Türkei Expedition 2005 - Teil 2

Tagelange Autofahrt bei brütender Hitze, eine Flussbefahrung in 8 Tagen.[br][/br]War's das ?

no-avatar

Von der Abreise in Tirol bzw. Deutschland bis in die Türkei haben wir bis jetzt schon sehr viel erlebt. Lange Autofahrt, enorme Hitze, keine Klimaanlage, eine Verhaftung, kaputtes Auto, Grenzübergang von Griechenland in die Türkei. Der erste Bach war ohne Wasser, der zweite war dafür eigentlich ganz OK. Mal schauen was uns in nächster Zeit so erwartet.

Link: Türkei Expedition 2005 - Teil 1

Türkei Arnu

Manuel Arnu am Caglayan

Türkei mauracher

Türkei mauracher

Alltäglicher Personentransport in der TürkeiDiese Ruine wurde sorgfältig unter die Lupe genommen

Wir schreiben den 16.7.05, ein Samstag. Wir sind seit acht Tagen unterwegs und haben erst einen Bach befahren. Jetzt wollen wir endlich kajakfahren, nicht nur mit dem Auto, sonst kriegen wir alle noch die Krise. Für was sind wir denn eigentlich hier!!

bernhard mauracher

Bernhard mauracher

bernhard mauracher

bernhard mauracher

Bernhard Mauracher zeigt... ...warum er eigentlich da ist

Heute sind wir aus dem Tal zum Schwarzen Meer gefahren, vielleicht entdecken wir auf diese Weise einen Fluss mit Wasser, nicht nur angespritzte Felsblöcke. Unser Wunsch erfüllte sich. Wir fuhren an einer Ortschaft namens Of vorbei und lugten ständig voll Vorfreude aus dem Autofenster, um uns ein Bild von dem erwählten Fluss und seiner Schwierigkeit zu machen.
Die Fahrt dauerte ein Weilchen, denn der Charakter der Flüsse um das Schwarze Meer herum ist der, dass sie im Unterlauf sehr breit und flach sind, nach 20–30 Kilometern das Gefälle zunimmt und im Oberlauf sind sie so richtig steil und schwer.

olaf obsommer

Olaf Obsommer in voller Pracht

Es war zu steil, um die Straße normal dem Flussverlauf entlang zu bauen, und deswegen führt sie serpentinenförmig entlang, man kommt eher langsam voran. Mit Adleraugen erspähten wir eine Steilzone, und nach einigem Beratschlagen entschieden wir uns lieber dafür, diese nicht befahren zu wollen.
Am Anfang der Steilzone ist eine große schöne Moschee mit einem klitzekleinen Dörfchen drum herum, und für die ziemlich mickrige Anzahl von Häusern gibt es erstaunlich viele Geschäfte und Souvenirläden. Neben dem Dorf ist ein großer See mit wunderschöner blau-grünen Farbe.

Bernhard mauracher

Bernhard bei seiner Erstbefahrung am Tunca Deresi

Wir packten die Geldtaschen aus, gingen shoppen und machten ein paar Aufnahmen. Auf einmal sagte ich: "Ich will die Steilzone befahren, wer ist dabei?" Die Anderen schauten mich mit entsetzten, erstaunten oder erschrockenen , so genau lässt sich das nicht definieren, Gesichtern an und die Begeisterung hielt sich in Grenzen. "Nun ja", dachte ich mir, "dann muss ich eben alleine paddeln". Während ich die Kajaksachen schlüpfte entschied sich Hendrik doch mitzupaddeln. Ich war froh darüber, denn zu zweit macht es doch viel mehr Spaß als im Alleingang.

Bernhard mauracher

Bernhard Mauracher

Türkei Bernhard



Bevor wir einstiegen, informierten wir uns noch gründlich im DKV-Führer über die Schwierigkeiten und waren froh, dass diese sich von WW II bis WW IV beschränkten. Doch die Realitätstreue bezweifelten wir stark. Aber egal...


Wir booteten mit einem flauen Gefühl im Magen ein, paddelten am See unter einer Brücke durch und stiegen nach 200 Metern vor der Steilzone wieder aus. „Lieber besichtigen, als sich auf den DKV-Führer verlassen!“. Ein richtiger Gedanke.


Die Steilzone ist ein Katarakt mit ca. 12–13 Stellen, ungefähr 150 Meter lang und mit einem Gefälle von 200 Promille. Einfach ein Wahnsinn.Für Publikum war ausreichend gesorgt, die Einheimischen aus dem Dörfchen liefen oder kamen mit dem Auto nach, um sich auf keinen Fall etwas entgehen zu lassen. So was sieht man ja auch schließlich nicht alle Tage.



