist. Besonders die schwierigeren Stellen können problemlos umtragen werden.

Nach dem Einstieg bleibt keine Zeit zum Einpaddeln. Ein überaus heftiger Schwall entlässt das Wasser aus dem Tosbecken des Stromboding Wasserfalles. In Flussmitte sorgt ein überspülter Felsriegel für eine turbulente Walze. Die Fahrtroute sollte schon vor dem Einstieg festgelegt werden. Unsichere Fahrer können unterhalb des Steges zusteigen (rechtes Ufer), wenngleich der Abstieg zum Fluss sich etwas schwierig gestaltet.

Ab dem Steg folgt eine ca. 300m lange mit großen Felsblöcken durchsetzte Naturslalomstrecke. Die Strömungsgeschwindigkeit ist schnell und die Kehrwasser fordern präzise Technik. Die Schwälle, die auf diesen Abschnitt folgen sind technisch einfacher, aber immer noch relativ heftig.

Vor dem „Sagmeister Wehr“ beruhigt sich die Strömung und es bleibt Zeit, die Reihenfolge der Befahrer zu regeln.
Beim Sagmeister Wehr handelt es sich um ein Holzwehr mit einer Schrägrampe, die bei NW ca. 1/2m oberhalb der Wasserlinie des Unterwassers endet. Lästig sind die eingelassenen Holzbalken und der Rücklauf bei hohen Wasserständen. Dem Rücklauf kann man entkommen, wenn im linken Wehrabschnitt abgefahren wird und man außerdem versucht, senkrecht zur Wehrachse anzufahren. In diesem Fall jedoch Vorsicht auf den Werkskanal und auf die Nägel in den linken Feldern der sich langsam auflösenden Wehranlage!

Nach der Brücke breiter Schwall mit vereinzelt hohen Wellen. Die Strömung strebt auf einen Prallhang zu und wird von diesen nach links abgedrängt. Im Kurvenausgang befindet sich am rechten Ufer ein Konglomeratfelsen, der bei höheren Wasserständen für Verschneidungen und Absaugungen sorgt – Spielstelle.
Kurz darauf folgen zwei Steinwürfe, zwischen denen der Werkskanal wieder mündet.
Das Gefälle nimmt nochmals zu und ein netter Schwall in und nach einer langgezogenen Rechtskurve entwickelt sich. Haben sich bis hierher die Regulierungsmaßnahmen zum Zwecke der Wildbachzähmung noch in Grenzen gehalten, sind nun durch Baggerarbeiten ehemals „wildere“ Abschnitte leider ganz verloren gegangen. Riesige Felsblöcke wurden geschliffen und zur Ufersicherung oder zum Bau von Gefällsbremsen verwendet. Lediglich nach den Steinwürfen entwickeln sich hohe Wellen. Sonst ein eher eintöniger Streckenteil, wie dies bei regulierten Bächen üblich ist. Dies ändert sich bei Erreichen des Steges in der Einfahrt zum „Stoanahaufn“. Zwei Strömungsäste streben auf die Engstelle beim Steg zu. Dies führt kurz oberhalb des Steges zu gewaltigen Verwirbelungen und eine sehr turbulente Strömung bildet sich. Da Felsrippen überströmt werden, bildet sich bei höheren Wasserständen auch eine Walze aus, die Rodeofiguren direkt beim Steg erlaubt. Nach dem Hochwasser musste der Steg neu gebaut werden. In der Bauart ist er dem vom Hochwasser zerstörten Holzsteg nachempfunden. Da das Unterwasser tief genug ist, kann mit Partnerhilfe der Sprung vom Geländer gewagt werden. Selbstverständlich im Boot sitzend und nach anderen Flussbefahrern Ausschau haltend! Nach dem Steg nimmt das Gefälle nochmals zu und eine breite Stufe muss abgefahren werden. Leider wurden auch in diesem naturbelassenen Streckenteil zur Sicherung des Flötzersteiges (?) tiefschürfende Baggerarbeiten durchgeführt (!!!). Die Naturslalomstrecke „Der Stoanahaufn“, einer der Höhepunkte der oberen Steyr ist verschwunden. Dem Flötzersteig wurden mit den Felsen des Flussbettes „Füße“ gemacht, wie ein Arbeiter der Gemeinde Hinterstoder stolz vermerkte. Außerdem wurden die Spielstellen im linken Uferbereich vom fleißigen Baggerfahrer zugeschüttet, sodass nicht einmal mehr die Fische genügend Platz zum Schwimmen finden. Vielleicht waschen kommende Hochwasser den Schotter aus und lassen wenigstens einige tiefere Tümpel entstehen. Derzeit kann der breite Schwall, in dem die Steine nur leicht überspült sind, nur in der Mitte abgefahren werden.

