Nanga Parbat - Ein Bergsteigertraum

Im heurigen Mai und Juni begleitete Extrempaddler Bernhard Mauracher die Österreichische Bergführer- expedition 06 als Kameramann zum Nanga Parbat. Zwei Monate nach seiner Rückkehr fand er nun Gelegenheit, seine Erlebnisse mit beeindruckenden Bildern zu schildern.

TopSiteNews Nanga Parbat

Auf nach Pakistan, hieß es im heurigen Mai für den Zillertaler Bernhard Mauracher. Als Kameramann begleitet er die Österreichische Bergführerexpedition 06 zum Nanga Parbat. Der Berg war den Männern nicht gut gestimmt - trotzdem war die Expedition für Bernie eine großartige Reise. Zwei Monate nach seiner Rückkehr fand er nun Gelegenheit, seine Erlebnisse mit beeindruckenden Bildern zu schildern.

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Die Lawinen ratterten teilweise 3000 Höhenmeter zu Tal

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Ich befinde mich gerade irgendwo in der Nähe der Krimmler Wasserfälle (Salzburg) auf einer Alm. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich sitze auf einer Bank vor einer Hütte, und versuche die Eindrücke, die Geschehnisse, und vor allem die Erlebnisse, die ich vor kurzem in Pakistan erleben konnte, niederzuschreiben. Ich hatte erstmals die Gelegenheit, eine Bergführer Expedition zum legendären Nanga Parbat, der sich im westlichsten Teil des Himalaya befindet, mit der Kamera zu begleiten.
Der Nanga Parbat gilt als einer der technisch schwierigsten 8000er der Welt, obwohl er "nur" der Neunthöchste ist. Die ständig runter brüllenden, bis zu 3000 Höhenmeter abschießenden Lawinen aus Eis und Schnee, sind den steilen Flanken des Berges keine Seltenheit. Hinzu kommen noch die extremen Wetterumschwünge, die eine Besteigung sehr erschweren und sogar unmöglich machen können.

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Aufstieg von Lager 2 auf 3Vorstieg in der Löw Eisrinne

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Ich wusste anfangs nicht, ob ich dieser Sache gewachsen bin, denn höher als 4000 Meter war ich zuvor noch nie. Ich dachte mir "Halte dich an deine Kollegen, die sehr viel Erfahrung mit Höhenbergsteigen haben, riskiere Nichts, und bereite dich gut darauf vor. Dann kannst du es auch schaffen". Mit diesem Grundsatz schloss ich mich der Expedition an. Damit erfüllte ich mir auch den lang ersehnten Wunsch, einmal den mächtigen Gebirgszug des Himalaya und die 8000er zu sehen. Die Länder wie Pakistan, deren Kulturen, die Leute, die wilden Flüsse - das alles weckte ein neues Interesse in mir.

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Blick aus dem Diamirtal zum Nanga Parbat

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Gerhard Wegmair, Expeditionsleiter, kommt aus Tulfs und ist Hauptberuflicher Berg und Schiführer. Genauso wie der Innsbrucker Andreas Neuschmied. Andreas Hanser, aus Kals in Osttirol, arbeitet als Bauleiter bei der Firma Alpine Energie. An seinen freien Tagen führt er Touristen Österreichs höchsten Berg den Großglockner hoch und wieder runter. Markus Amon aus Zell am See ist hauptberuflicher Flugretter. Auch er führt in seiner Freizeit Touristen auf die Berge und Gipfel in und außerhalb von Österreich. Für mich war das Höhnbergsteigen eine komplett neue Herausforderung. Das Filmen auf großer Höhe ist eine eigene Wissenschaft, die ich mir eigentlich ein bisschen leichter vorgestellt habe. Als Vorbereitung für die Expedition habe ich hart und konsequent trainiert. Egal ob gutes oder schlechtes Wetter, vor der Arbeit um vier Uhr früh oder am Abend – fast täglich standen kleiner Gipfel auf dem Trainingsplan. Trotzdem war das Filmen im Eis ein hartes Stück!Höhenbergsteigen erfordert sehr viel Grundlagen Ausdauertraining. Deswegen sind bei diesen Unternehmungen eher etwas ältere Leute anzutreffen, als ich es bin.

