Beeindruckendes Einmalerlebnis: Der Kalserbach-Durchbruch in Osttirol

Schwerstes Wildwasser, uneinsehbare Zwangspassagen, halsbrecherische Portagen und kaum ein Fluchtweg. Ende Juli gelang Daniel Herzig und Rainer Glanz im "Zwei-Mann-Stil" die erfolgreiche Befahrung von Osttirols extremster Schlucht.

TopSiteNews durchbruch
kalserbach herzig

Daniel in einer der ersten schwereren Stellen

Sommer 2000: Die beeindruckende Schlucht durch die sich der Kalserbach am Fuß des Großglockners ins Iseltal gräbt, erweckt zum ersten Mal meine Aufmerksamkeit. Versuche von oben und unten die Schlucht zu erkunden scheitern an dem extrem unwegsamen Gelände, aber der Wunsch sie einmal mit dem Kajak zu durchfahren, bleibt. Jedes Mal wieder wenn ich in Osttirol bin weckt, der Durchbruch erneut mein Interesse. Erste Geschichten von erfolglosen und auch einer erfolgreichen Befahrung (Bernd Sommer, Dirk Schwarzer, Manuel Arnu, Olaf Obsommer) erreichen mein Ohr und zusammen mit Daniel Herzig, selbst bei einem erfolglosen Versuch im Jahr 2003 (zusammen mit Olaf Obsommer, Jensen Klatt, Nils Kargel und Frank Bürgel) mit dabei, entschließen wir am Montag den 31. Juli 2006 einen erneuten Versuch zu starten.

Am Vortag checke ich die Wasserstände in der Früh und am Abend und alles passt ziemlich gut. Wetterbericht: bedeckt, nicht zu heiß, keine Gewitter – perfekte Bedingungen für den nächsten Tag. Wir übernachten am Wehr am Einstieg und frühstücken ausgiebig. Dann teilen wir die Ausrüstung auf. Fast wie für eine Klettertour bepackt und leicht nervös machen wir uns bereit zur Abfahrt, als ein Bediensteter der TIWAG beim Wehr auftaucht. Daniel, nett und sympathisch wie immer, erfährt von diesem, dass er das Wasser langsam auf höchstens 12 Kubik steigen lassen und nach einer Stunde wieder auf die ursprüngliche Wassermenge reduzieren wird. Netter Herr – böse Firma. Auch so etwas gibt es.

kalserbach großglockner

kalserbach großglockner

Früh am Morgen lacht uns der Glockner anDer untere Teil der Schlucht von der Strasse aus gesehen

Also dann los. Daniel hupft übers Wehr und wir verschwinden in der Schlucht. Die Stellen sind gleich zu Beginn steil, verwinkelt und schwer zu scouten. Meistens fahren wir hintereinander, weil Sichern fast unmöglich ist. Bald erreichen wir einen unfahrbaren Baumverhau, und danach beginnen die ersten schwierigeren Stellen, die sich alle als Zwangspassagen erweisen. Die meiste Zeit treffen wir uns im nächsten von oben erkennbaren Kehrwasser. Langsam steigt das Wasser, und das Stehenbleiben wird ob der kleinen Kehrwässer immer schwieriger.

kalserbach herzig

kalserbach herzig

Das Wehr am BeginnDaniel beim Umtragen des ersten Teils der 1. Steilzone

kalserbach herzig

Im oberen Abschnitt

Kalserbach-Durchbruch

Länge: ca. 5 WW: 5-6 (2 mal X) in einer völlig unzugänglichen Schlucht Umtragen der beiden X Steilzonen sehr gefährlich und bei zu viel Wasser unmöglich Vollständige Alpinausrüstung mit Express- und Bandschlingen, Sicherungsmaterial und Seil nötig (wir haben alles bis auf das Erste-Hilfe-Set auch benutzt) 7-10 Stunden erforderlich Unvorhersehbare weil automatische Bachspülungen möglich, nicht bei Gewitter oder zu heißem Wetter einfahren Vergleichbar mit oberer Vecchio-Schlucht, mehr Zwangspassagen und viele Abschnitte schwer oder nicht zu scouten und zu sichern, Stellen gehen ohne ruhige Abschnitte ineinander über, oft nur sehr kleine Kehrwässer, viele Bäume, bei unserer Befahrung nur eine Stelle wegen Bäumen X, Gruppen mit mehr als 4 Fahrern könnten Probleme bekommen1-2 extreme Fluchtwege aus der Schlucht, sonst wohl nur auf dem Wasser- und Luftweg zu verlassen