Bild rechts: Die Steilzone am Solaki Dere

Bernhard Mauracher

Einmal hoch, einmal runter, jede Stelle intensiv besichtigen, alles einprägen, vor dem Einstieg noch Mal jede Stelle, jeden Paddelschlag in Gedanken revue passieren lassen. Denn ein Schwimmer endet hier mit Sicherheit tödlich. Und starten... Boofen... Auf keinen Fall rollen, dafür gibt es keine Zeit, zu schnell sind die Übergänge, zu stark ist das Gefälle. Alles muss sitzen...Und es sitzt! Ich habe jede einzelne Stelle so befahren, wie ich es geplant habe, nur bei der vorletzten Stelle hat es mich einmal abgedreht. Im Kehrwasser nach dem Katarakt musste ich erstmal jubeln und ein unbeschreibliches Gefühl machte sich in mir breit. Erst jetzt entdeckte ich die Busse, die oben auf der Straße stehen geblieben waren, um zuzuschauen. Hendrik hat das steilste dann nachträglich umtragen.Bild links: Sehr steil und äußerst hart im nehmen..

Die nächste Stelle besichtigten wir wieder genau, eine leichte Einfahrt mit einem folgenden extrasteilen und schweren Katarakt. Unsere Entscheidung war gefallen, wir wollten die Stelle fahren. Erst ich und dann Hendrik, denn nach dem letzten Katarakt konnte mir bzw. uns ja wohl nix mehr geschehen. Dachten ich mir zumindest, aber der Teufel schläft nie. Denn gerade leichte Stellen darf man nie unterschätzen, und das habe ich hier nicht bedacht. Mir passierte ein lebensbedrohlicher Fehler.

Bernhard Mauracher

Bei der „leichten“ Einfahrt, eine Ein-Meter-Stufe, erwischte ich den Boof nicht, weil mich unmittelbar an der Kante ein Stein so abgebremst hat, dass mich der Schussstrahl unter Wasser drückte und ich quer vor einem Block hängen blieb.Das Wasser drückte meinen Rücken auf das Heck. „Das wars dann wohl“. Ich hatte keine Chance auf Hilfe von außen und war jetzt völlig auf mich allein gestellt. „Ruhig bleiben“. Die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war, mich nach hinten abzurollen. Irgendwie riss ich die Spritzdecke auf und ich musste meine Beine aus dem Boot bekommen. Das war das Schwierigste, doch es gelang. Ich tauchte irgendwo wieder auf, der Schwimmweste sei dank, ich konnte kaum nach Luft schnappen, als Hendrik mich packte und mit einem kräftigen Ruck ans rettende Ufer zog. Ich war und bin heilfroh, dass ich diesen Horror überlebt habe.Wasser entwickelt enorme Kräfte, das wurde mir in diesem Moment sehr deutlich vor Augen geführt, das werde ich nie wieder unterschätzen und auch scheinbar unscheinbare Stellen genau besichtigen, wenn es um Leben und Tod geht.Bild links: Der weiße Strich kennzeichnet die Ideallinie. An der rot markierte Stelle hing Bernhard unter Wasser vor dem Block...

Das Kajak konnten wir nicht bergen, und uns wurde klar, dass wir kaum eine Chance gehabt hätten, einen Bewusstlosen zu bergen. Also setzten wir uns ans Ufer und warteten. Ich musste den Schock auch erst mal verdauen.
Von Zeit zu Zeit und in unregelmäßigen Abständen schwamm uns das Kajakinnenleben entgegen, von den Fußstützen über die Auftriebskörper bis hin zu den Sitzfittings. Wir sammelten alles ein und nach ca. einer Stunde machte sich auch das Kajak auf den Weg, nämlich mit dem Heck voran auf den nächstbesten Stein im folgenden Katarakt. Ich werde jetzt immer durch die Riesendelle in der Spitze vom Heck an diesen Tag in der Türkei erinnert. Hendrik fuhr diese Stelle dann doch nicht.

hendrik joosten

Hendrik Joosten

Alles wieder an seinen Platz wo es hingehört, die Kajakausstattung, Hendrik und Bernhard und jetzt auch Olaf ins Boot, Spritzdecken zu und weiter geht’s. Mir war es wichtig, gerade jetzt wieder einzusteigen und den leichter werdenden Fluss die letzten 2 km bis zum Ausstieg fertig zu paddeln. Ich war wieder ruhig. Der Tag klang gemütlich aus.

olaf obsommer

olaf obsommer

Nur fliegen ist schöner...Olaf Obsommer

Bernhard mauracher

bernhard mauracher

Typischer Tee-Anbau in der Türkei.Von den Einheimischen wurden wir oft zum Tee eingeladen.

Der nächste Bach war der Byüyh Dere. Ein sehr lohnender Fluss. In der Nähe eines Teehauses (die gibt’s in der Türkei massenweise) holten uns Einheimische aus dem Fluss raus um uns alle auf einen Tee einzuladen. Die Leute hier sind alle sehr nett und sehr freundlich. Das hätten wir uns nicht erwartet, eine positive und schöne Überraschung.
Nach der Teepause paddelten wir weiter, doch es dauerte nicht lange, als wir wieder aus dem Wasser gefischt wurden. Diesmal vom Militär. Nein, wir haben nichts Schlimmes angestellt. Das Militär sprengte „nur“ einen halben Berg weg.

bernhard mauracher

bernhard mauracher

Sowas sieht man nicht jeden Tag......der Berg wurde einfach gesprengt!