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Abstieg in der Kinshofer Wand

Die Vorbereitungen, wie Zelte und Lager aufzustellen und Fixseile in die Eisflanken einhängen, gingen sehr schnell und vor allem bei gutem Wetter voran. Die Bergführer konnten Lager 1 und 2 sehr schnell eröffnen. Dann schlug das Wetter um. Zwei langweilige Wochen im Basislager waren die Folge. Langeweile und drückendes Warten auf Wetterbesserung ließen den Traum vom Gipfel immer mehr verblassen. Durch den vielen Neuschnee schraubte sich die Lawinengefahr nach oben. In einer erstaunlichen Spurarbeit schafften es die Bergführer trotz des vielen Schnees noch einmal auf Lager drei. Weiter oben, auf etwa 6800 Meter, wurde ein weiterer Aufstieg für zu gefährlich und für nicht durchführbar empfunden. Die Expedition wurde abgebrochen. Der Traum vom Nanga Parbat war geplatzt, aber dafür ist die Mannschaft heil wieder heruntergekommen. Natürlich gab's enttäuschte Gesichter aber die Gewissheit, dass der Berg in 100 Jahren auch noch da steht, brachte Besonnenheit.

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80 Prozent aller Expeditionen werden zum Abbruch verbannt. Gute Wetterverhältnisse sind das wichtigste aller Gipfelbegehungen, und es gibt ein festes Regelwerk, wann umgedreht werden muss. Die Tiroler Bergführer, erzählen in meinem Film, wie weit die Grenze überschritten werden darf, die Route, die Gefahren und über Tragödien die sie 2004 an diesem Berg miterleben mussten. Es gibt in Pakistan sehr gute Bergsteiger, die in Europa stets im Hintergrund bleiben. Bei meinem Film werden einige dieser Bergsteiger vor die Kamera gekommen, und von ihren Unternehmungen und Highlights erzählen. Zweimal auf dem Gipfel des Nanga Parbats, einmal K2 und Broad Peak gestanden zu sein, ist für diese Männer keine Seltenheit. Sie sind topfit und sehr bescheiden. Das ist echt zum Beneiden!

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Vor der Heimreise musste die Ausrüstung wieder vom Berg geholt werden. Die Zelte auf Lager 3 mussten von einer eineinhalb Meter dicken Schneeschicht befreit werden. Der Aufstieg war extrem hart, und die Gefahr, unter eine Lawine zu gelangen war sehr hoch. Bei uns in den Alpen würde man in einer solchen Situation erst gar nicht an ein weitermachen denken - schon gar nicht erst in solchen Hängen reingehen! Expeditionen sind aber anders. Dort geht man immer ein bisschen weiter als man es in den Alpen macht.

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Die Filmaufnahmen verliefen für mich persönlich sehr erfolgreich. Obwohl der Gipfel noch sehr weit weg war konnte ich die Eindrücke und Geschehnisse aufs Band bringen. In den zwei Monaten konnte ich 18 Stunden verschiedenstes Rohmaterial sammeln. Die Aufnahmen dokumentieren unseren Weg von Islamabad über den Karakorum Higway nach Gilgit, weiter ins Diamirtal zum Nanga Parbat. In Stadt und Land sind vielfältige Bilder entstanden und die Interviews mit Einheimischen, den Köchen, Trägern, und Kindern, deren Armut, Krankheiten hinterlassen einen tiefen Eindruck. Das Bergsteigen rund um den Nanga Parbat ist natürlich auch nicht zu kurz gekommen. Viel tolle Aufnahmen konnte ich in der schwierigen Löv Eisrinne und der Kindshofer Wand machen und die Lawinen im Großformat mit über 3000 Höhnmeter abschießenden Eis und Schnee vermitteln ein treffendes Bild von der Schwierigkeit des Berges.

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Zurzeit bin ich grad mit dem Schnitt des Dokumentarfilms beschäftigt. Pakistan und der dort sehr lukrative Bergtourismus (Trekking, und Expeditionsbergsteigen), unsere Expedition und die damit verbundenen Gefahren aber auch der Abbruch stehen dabei im Mittelpunkt.

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Ich bedanke mich hiermit bei den Tiroler Bergführern für diese sehr beeindruckende Tour. Es hat sehr viel Spaß gegeben, und das Lagerleben rund das Basecamp war sehr entspannend. Ein Dankeschön an unseren Begleitoffizier Kahlil Shah aus Pakistan der uns rund um die Uhr bestmöglich betreut hat. Unsere Sponsoren, Alpine Energie, Alpinista, Ortovox, Intersport Bründl, UPS, Lagerhaus, Scarpa, Hügli, Teufelsberger Austria, Zillertal Arena, kajak.at, Deuter Rucksäcke.

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Text: Bernhard Mauracher
Fotos: Amon Markus, Wegmair Gerhard, Neuschmid Andreas, Hanser Andreas

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Nanga Parbat Expedition 2006

1 Kommentar

  1. TopSiteNews Nanga Parbat

    voll schoene bilder! moechte gerne den film dazu sehen! :-)
    lg m

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