Bis zur Schrattenthalerbrücke nehmen die Schwierigkeiten von einer Schwallstrecke abgesehen wieder deutlich ab.

Nach der Brücke drückt der Bach auf die Felsen des rechten Ufers. Neben sehr schönen Kehrwassern direkt an der Felswand folgt eine zünftige Kerzerlstelle!

Die Straße nach Hinterstoder rückt nun direkt an den Fluss heran und mit einer Ausnahme treten die Regulierungsspuren, erkennbar an den Schotterkrawatten am Ufer, deutlich in den Hintergrund. Pardon: ebenfalls im Oktober wurde begonnen, auf dem Schotter Humus aufzutragen. Wohl in der Annahme, dass dadurch die Natur wieder zurückkommt. Ob oberhalb des Stoanhaufns die Schotterkrawatten ebenfalls einen Naturtupfer erhalten muss abgewartet werden. Wahrscheinlich nicht, denn hier verwehren steile Konglomeratwände den kritischen Beobachterblick. Ab der Einmündung des Weißenbaches präsentiert sich der Steyrfluss wie eh und je. Der erste Höhepunkt wird unterhalb einer den Bach überspannenden Brücke erreicht. Bei höherem Wasserstand bieten sich drei Durchfahrten an, wobei die linke Durchfahrt die technisch interessantere darstellt. Noch sind die Schwierigkeiten nicht vorbei, denn nach einer scharfen Linkskurve stellt sich der „Große Stoa“, ein Riesenfelsen, der früher Teil des „Dirnbacher Rechens“ war, scheinbar unüberwindbar in den Weg. Die Hauptströmung strebt direkt auf dieses Felsenhindernis zu. Vorbeifahrten sind rechts und links möglich. Da die rechte Fahrrinne sehr schmal ist, verkeilen sich immer wieder mächtige Baumstämme, sodass die Wahl dieser Route einer vorherigen Besichtigung bedarf. Die linke Fahrspur ist harmloser, außerdem kann bei der Durchfahrt das Kehrwasser ausgenützt werden. Nach dem Felsblock folgt auf eine kurze Gefällsstrecke ein kleiner Tumpf, der bei höherem Wasserstand durch Verwirbelungen auffällt. Gleich anschließend folgt ungewöhnliches Gefälle. Hohe Wellen, scharfe Kehrwasser und überspülte Felsblöcke prägen diesen letzten schwierigeren Teil der Steyr.
Zwischen „Großem Stoa“ und dem „Pegel Kniewas“ (linkes Ufer) wurde in Anlehnung an gewachsenem Fels ein ca. 1/2m hoher Steinwurf aufgeschüttet. Da das Unterwasser in der mittleren Anfahrt unsauber ist, wird eine der linken Durchfahrten empfohlen. Bis zur Brücke der Pyhrnpassbundesstraße nehmen die Schwierigkeiten weiter ab, lediglich kurz vor dieser erlaubt eine umspülte Felsnase nochmals den Bug des Bootes tief nach unten zu drücken. Die Wassertiefe für nachfolgende Rollversuche ist jedenfalls ausreichend.
Nach einer Wegstrecke von 8-9 km und einer Fahrzeit von ca. 2 Stunden wird meist bei der Betonstiege des Gasthauses Steyrbrücke der Fluss verlassen.
Ein Wirtshaus mit Gastgarten, gepflegter Küche, netter Bedienung und als Erinnerung an vergangene Wildererzeiten auch das von den ehemaligen Holzknechten so geschätzte „Gstachelte Bier“.
Übrigens: Die Steinwürfe, die im Zuge der Sanierungsarbeiten angelegt wurden, sind frei von Eisen! Noch – hoffentlich bleibt es so!
Persönliche Anmerkung: die Steyr zwischen Sagmeisterwehr und Einmündung des Weißenbaches hat durch die Beseitigung der Hochwasserschäden (oder was dafür gehalten wird) keine Natürlichkeit mehr und gleicht einer Autobahn mit einigen Fahrbahnverengungen!

Friedrich (Fritz) Kunze
Aktualisierung: 17. 10. 2003

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