Die Kajaks schultern und wieder einen Kilometer zurück, also stromaufwärts, tragen. Das war ein guter Einsatz für das beeindruckende Erlebnis. Der Boden zitterte unter unseren Füßen und der halbe Berg donnerte in einer Steinlawine herunter. Das Militär war auch sehr freundlich und hilfsbereit und wir durften mit zur Sprengstelle fahren, um zu filmen und fotografieren.
Wir fuhren taleinwärts zurück und suchten uns ein schönes Schlafplätzchen.

Manuel Arnu

Manuel Arnu

Manuel Arnu

Manuel Arnu

Jetzt ging es Tag für Tag dahin. Alle Tage einen anderen Fluss, einer schöner als der andere.
Wir meisterten zahlreiche Erstbefahrungen und es entstanden super Aufnahmen, die Olaf auf seiner Filmtour 2006 zeigen wird.
Jeden Abend verwöhnte uns Manuel mit seinen Kochkünsten aus seinem kugelrunden gusseisernen Topf. Hin und wieder sind wir aber auch in die Stadt gefahren und haben türkische Spezialitäten wie zB Kebap gegessen.

Bernhard mauracher

türkei mauracher

Bernhard in Action bei den DreharbeitenDrei Tage waren wir auf dem Calglayan unterwegs

dave mamby

Der Engländer Dave Mamby - der bei der Sturzfahrt vom Everest dabei war - war auch in der Türkei unterwegs

Manuel Arnu

Manuel am Findikli

Philis Arnu



Unsere Gruppe wurde jetzt verstärkt, durch Phillis Arnu, die Frau von Manuel. Phillis ist mit dem Flieger nach Trapzon nachgekommen, wo sie Manuel dann abgeholt hat....

Jetzt ist das Auto so richtig voll geworden. Schminksachen, 12 Paar Schuhe und 5 Koffer. Nein, nein. Nicht wegen Phillis. Die hatte wenig Gepäck dabei und nicht so wie man das von Frauen normalerweise gewohnt wäre.



Bild rechts: Phillis Arnu

Manuel Arnu

Für die nächsten drei Tage haben wir uns in einem Hotel bzw. Zustand einquartiert, denn wir sollten Safety-Kayaker bei einer Raftveranstaltung machen. Es war eigentlich ganz nett, nur das Rennen wurde irgendwie nicht durchgeführt. Naja, was soll’s. Wir zogen weiter, um neue Flüsse zu befahren, Fotos zu machen und Landschaften aufzunehmen, kurz und gut, die Türkei zu genießen.Drei Tage später sind wir in Ayder gelandet. Von hier aus starteten wir eine dreitägige Treckingtour.Doch dazu im nächsten und letzten Bericht. Ich werde euch noch von der dreitägigen Treckingtour über das Kackkargebirge (3937 m), vom Fluss Coruh und dem Nachhauseweg erzählen.Link: Türkei Expedition 2005 - Teil 1Bild links: Manuel am Findikli

Manuel Arnu

manuel Arnu

Bild oben: Schön kurz schneiden...Bild links: Manuel beim türkischen Männer Frisör..

Türkei Arnu

Jetzt sind sie wieder fesch die Jungs...

sonne türkei

Sonnenuntergang am Schwarzen Meer

banner türkei

langer banner

Bilder: Hendrik Joosten, Bernhard Mauracher, Manuel Arnu
Bericht: Bernhard Mauracher

Im Social-Web teilen:

Türkei Expedition 2005

6 Kommentare

  1. no-avatar
    olaf prachtvollvor 13 Jahren

    muss den bernie korrigieren, unser luxusmobil hatte eine klimaanlage, nur wenn wir sie angeschaltet haben hatte der düsenantrieb schmerzhafte 10 ps weniger, und DAS geht ja wohl nicht!

    olaf prachtvoll

  2. TrustedPaddler

    Super spannender, perfekt gemachter Artikel - Gratulation! Und 3x auf's Holz klopfen, dass der Horror gut ausgegangen ist... Peter

  3. TrustedPaddler
    Wolfgang Zimmermannvor 13 Jahren

    dank schön für euren spannenden bericht und die guten fotos -
    is immer wieder schön zum lesen und anzumschaun, sowas,
    grad im winter.
    gschieht Euch grad recht, dass Ihr habt sauber schwitzen müssen ...

    bi echt froh, dass Du lebendig rauskommen bist, bernie!

    gruß wolfgang z.

  4. no-avatar

    gratulation
    sehr spannender und schoener bericht

    lg
    ernstl

  5. TrustedPaddler

    Freut mich, dass euch der Bericht gefällt.

    Schöne Grüsse

    Bernhard

  6. TrustedPaddler

    Cooler Bericht und absolut schöne Bilder. Da haben die Türken mal was zum Staunen gehabt.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.