Isorno - Gewaltige Großschlucht nahe des Lago Maggiore - Teil 1

Der Isorno bietet auf einer Stecke von über 20km herrliches Wildwasser. Was dieser Fluss in seiner bis zu 400 Meter tiefen Schlucht fabriziert, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Alpines Wildwasser im obersten Schwierigkeitsgrad, haarsträubende Umtragungen, absolute Exponiertheit und atemberaubende [...]

TopSiteNews Doppelstufe am Anfang der 2. Etappe

Der Isorno bietet auf einer Stecke von über 20km herrliches Wildwasser. Was dieser Fluss in seiner bis zu 400 Meter tiefen Schlucht fabriziert, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Alpines Wildwasser im obersten Schwierigkeitsgrad, haarsträubende Umtragungen, absolute Exponiertheit und atemberaubende Natur erwarten den Experten, der nicht nur im Kajak, sondern auch in alpinen Sicherungs- und Seiltechniken gut Bescheid wissen sollte - in den unzugänglichen Klammen des wilden Isorno.

Theoretisch ist eine Befahrung von Bagni di Craveggia, dem obersten Einstiegspunkt, bis zur Mündung in die Melezza möglich. Praktisch jedoch wird der Isorno bei der Ortschaft Mosogno abgeleitet und die unteren zwei Schluchten fallen trocken. Egal für welche der folgenden Etappen man sich entscheidet, jedes Isornoabenteuer beginnt mit einem Abstieg in die tiefe Schlucht, der je nach Witterung, Temperatur und Einstiegspunkt mehr oder weniger mühsam erscheint und zeitlich bis zu 45 Minuten in Anspruch nehmen wird.

Benny Abele Isorno

Die tiefe lange Schlucht des Isorno von Spruga aus

Aufgrund der Länge, ist es ratsam den Isorno in Etappen einzuteilen, und ihn auch in Etappen zu befahren. Eine durchgängige Befahrung bis zur Wasserableitung von Mosogno als Gepäcktour ist ebenfalls möglich und beinhaltet zwei Übernachtungen mit Sack und Pack in der Schlucht. Dieses Unternehmen jedoch ist an Härte kaum zu überbieten und sollte sorgfältig geplant werden.

Etappen:
Bagni di Craveggia bis 1.Steeg von Comologno 3,0km WW 4-5(5) 2,0h1.Steeg von Comologno bis bis 1.Steeg bei Crana 3,5km WW 5(x,6) 3,5h
1.Steeg bei Crana bis 2.Steeg bei Crana nicht lohnend zu viele Umtragungen2.Steeg Crana bis Wasserableitung bei Mosogno 4,0km WW 5-6(x,6) 5,0h

Benny Abele Isorno

1.Etappe

Fährt man das Onsernone-Tal bis ganz nach oben kommt man in die Ortschaft Spruga, wo einem der Schlagbaum eine Weiterfahrt verwährt. Von hieran heißt es die Boote zu Schultern und sie auf einem asphaltierten Wanderweg zu den Bagni di Craveggia, dem Einstieg zur ersten Etappe ca. eine halbe Stunde hinunter zu tragen. Dieser Abschnitt kann bei einem Wasserdurchlauf von 5-15m³/s befahren werden. Gekennzeichnet wird er, durch eine offene Schluchtlandschaft, stets begehbare Ufer, Niederklammen, kleine Plattenabfälle und Rutschen. Erhöhte Aufmerksamkeit erfordert eine 50 Meter lange Highspeed- Rutsche mit Schanze direkt nach dem Einstieg und ein 4 Meter hoher Wasserfall in Mitte der Schlucht (kleine „Hängebrücke davor). Wird links oben am Hang die Ortschaft Comologno sichtbar, so ist erhöhte Vorsicht geboten. Der Isorno ändert nun sein Gesicht und die Schlucht wird enger, zum Teil klammartig. Sportliche Stufen führen zum Holzsteeg (1.Steeg) bei Comologno. Bei viel Wasser, besser hier aussteigen.

Benny Abele Isorno

Gleich nach dem Einstieg 50m Highspeed – Rutsche mit Schanze

Benny Abele Isorno

4 Meter Wasserfall in Mitte der oberen Etappe

2. Etappe

In der Ortschaft Comologno besteht die Möglichkeit, ungefähr in Ortsmitte, auf einem Wanderweg zu gelangen und auf diesem die Boote in die Schlucht zu einem Holzsteeg hinunter zu tragen. Ist man am Einstiegspunkt angekommen sollte man nicht mehr als maximal 5m³/s im Fluss antreffen, da für die Befahrung der folgenden Schlucht Niederwasser Pflicht ist. Wenn der Wasserstand zu hoch ist besteht die Möglichkeit bis zum nächsten Steeg zu fahren und hier unbedingt auszubooten.

