Mein Tag mit Drauschwimmerin Mimi Hughes

Am Donnerstag war kajak.at-Schreiberling Judith Prechtl mit Extremschwimmerin Mimi Hughes und deren Tochter Kelsey einen Tag lang auf der Drau unterwegs. Zu erzählen gibt es von dieser besonderen Paddeltour Einiges.

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Eine Paddeltour der besonderen Art: Am Donnerstag durfte ich Drauschwimmerin Mimi Hughes und ihre Tochter Kelsey einen Tag lang begleiten. Es folgt mein (langer) Bericht ;o)).

mimi hughes villach

Kurz nach der Villacher Staumauer

Es war eine schwierige Entscheidung die Extremschwimmerin Mimi Hughes Donnerstag früh zu treffen hatte. Als ich am vereinbarten Treffpunkt, dem Gasthaus Tell in Paternion ankomme, sitzen sie und Tochter Kelsey gerade beim Frühstück. Beide sind froh mich zu sehen, denn nach dem Empfang am Mittwochabend, hatten ihnen einige Ortskundige geraten, am nächsten Tag von Kellerberg bis Rosegg zu schwimmen. Danach sollten sie etwa 40 Kilometer mit dem Auto zu umfahren.

Kelsey und Mimi, beide sprechen kein Deutsch, konnten am Vortag nicht ganz verstehen, warum sie die Etappe auslassen sollten. Klar war jedoch, dass die Männer sich ihrer Sache sicher waren und den Rat ernst meinten. "Es ist eine harte moralische Entscheidung. Ich bin 3000 Kilometer in der Donau geschwommen ohne ein Stück auszulassen, und nun das hier! Es fühlt sich an wie Betrug!" erklärt Mimi unschlüssig.

Eigentlich wäre für Donnerstag eine 80 Kilometer Etappe bis kurz vor der Annabrücke geplant gewesen. Um an der Eröffnung des LIFE-Projektes bei Baldramsdorf teilnehmen zu können warf sie ihren ursprünglichen Zeitplan um. Die Etappen in Oberkärnten wurden stark verkürzt, die verlorene Zeit wollte sie weiter unten wieder aufholen. Das dies wirklich ein Ding der Unmöglichkeit war, sollten wir am Donnerstag noch zu spüren bekommen.

mimi hughes villach

Gegenverkehr bei Villach

Wir starten die Etappe am Donnerstag unterhalb der Staumauer in Kellerberg. Dadurch sparen wir uns fünf Kilometer und eine Staumauer. Vier-Seen-Schwimmer Wolfgang Maurer begleitet uns zum Start und winkt zum Abschied. Am anderen Ufer applaudieren zwei Fischer. Unter ihren Jubelrufen treiben wir hinaus in Flussmitte. Mimi adjustiert sich und taucht mit einem kurzen "See you later" ab. Mit kräftigen Kaulschlägen zieht sie Villach entgegen. Kelsey rückt mit ihrem Kajak auf. Ihre Mutter orientiert sich beim Schwimmen an der Bootsspitze, kommt sie vom Kurs hilft ein Winker der 21-Jährigen und Mimi ändert die Richtung.

In Weißenstein zeichnen sich erstmals vier weiße Punkte vor uns ab. Als Kelsey erkennt, dass es sich um Schwäne handelt wird sie unruhig. Wenig später hebt auch Mimi ihren Kopf aus dem Wasser. "Seid ihr wahnsinnig mich zu diesen Schwänen zu leiten" meint sie lachend. Im Vorjahr wurde ihre Mutter auf der Donau von einem Schwan attackiert. "Er schwamm eine Weile neben mir her und ich freute mich über den Vogel. Als ich ihn überholte gefiel im das wohl weniger". Rund einen Kilometer schwimmt das weiße Quartett vor uns her. Dann geben sie endlich auf und lassen uns passieren.

Einige Fischer staunen nicht schlecht als wir aus dem Wasser kommen

Als wir das Omya-Werk passieren lässt die Strömung merklich nach. Kelsey und ich müssen mit unseren Kajaks nicht mehr viel paddeln. Mimi hingegen benötigt nun mehr Kraft um voran zu kommen. Unbeirrt krault sie jedoch der Staumauer entgegen. Warntafeln kündigen den nahen Ausstieg an. Mit langen Hälsen spähen Kelsey und ich nach einem geeigneten Platz. Eine Tafel markiert den letzten Bootsanlegeplatz – dort werden auch wir an Land gehen. Einige Fischer staunen nicht schlecht als wir aus dem Wasser kommen. Wir werden beäugt bis einer zu seinem Auto geht. Mit der Kleine Zeitung vom Donnerstag kommt er wieder. "Seid ihr das?" fragt er und zeigt auf ein Bild von Mimi bei der LIFE-Projekt-Eröffnung.

Einen knappen Kilometer geht es nun zu Fuß weiter. Kelsey und Mimi hieven das schwer beladene Kajak auf den Bootswagen. Ich wandere voraus um mit Feuerwehrkommandanten von Paternion den weiteren Ablauf zu planen. Optimistisch kündige ich unsere Ankunft in Rosegg für 15 Uhr an. Die Feuerwehrleute sollten dort lange auf uns warten müssen.

Gut 45 Minuten kostet uns das Umtragen der Staumauer. Mimi freut sich nur mäßig, wieder in den Bach zu müssen. Unterhalb der Staumauern ist das Wasser immer sehr kalt – und kalt ist die Drau ohne hin schon gewaltig. Kurz vor Villach steht eine ältere Dame auf einer Fußgängerbrücke und winkt uns zu "You're great" ruft sie und wir winken zurück. Auch im Zentrum von Villach füllen sich die Brücken bei unserer Ankunft. Einige schauen sehr verdutzt – ganz hat sich die Nachricht von Mimis Mission in Kärnten noch nicht verbreitet.