kalserbach durchbruch

kalserbach durchbruch

Der SprungAbschnitt nach dem Sprung

Dann ist der erste unfahrbare Abschnitt erreicht. Von links verlegt ein Felssturz den Bach und bildet auf ca. 300 Meter eine mit Baumverhauen übersäte, völlig unfahrbare Steilzone. Zuerst umtragen wir links über die Geröllhalde, um dann bei der Hälfte der Steilzone vor dem Problem zu stehen, die Flussseite wechseln zu müssen. Die Linke wird nämlich von da an von einer Felswand gebildet, und der einzige Weg ist ein Sprung über die dort ca. 2 ½ Meter breite Steilzone. Die Situation ist etwas angespannt, aber Gott sei Dank (!!) geht alles gut. Ab diesem Zeitpunkt befindet sich auch Daniel in absolutem Neuland, denn bei seinem ersten Versuch die Schlucht zu paddeln, war der Sprung wegen des zu hohen Wasserstandes nicht möglich.

kalserbach herzig

Ein typisches Kehrwasser in der Schlucht

Nach der Steilzone verengt sich die Schlucht noch mehr, und im nächsten Kehrwasser stehen wir vor einer Zwangspassage, die wohl zum Schwersten gehört, das wir beide jemals befahren haben. Kein Umtragen möglich, kein Weg zurück – also Wohl oder Übel fahren wir wieder im inzwischen bewährten "Zwei- Mann-Stil" ins nächste Kehrwasser. Die Stellen bleiben extrem anspruchsvoll, und fast alles ist kaum zu sichern, und nicht zu umtragen. Dann ist der nächste Felssturz und die dazugehörige unfahrbare Stelle erreicht. Beim Umtragen stellen wir mit Schrecken fest, dass der einzige Weg wohl durch einen extrem steilen Wald führt, da eine Insel im Bach durch den zu hohen Wasserstand nicht erreichbar ist. 1 ½ Stunden später und 20 Meter weiter seilen wir die Boote wieder zum Fluss ab und wechseln die Flussseite. Obwohl das Iseltal schon kurz sichtbar war, gibt es eine böse Überraschung. Ein ca. 200 Meter langer, extrem steiler Katerakt, wieder ein Mal nicht zu umtragen und nicht richtig zu scouten, liegt zwischen uns und dem letzten, leichteren Teil der Schlucht, den Daniel schon einmal von unten angeschaut hat. Uns bleibt nur die Wahl zwischen einer Aufgabe oder dem Biss in den sauren Apfel. 20 Sekunden später, im Kehrwasser unter der Gefällzone, lachen wir uns an, in dem Wissen es fast geschafft zu haben.

kalserbach durchbruch

kalserbach durchbruch

Yeahhh!!!!Im Mittelteil

Jetzt nur keine dummen Fehler mehr, und nach 8 Stunden erreichen wir die in der Abendsonne in goldenes Licht getauchte Isel, und auf unseren Gesichtern haftet ein für einige Zeit nicht mehr entfernbares Grinsen. Noch eine Käsekrainer (und für den Helix noch eine extra Debreziner) und ein Bier beim Würschtelstand, und leicht illuminiert machen wir uns auf den Rückweg nach Ainet. Fazit: Ein wunderbares Erlebnis in einer extrem beeindruckenden Schlucht, die uns beide aber wohl nicht mehr wiedersehen wird.

RG – GBP Productions
Fotos: Rainer GlanzText: Rainer Glanz und Daniel Herzig

DragoRossi | Shockwave | Riverstar | Blue and White | hf° | Dagger | Northland Professional |

Im Social-Web teilen:

3 Kommentare

  1. TopSiteNews durchbruch

    Hi Jungs,

    alle Achtung, da habt Ihr ja eine super Tour hinter Euch. Der Bericht über die Befahrung des Kalsbach-Durchbruch ist sehr gut. Bermerkenswert, dass Ihr auch noch Fotos bei der eh schon schwierigen Befahrung machen konntet.

    Gruss

    Peter

  2. TopSiteNews durchbruch
    Reiner Glanzvor 15 Jahren

    danke, fotos sind aus dem filmamaterial. die schwersten stellen haben wir nicht filmen können. zu sehen im frühling auf meinem film "tIME_oUT". LG, Reiner

  3. TrustedPaddler

    super sache, gratuliere!
    lg,hilli

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.