Die obere Gurgler Ache

no-avatar
Mauracher Bernie Obere Gurgler Ache

Blick vom Einsteig aus in Richtung taleinwärts.

Perle und Diamant in den Ötztaler Alpen

Das Quellgebiet befindet sich unter dem gr. Ramolkogel auf 3350m. Die Gurgler Ache kann jederzeit mit den Klassikern des Ötztal mithalten und braucht auch keinen Vergleich scheuen.
1982 wurde erstmals ein Teilabschnitt erstbefahren. Es war der von der Straße aus gut einsehbare Abschnitt Sanhnestüberl bis Steilabruch. Nachdem Berni Mauracher und ich schon mehrmals gescoutet hatten, war es Mitte Juli endlich soweit.
Nach der legendären Getriebeparty in Köfels fuhren wir mit Brummschädl Richtung Obergurgl. Die Anfahrt war sehr lustig und mit Trommel und Gesang erreichten wir die Einstiegstelle.

Sissy, Berni und ich werden den Abschnitt Obergurgl - Sahnestüberl in Angriff nehmen. Bei der Brücke, die zu Ramolhaus führt, gleiteten wir ins kühle eisige Gletscherwasser. Nach ca. 50m li der Pegel, wir haben idealen Wasserstand: 1,20m MW. Auf den ersten 2km nur leichtes Wildwasser.
Das Wasser ist glasklar, Sissy und Berni paddeln durch die ersten Schwälle und Walzen, im Hintergrund die herrlichen Berge und das ewige Eis und Schnee der Ötztaler Alpen. Während die beiden Richtung Schlucht paddeln, versuche ich immer wieder mit meiner Kamera diese Eindrücke festzuhalten.

Mauracher Sissi Rubasch

Sissi Rubasch und Franz Puckl am Beginn der ersten Schlucht.

Nun nimmt das Gefälle zu und ein Doppel-S mit Felswand auf der rechten Seite kündigen die bevorstehende Schlucht an. Berni und Sissy sind schon dabei, die 2m breite Einfahrt mit Stufe, die mir etwas unsauber erscheint, zu checken.

Nach dem Motto "Ladies first" paddelt Sissy ohne Rücksicht auf unser Männerego los. Routiniert meistert sie diese knifflige Stelle, anschließend durfte ich mit meinen Nomad 8.1 ran. Oh oh schitt, eine Eskimorolle jetzt bin ich wieder nüchtern.

Mauracher Franz Puckl

Franz donnert durch die Katarakte kurz oberhalb des Sahnestüberl.

Mauracher Gurgler Ache

Blick von der hohen Brücke aus in Richtung erste Klamm

Wir paddeln jetzt durch enge Passagen, Stufen und Querwalzen. Ca. 70m über der Schlucht eine Hängebrücke, 3 Wanderer gehen darüber. Plötzlich lautes Geschrei - zuerst check ich gar nicht was sie meinen. Doch wärend ich mich fürs Filmen positionierte, machte sich mein Boot selbstständig.

Mauracher Gurgler Ache

Bernhard bezwingt die Steilkatarakte ohne mit der Wimper zu zucken.

Das kann doch nicht sein, erst jetzt merkte ich, daß das Wasser nicht mehr klar, sondern eine Wiener Melange Farbe hat. Die Mittagssonne und ein extrem warmer Tag lassen die Gurgler Ache jetzt mächtig anschwellen. Die 1 km lange Schlucht öffnet sich allmählich und die Schwierigkeiten nehmen jetzt ab. Das Schluchtende zeichnet sich durch eine Brücke ab.

Von hier ist die Gurgler Ache leider kanalisiert, trotzdem geht es noch 2 flotte km bis zum Ausstieg. Langweilig wurde es uns nicht, immer wieder verleiten uns Walzen und Spielwellen zum Verweilen. Von Weitem sehe ich Berni schon die Böschung raufklettern - der 1.Ausstieg ist erreicht.
Natürlich ist auch Sissy und meine Wenigkeit beim großen Liftparkplatz ausgestiegen, denn die unfahrbare Wasserfall Kombination, darauf hatten wir keinen Bock.

Mauracher Puckl Franz

Wie auf Schienen und auf Zentimeter genau paddelt er die schwierigsten Strecken der Gurgler-Ache.

Mauracher Gurgler Ache

Muß unbedingt umtragen werden, das Stück bei der Brücke der Lawinengalerie.