Pause im Wasser

Als die Stadt hinter uns liegt ist Mimi reif für eine Pause. Ich steuere bereits auf das Ufer zu, als Kelsey ihr die Wasserflasche reicht und Mimi im Wasser treibend zu trinken beginnt. Gute vier Stunden sind wir bereits unterwegs. Mimis Stimmung trübt das nicht – fröhlich stimmt sie ein Kinderlied an, reißt einen Witz und taucht mit einem kurzen "Bye" wieder in die Drau. Bis zu diesem Zeitpunkt kommen wir gut voran. Wir schätzen in gut eineinhalb Stunden Rosegg zu erreichen. Sogar eine Verlängerung der Etappe steht im Raum.

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Pause!

Ab dem Zusammenfluss mit der Gail nimmt unser Tempo stetig ab. Die Feuerwehr Rosegg düst uns mit dem Motorboot entgegen und kündigt an, dass wir breits erwartet werden. Noch gute fünf Kilometer meinen die Männer – immer noch rechnen wir damit spätestens um halb vier am Ziel zu sein.

Strömung: 200 Meter pro Stunde

Unter der A11 Brücke bei St. Niklas steht die Drau. Die "Landskron" kommt von hinten und sorgt mit ihren Bugwellen für ein klein wenig "Action" für Kelesy und mich. Zwei Vorwärtsschläge, ein Stauschlag... ganz langsam paddeln wir neben Mimi her, die immer noch konstant vor sich hinkrault. Kelsey schätzt mit ihrem GPS die Strömung ein – 200 Meter pro Stunde – na toll!

Auch bei Mimi macht sich die fehlende Strömung bemerkbar. In der Hoffnung auf die nahe Staumauer schieben wir die nächste Pause immer wieder hinaus. Als am Ufer eine verblasste Warntafel steht hoffen wir, dass es nur noch wenige hundert Meter sind. Die Tafel warnt jedoch vor dem Pumpenschwall und hält uns an, in der Mitte der Drau zu bleiben – grandios, wenn man erstmal ans Ufer muss um die Warnung lesen zu können.

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Endlich am Ziel. Nach sieben langen Stunden erreichen wir Rosegg

Schließlich lässt sich die Pause nicht mehr abwenden. Wieder bleibt Mimi im Wasser, gönnt sich zwei Powerriegel und schüttelt die Kohlensäure aus ihrem Mineralwasser. Sie ist müde und ihr ist kalt. Zu wissen wie weit es noch ist, würde ihr sehr viel helfen. "Es macht es leichter sich den Arsch ab zu frieren, wenn man sich darauf einstellen kann, wie lange man friert" meint Mimi. Eine Gruppe Schwäne am Ufer hebt die Stimmung. Mimi ist überzeugt, dass sie nun kommen, um uns zu holen. Als wir schließlich einem Geschwader von 40 weißen Prachtexemplaren gegenüber stehen, finde ich diese Theorie gar nicht so abartig. Die Schwäne sehen uns an und ich paddle auf Mimis rechte Seite. Sie ist nun zwischen den Kajaks und Kelsey und ich behalten die Vögel im Auge. Die beschränken sich zum Glück aufs schauen...

An der nächsten Biegung kommt uns die Feuerwehr wieder entgegen. Durchnässt vom Regen kündigen sie den nahen Ausstieg an. Noch 500 Meter – auch dafür werden wir noch gute 15 Minuten brauchen. Es ist 17 Uhr - nun zeigt auch Mimi Ermüdungserscheinungen, zudem hat sie kaum Gefühl in Füßen und Händen (sie trägt weder Handschuhe noch Füßlinge). Auch Kelsey bibbert. Die Feuerwehr lädt das Kajak auf und transportiert die beiden zur Annabrücke, während ich auf meinen Rücktransport nach Kellerberg warte. Ich verspreche Mimi noch, am Abend noch einmal vorbei zu kommen, denn die beiden sind unsicher, wohin sie gebracht werden.

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Müdes Foto nach einem langen Tag - Mimi & Judith

Als ich eine gute Stunde später an der Annabrücke ankomme sitzen Mimi und Kelsey bei einer heißen Schokolade. Mimi ist entsetzt wie weit sie transportiert wurde. "Als wir hier angekommen sind, haben die Leute geklatscht – und ich fühle mich als hätte ich betrogen!" Nach genauem Studium einer detaillierten Landkarte wird aber endgültig erkennbar, dass dies eine notwenige Maßnahme war. Die nächste Etappe führt durch den Völkermarkter Stausee – gute zehn Kilometer lang, und ohne Strömung...

Beim Essen planen wir den nächsten Tag. Mimi verdrückt einen Teller Nudeln und zwei Eisbecher – sie wird ohnehin stark an Gewicht verlieren. "So viel kann man gar nicht essen" meint sie. Nach einem spannenden Tag und einem letzten gemeinsamen Erinnerungsfoto – während des Tages blieb nicht viel Zeit (!) zum Fotografieren – verabschiede ich mich. Tief beeindruckt von den beiden mache ich mich auf den Heimweg und hoffe, dass sie heil und sicher an das Ziel ihrer Reise – Osijek an der Donau – erreichen.

Notiz am Schluss: Paddeltechnisch ist die Drau eher mau... ;o)

Text und Fotos: Judith Prechtl
Mimis Webseite: www.danubeswim.com

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Flussschwimmerin Mimi Hughes auf der Drau

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