Gabun – Kajakabenteuer in Zentral Afrika - Teil 2

Wasserkobras, Elefanten und Co. treffen Deb Pinninger, Nico Chassing und Olaf Obsommer während ihrem Abenteuer auf dem Ivindo. Die vier großen Wasserfälle passieren die drei auf Elefantenpfaden. "Zu hoch erschien uns das Risiko und zu ausgemergelt waren unsere Körper."

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1. Tag Mittwoch 5. September 2007.

Wir sind 50 Kilometer Flachwasser mit einigen kleinen Stromschnellen gepaddelt und haben nach 10 Stunden unser Tagesziel erreicht: die Kongoue Wasserfälle. 47 Meter hoch und einen Kilometer breit. Dort sind auch zugleich die letzten Anzeichen von Zivilisation zu sehen. Eine Lodge für Touristen, allerdings zur Zeit außer Betrieb, und so waren wir ganz für uns allein.

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Für die Übernachtung wählten wir die Aussichtsplattform der Lodge. Mit Blick auf die Wasserfälle bereiteten wir das Lager vor und verschwanden bereits um 19 Uhr unter den Moskitonetzen.

gabun deb pinninger

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2. Tag Donnerstag 6. September 2007

Den Vormittag nutzten wir um die Wasserfälle zu erkunden. Über zwei bzw. drei Stufen bauen die Kongoue Wasserfälle ihr Gefälle ab. Wir konnten für uns keine fahrbare Linie entdecken und sind nach 6 Stunden unterhalb der Wasserfälle wieder eingebootet. Das Umtragen stellte sich als recht mühsam heraus, und so langsam wurde mir klar, warum die Raftexpedition so lange benötigt hatte. Das Hauptproblem ist die Orientierung. Der Fluss sucht sich seinen Weg durch einen Irrgarten von Inseln und Kanälen. Einmal falsch abgebogen und gleich muss die doppelte Strecke bewältigt werden.Nach 15 Kilometern paddeln konnten wir kurz vor der Dunkelheit Camp 2 errichten. Eine felsige Insel mit unebenem Untergrund, aber immerhin besser, als eine Nacht im dichten Dschungel. Ein unbequeme Nacht offenbarte sich.

gabun deb pinniger

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3. Tag Freitag 7. September 2007

Um 5 Uhr sind wir aufgebrochen. Die Mingouli Wasserfälle waren unser Ziel. Der Fluss fächert noch mehr auf als zuvor, man kann schnell das Gefühl bekommen, im Kreis zu paddeln. Das GPS verhinderte dies zum Glück, trotzdem haben wir uns manchmal verirrt.

Die Mingouli Wasserfälle beginnen mit einem mächtigen WW V Katarakt. Auf einer Strecke von 300 Meter presst sich das Wasser durch ein Grundgesteins Flussbett. Presswasser, Walzen und mächtige Whirlpools versperren den Weg. Die Line wäre einfach, weitestgehend in der Flussmitte verweilen. Wir entscheiden uns zu umtragen.

Ein dummer Fehler, eine Kenterung, kann das Aus bedeuten. Selbst wenn man den Schwimmer überleben würde, der einzig mögliche Weg aus dem Urwald ist der Fluss, ohne Kajak wäre dies nicht zu schaffen. Denn 250 Kilometer querfeldein durch den Busch zu stapfen, ist keine verlockende Alternative.Beim Scouten der Stromschnelle tritt Nico beinahe auf eine Kobra. Grade noch kann er auf einen nahliegenden größeren Stein springen. Die Kobra selbst, ebenfalls erschrocken, verschwindet unter einem Stein. Aber es dauert nicht lange, da schießt sie unter dem Stein hervor um anzugreifen. Nico steht zum Glück unerreichbar auf dem großen Stein. Von dem Zeitpunkt aus an nehmen wir nun immer unsere Paddel mit zum Besichtigen, um wenigstens eine Verteidigungsmöglichkeit zu haben.

Letztendlich benötigen wir 6 Stunden zum Umtragen der Wasserfälle. Nach der Hälfte verpaddeln wir uns in einem Seitenkanal. Das Wasser verschwindet unter Bäumen und Büschen. Wir müssen zurück zum Hauptstrom. Bei einer Passage müssen wir die Kajaks umseilen. Die Fälle selber erscheinen uns wieder zu gewaltig. Theoretische ist eine fahrbare Linie zu erkennen, uns fehlt jedoch der nötige Optimismus und Mut um uns der Herausforderung zu stellen. Während wir umtragen können wir schon unseren dritten Übernachtungsplatz sichten. Eine Sandinsel mitten im Fluss, kurz unterhalb der Wasserfälle.

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Wah!

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4. Tag Samstag der 8. September

Es ist noch dunkel, als wir von Geräuschen im Urwald geweckt werden. Wahrscheinlich ein paar Elefanten. Wir entschließen uns aufzustehen. Das Tagesziel sind die Kuete-Mango Wasserfälle.

