Südamerika, Teil 8

Am Vormittag trifft Diego wieder zu uns: in den nächsten drei Tagen sind wir also wieder zu dritt unterwegs. Vor uns liegt das Kernstück des Manso: die grosse Schlucht! Durch eine völlig abgelegene Bergwelt fliesst der Manso von der argentinischen Seite hinüber nach [...]

no-avatar

Rio Manso vom Campo John zum Rio Torrentoso

Am Vormittag trifft Diego wieder zu uns: in den nächsten drei Tagen sind wir also wieder zu dritt unterwegs. Vor uns liegt das Kernstück des Manso: die grosse Schlucht! Durch eine völlig abgelegene Bergwelt fliesst der Manso von der argentinischen Seite hinüber nach Chile, um dort ganz in der Nähe des Pazifiks in den Rio Puelo zu münden. Bis dahin wollen wir es schaffen, dann haben wir den ganzen Manso befahren!

Wir packen ein Minimum an Ausrüstung und etwas Verpflegung in unsere Boote. Wir wollen möglichst leicht unterwegs sein, denn jedes zusätzliche Kilogramm behindert uns nur beim Paddeln (und Umtragen!) der Rapids, die uns in der Schlucht erwarten.

Jutta Kaiser Manso

Eine Strecke zum Warmpaddeln

Der erste Teil des heutigen Tages ist genau richtig zum "Einpaddeln": tolles Wildwasser im III. und IV. Schwierigkeitsgrad. Der Manso vom Campo John bis zur Grenze (Manso del Limite) ist das Standardstück der Rafter: zu Recht!!! Schöne Flachklammen, hohe Wellen, in denen garantiert jeder Raftkunde nass wird und einige verwinkelte Passagen, die auch die Raftguides fordern: Genuss-Paddeln pur.

Diego, der dieses Stück Fluss sehr gut kennt, macht jedoch ab und zu ein nachdenkliches Gesicht. Nicht wegen der Rapids, die wir gerade paddeln, sondern eher wegen unseres Vorhabens, das Kernstück der Schlucht zu paddeln. Viele andere Kajakfahrer, die auf dem Manso in Richtung Pazifik unterwegs sind, umwandern das ca. 4 km lange schwerste Stück des Flusses auf einem Pfad weit oben über dem Fluss in den Bergen.

1995 hat Diego die Schluchten des Manso mit dem Amerikaner Lars Holbeck erstbefahren; allerdings bei einem sommerlichen Niedrigwasserstand und auch seine einzige weitere Befahrung vor einigen Jahren war am Ende eines trockenen Sommers - und davon sind wir deutlich entfernt. Gut 100 Kunbikmeter Wasser pro Sekunde sind mit uns unterwegs! Eine gewaltige Menge, wenn Felswände von links und rechts das Bachbett auf wenige Meter Breite zusammenpressen. Doch die endgültige Entscheidung, ob wir in die Kernpassagen hineinfahren oder auch die sichere Variante an Land wählen, müssen wir erst morgen treffen.

Jutta Kaiser Manso

Jutta Kaiser Manso

das Gefaelle nimmt zu, die Schwierigkeiten auch!

Auf dem weiteren Stück des heutigen Manso-Abschnitts umtragen wir einen einzigen Rapid, alles weitere ist Genuss pur zum paddeln. Bereits im vergangenen Jahr sind wir diesen Teil gepaddelt; damals allerdings in einer Regenperiode und bei einem "monströsen" Wasserstand, wie sich Diego ausdrückt. Das ist heute anders und Stellen, die uns vor einem Jahr in Angst und Schrecken versetzt haben, machen uns heute viel Spass.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Mündung des Rio Torrentoso. Im Januar 2006 habe ich hier im Mündungskatarakt bei der Erstbefahrung des Torrentoso mein Kajak verloren. Heute kommt nur wenig Wasser aus dem Tal; viel zu wenig, um an eine Befahrung zu denken.

Jutta Kaiser Manso

einer der letzten Rapids des heutigen Tages

Am Ufer hängen wir unsere Sachen zum Trocknen auf und richten unser Nachtlager auf einer kleinen Kiesbank direkt am Fluss ein. Dann wandern wir zu dem einzigen Bauern, der hier in der Gegend lebt. Dort bekommen wir etwas Warmes zu trinken und das beste Abendessen, das sich ein Paddler wünschen kann: Pasta!!!

Die dreiköpfige Familie lebt hier sehr isoliert: ohne Strom und ohne jede Kommunikationsmöglichkeit, denn das Funkgerät, dass es einmal gab, ist seit langem kaputt und eine Reparatur hier nicht möglich. Mit dem Sohn der Familie vereinbaren wir, dass er am nächsten Tag unser "Gepäck" (bestehend aus Schlafsäcken und Isomatten und etwas Essen) mit dem Pferd flussabwärts bringt. Damit werden unsere Boote für die Schlucht noch einmal etwas leichter.

Fotos und Text: Jutta Kaiser
www.juttakaiser.de

Im Social-Web teilen:

Südamerika - Jutta Kaiser und Manfred Beer

Keine Kommentare

Dieser Artikel hat bislang keine Kommentare erhalten.

Entschuldige, vielleicht sind alle Kommentare den Bach runtergegangen oder es hat einfach noch niemand einen Kommentar hinterlassen. :(

Aber du kannst der erste sein, der einen Kommentar hinterlässt !

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.