Nach dem Einstieg bricht der Isorno gleich nach der ersten Kurve über eine Doppelstufe, die in der Mitte gut befahren werden kann. In offener Schluchtlandschaft, die Ufer stets begehbar, strömt der Isorno seinem ersten Höhepunkt entgegen. Dieser besteht aus einer Wasserfallkombination, wie sie spektakulärer gar nicht sein kann. Wie aus dem Nichts bricht der Fluss über einen 8 Meter hohen Röhrenwasserfall in einen tiefen blauen Tumpf. Aus diesem geht es noch mal knappe 6m (Zwangspassage) in die Tiefe einer engen bizarren Klamm. Nach diesem Highlight geht es auf leichterem aber immer noch steilem Wildwasser bis zum nächsten Steeg bei Vocaglia. Bei mehr als 5m³/s Wasserdurchlauf hier unbedingt ausbooten. Hat man den Steeg erreicht, wartet schon die erste größere Umtragung auf die Wildwasserfahrer. Am besten ist es nach dem Steeg auf der linken Seite auszubooten und die Boote am Fluss entlang zu tragen. Nach der Kurve, am Ende der Klamm dann die Boote im steilen Wald zum Fluss hin abseilen.
Hat man die Boote zu Wasser gelassen, beginnt eine durchweg fahrbare, sehr schwere Wildwasserstrecke. gespickt mit Siphonen, Unterspülungen, Rückläufen und verklemmgefährlichen Schlitzen. Hier muss sich der Paddler mit bis zum Teil 5 Meter hohen Stufen auseinandersetzen. Umtragen ist immer möglich, eine Stufe jedoch nur in Flussmitte auf einer großen Granitmurmel. Gegen Ende nehmen die Schwierigkeiten etwas ab und schon bald wird der 1.Steeg bei Crana sichtbar. Dieser markiert das Ende dieser Etappe.

Benny Abele Isorno

Doppelstufe am Anfang der 2. Etappe

Benny Abele Isorno

Die 8 Meter Stufe ist ein Genusshüpfer und landet in einem großen Gumpen. Der das Oberwasser einer 6 Meter hohen Zwangspassage darstellt.

Benny Abele Isorno

Nicht nur Wildwassertechnisch ein Highlight, sondern auch ein Landschafts- Sechser

Benny Abele Isorno

Die erste unfahrbare Stelle nach dem Steeg von Vocaglia, umtragen am linken Ufer

Benny Abele Isorno

Die erste Stelle nach der Umtragung

Benny Abele Isorno

Einfahrt in eine verwinkelte 5m Stufe

Benny Abele Isorno

In der 5m Stufe

Benny Abele Isorno

Immer wieder nette Stufen

Benny Abele Isorno

Ausstieg 2. Etappe Bild vom 1. Steeg bei Crana

Würde man sich für eine Weiterfahrt entscheiden, wartet nun der härteste Kilometer des gesamten Flusses auf die Paddler. Gleich nach dem Steeg eine mindestens 1,5h Umtragung und weitere 5 Portagen im ganz großem Stil mit Wurfsacksicherung und des Öfteren in Flussmitte, lassen Paddlers Albtraum wahr werden, zudem sich auch zwischen den Stellen kaum Fahrbares finden lässt. Enorm hohe Landstarts sind zum Teil die einzige Möglichkeit wieder in den Fluss zu gelangen.

Benny Abele Isorno

Die anstrengende Umtragung

Benny Abele Isorno

Abseilen zum Fluss

Benny Abele Isorno

Der 1km lange Abschnitt zwischen den 2 Steegen von Crana bietet kaum Fahrbares

Benny Abele Isorno

Zum Teil ist das Umtragen nur in Flussmitte möglich

Wir sind diese Etappe mit voll beladenen Creekern, die knapp 40kg gewogen haben „gepaddelt“ und sind einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dass sie eine elende Schinderei ist, die sich nicht wirklich lohnt. Besser ist es, die Boote am 1.Steeg von Crana zur Strasse hoch zu tragen und diesen Kilometer zu umfahren und am 2. Steeg von Crana nahe der Ribomündung wieder einzubooten.

Die Beschreibung der dritten Etappe gibt´s in einer weiteren Folge.

Beschreibung und Bilder: Stefan Finsinger und Benjamin Abele

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Bootfahren macht Spaß - Momente davon "einzufrieren" auf einem Bild, macht auch Spaß ...Zum Fotografieren nehm ich oft die Paddler her. Freude und Begeisterung, Mut, Respekt & Ehrfurcht ist aus den Gesichtern zu lesen.

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