Es folgte jetzt ein Transfer mit dem Auto ca. 500m und nach einer kurzen Stärkung gings weiter. Von der Straße aus klettern wir über die Leitschiene, jetzt geht es den Wanderweg steil nach unten. Knapp unterhalb des Wasserfalls steigen wir wieder ins Boot.

Die Anspannung ist in unseren Gesichtern zu sehen. Dieser Lawinengalerieabschnitt ist anscheinend zuvor noch von keinem befahren worden! Kaum saßen wir im Boot, erfaßte uns die extrem starke Strömung und man möchte meinen, man sei in einer Achterbahn. Nach etwa 500m, es wird noch steiler und ruppliger.

Ich kämpfe mich durch Walzen und Löcher, vor mir ein ganz steiler Katarakt, ich sehe ein Stahlseil knapp über den Fluß hängen. Mit ein paar kräftigen Ziehschlägen erreiche ich das rechte Ufer. Ein äußerst ungünstiger Platz... ich signalisiere Berni u.Sissy, links anzuhalten.

So besichtigen wir von beiden Seiten. Wie immer springt Berni wie eine Gämse von Stein zu Stein. Ich kenne Keinen, der so über die Felsen fegt. Es dauert nicht lange und er gibt mir das o.k. Zeichen. Sissy hat zwischenzeitlich umtragen und auf der linken Seite ausgecheckt.

Für sie endet hier die Fahrt. Ich suche mir einen guten Platz zum Absichern, zur Vorsorge nehme ich gleich 2 Wurfsäcke mit ...man kann ja nie wissen... Sissy sichert die linke Seite.

Mauracher Puckl Franz

Kurz vor den unfahrbaren Wasserfällen

Mauracher Puckl Franz

Links Umtragen ist gut möglich.

Dieser Abschnitt man kann ihn mit der Mausefalle auf der Streif/Kitzbühel vergleichen - einfach brutal. Berni startet, gleich die erste Walze verschluckt ihn, er taucht auf, schon katapultiert es ihn ins nächste Loch, jetzt geht es sehr schnell, knapp taucht er unter dem Stahlseil hindurch, fast hätte ihn die unterspülte Felsplatte unter sich gezogen aber Berni fährt jetzt wie auf Schienen.

Millimeter an der linken Felsenwand booft er an einem Monsterloch mit Riesenrücklauf vorbei. So, jetzt sollte ich ran ... doch die ersten 50m musste ich kneifen. Das Stahlseil ... nein ich muß nicht überall runter.

Danach stieg ich wieder ein und auch die rechte Spur hatte es ganz schön in sich. Die letzten 200m - vermeintlich etwas leichter - eine 3fach Stufe, man kommt sich vor wie in einer high speed Bobbahn, wir sehen schon den Holzsteg, dieser zeigt uns das Ende der großen Schwierigkeiten an.

Von hier wird es wieder etwas flacher und breiter.

Mauracher Puckl Franz

Ein schwerer Steilkatarakt zwingt den Franz zum Umtragen.

Mauracher Puckl Franz

Der zweite und leichtere Katarakt.

Berni und ich paddeln nebeneinander, die letzten 800m bis zu Sahnestüberl sind ein Genuß. Knapp vor dem Ausstieg noch einmal eine kurze Schlucht, auf der waren oder nicht - gelohnt hat es sich allemahl. An der Brücke werden wir schon erwartet. Nach 5h hatten wir es geschafft.

Egal ob wir jetzt die ersten abgeben. Für technisch versierte Paddler oder Creekfreaks ein Genuß.

Befahrungszeiten : Frühjahr bis Spätherbst

Mit sportlichen Grüßen Euer Franz Puckl - Kanuschule KITZ ALP

Text: Franz Puckl
Bilder: Bernie Mauracher

Im Social-Web teilen:
TrustedPaddler
Bootfahren macht Spaß - Momente davon "einzufrieren" auf einem Bild, macht auch Spaß ...Zum Fotografieren nehm ich oft die Paddler her. Freude und Begeisterung, Mut, Respekt & Ehrfurcht ist aus den Gesichtern zu lesen.

Keine Kommentare

Dieser Artikel hat bislang keine Kommentare erhalten.

Entschuldige, vielleicht sind alle Kommentare den Bach runtergegangen oder es hat einfach noch niemand einen Kommentar hinterlassen. :(

Aber du kannst der erste sein, der einen Kommentar hinterlässt !

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.