Nach einigen WW 4 Stromschnellen sahen wir nur noch ein Inferno aus weisser Gischt. Links und rechts tiefster Urwald. Und nun? Ok, wir müssen zurück. Den Hauptstrom finden. Es ist also genau das eingetreten, wovor wir uns gefürchtet hatten: einen Schritt in den Urwald zu tätigen und gesellige Freunde wie die Gabunviper, den schwarzen Skorpion und den Schimpansen Hallo zu sagen. Als wir in den Busch eintauchen können wir auf den Elefantenpfaden unseren Rückweg suchen. Welch freudige Überraschung! Die Elefanten wandern auf immer gleichen Pfaden am Fluss entlang und so waren diese Wege gut begehbar für uns. Einen mühsamen Kilometer mussten wir uns zurückarbeiten. Auf dem Wasser fühlten wir uns sicher, auf den Elefantenpfaden waren wir nervös. Zudem hatten wir zuvor eine Kuh mit ihrem Jungen passiert. Falls uns Elefanten auf den Wegen überraschen sollten, wollten wir alles liegen lassen und in den Fluss springen, so zumindestens unsere Theorie.

Am Hauptkanal angelangt konnten wir bis kurz zur Abrisskante der Kuete-Mango Wasserfälle paddeln. Durch Zufall entdeckte ich einen weiteren Elefantenpfad, der uns eine mühselig flussrechts Umtrage ersparte. Dies wäre sonst eine gefährliche und langwierige Angelegenheit geworden. Nach weiteren 15 Km WW III lockte uns erneut eine paradiesische Sandinsel auf ihr unser viertes Nachtlager zu errichten. Unser erstes Lagerfeuer verzauberte uns und schnell waren wir im Lummerland.

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5. Tag Sonntag der 09. September

Früher Morgennebel lauert um unser Camp. Spannung liegt in der Luft. Der letzte Wasserfall mit dem Namen Tsengue Leledi liegt irgendwo vor uns. Werden wir wieder Probleme haben uns in den zahlreichen Inseln und Kanälen zu orientieren? Vielleicht ist der Wasserfall ja fahrbar?! Nachdem das Lager abgebaut ist, tauchen wir in den Nebel ein.

Wasserbüffeln beäugen uns skeptisch und wir treiben entspannt dahin. Der Ivindo kommt in Bewegung. WW IV Stromschnellen fordern unsere Aufmerksamkeit und kündigen zugleich die Tsengue Leledi Wasserfälle an. Wir sind erleichtert, kein Irrgarten an Inseln testet uns. Direkt an der Kante können wir ausbooten. Wir liegen gut in der Zeit und nutzen die wunderbare Aussicht auf die Wasserfälle. Leider können wir für uns keine fahrbare Linie erkennen und entscheiden uns, über das Felsband zu umtragen. Unverhofft taucht eine Wasserkobra auf und versperrt uns den Weg. Ein Biss wäre tödlich, wir haben kein Antiserum im Gepäck. Beeindruckt von der Schnelligkeit und Eleganz der Schlange kehren wir um und wechseln die Seite des kleinen Kanals.

Im Tumpf treffen wir Jäger. Wir kommen ins Gespräch, der Mann ist vom Militär und macht hier mit seinen Kindern Urlaub. Wir fragen, ob wir sie filmen und fotografieren dürfen. Sie wollen jedoch bezahlt werden. Wir bieten ihnen gefrier-getrocknete Nahrung an, da wir nur 20€ Scheine bei uns haben. Sie freuen sich. Zum Schutz gegen die Gorillas tragen sie ein Gewehr.

Nach kurzem Plausch brechen wir auf, wir könnten es heute noch bis Booue schaffen. Aber dann können wir einer erneut verlockenden Sandbank nicht widerstehen und entschließen uns zu einem weiterem Camp im Dschungel. Unsere letzte Nacht bricht herein.

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6. Tag Montag der 10. September

Wir schlafen aus und paddeln gemütlich die letzen Kilometer nach Booue. Nico muss nach Hause und Deb und ich haben uns ebenfalls entschlossen, nicht weiter nach Njodle oder bis ins Meer zu paddeln. Uns würde nicht viel Zeit bleiben, zudem wartet in Deutschland die Organisation der adidas sickline WM.

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Nicht alltägliche Fahrgäste am Bahnsteig von Booue

Resumé:

Das Gabun Abenteuer war eine besondere Zeit in einem wunderbaren Land! Die Schwierigkeiten im Wildwasser hielten sich in Grenzen, ganz anders die 4 Wasserfälle. Wir konnten keinen bezwingen. Zu hoch erschien uns das Risiko und zu ausgemergelt waren unsere Körper. Selbst bei top Bedingungen wären die Wasserfälle für mich unfahrbar gewesen. Jeder, der einmal ein perfektes Dschungel Abenteuer erleben möchte, darf sich gerne bei mir melden! Die gesammelten GPS Daten sind Gold wert.

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Mit GPS-Gerät und Kamera auf Erkundungstour in Gabun - Autor und Filmemacher Olaf Obsommer

Olaf Obsommer, Nico Chassing und Deb Pinniger möchten sich bei folgenden Sponsoren für die freundliche Unterstützung dieses Projekts bedanken: adidas | langer | wave sport | ty warp | care plus | globetrotter | alpkit | pacelog

Lee White und alle Mitarbeiter der WCS Office in Gabun für ihre Hilfe. Dr. Alex Milhailovic und Dr. Wolfram Bock für den medizinischen Rat.

Fotos: Deb Pinninger
Text: Olaf Obsommer

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Gabun - Kajakabenteuer in Zentral Afrika

1 Kommentar

  1. TrustedPaddler

    Toller Bericht, vielen Dank dafür.
    Hört sich sehr anstrengend an, dennoch würd ich sowas auch gern mal machen,...

    lg Hacki

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