Traumtour auf dem Tambopata - Teil 1

In sieben Tagen von den Ostabdachungen der Anden ins Einzugsgebiet des Amazonas: Thomas Gradl erzählt von seiner Kajaktour durch Südamerikas größte Schutzzone - Ein einzigartiger Wildwassertrip durch unberührten Regenwald, abseits jeglicher Zivilisation.

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In sieben Tagen von den Ostabdachungen der Anden in das riesige Einzugsgebiet des Amazonas: Thomas Gradl erzählt in einer mehrteiligen Bericht-Serie von seiner Kajaktour durch die größte Schutzzone Südamerikas auf dem Tambopata - Ein einzigartiger, jedoch wenig bekannter, Wildwassertrip durch unberührten Regenwald, abseits jeglicher Zivilisation.

Das Rumpeln auf der Schlaglochpiste und die Kälte halten uns wach. Eingemummt in unsere Schlafsäcke sehnen wir den Sonnenaufgang entgegen. Um uns herum glitzert das Eis. Der Himmel ist vollkommen klar und gefüllt mit Sternen. Wir fahren am Ostufer des höchsten schiffbaren Sees der Welt, dem Titicacasee auf fast 4000 m Höhe entlang.

Unser Ziel ist der Tambopata – Fluss. Auf ihm wollen wir in 7 Tagen durch den unberührten Primärregenwald der größten Schutzzone Südamerikas abseits jeglicher Zivilisation, von den Ostabdachungen der Anden, in das riesige Einzugsgebiet des Amazonas paddeln.

Tambopata 1 Gradl Thomas

unterwegs auf dem AltiplanoBereits um 3.30 Uhr in der Früh haben wir uns, auf den Weg gemacht, um den wohl beschwerlichsten Teil unserer Reise in Angriff zu nehmen, die Fahrt von Juliaca auf dem Altiplano, über schneebedeckte 5000 er Pässe hinab ins Tiefland. Die nur 350 Kilometer bedeuten hier mindestens 18 Stunden staubigster Fahrt, bis man endlich in Putina Punto einem Dorf am Ende der Welt ankommt.

Am Horizont wird es langsam hell, aber es dauert noch Stunden bis die Sonne über die Berge kommt und uns mit ihren ersten schwachen Strahlen wärmt. In einem der unzählig kleinen Dörfer, wo man sich fragt von was die Einwohner mit ihrer überaus bunten Tracht in dieser kalten, windigen, staubigen und feindseligen Umgebung leben können, machen wir Frühstückspause. Heißer Kaffee und eine große Pfanne Rühreier lassen unsere Lebensgeister wieder erwachen.
Viel Zeit bleibt nicht die kurze Rast zu genießen. Weiter geht es durch die extrem klare und trockene Luft, auf schlechten Naturstrassen oder einfach nur der Kompassnadel folgend Richtung Tambopata.

Tambopata 2 Thomas Gradl

Tambopata 2 Thomas Gradl

die letzte Kneipenoch ist die Straße gut

Die ersten Lama Herden haben wir noch freudestrahlend abgelichtet. Mittlerweile sind wir an so vielen Lama-, Guanako- und Vicunaherden, die sich fast schon kitschig als Postkartenmotive vor den schneebedeckten Kordiellieren postieren vorbeigefahren, dass wir sie kaum mehr zur Kenntnis nehmen. Gegen späten Vormittag erreichen wir nach endlos erscheinender Fahrt über die mit schneebedeckten Gipfeln eingerahmte Hochebene unseren höchsten Punkt auf weit über 5000 m Höhe. Vor uns windet sich eine atemberaubende Schotterpiste an steilen Felswänden entlang. Wir wissen von nun an geht’s bergab und wir haben die einmalige Gelegenheit, innerhalb von nur wenigen Stunden alle Höhenstufen eines tropischen Gebirges von der ariden Hochebene der "tierra Helada" durch den Nebelwald hinein in den schon deutlich grüneren Bergwald, bis in den immergrünen Regenwald die "tierra caliente" zu durchfahren.

Nach einigen Reifenpannen, Tanken aus rostigen Fässern und viel Schaufelei um unser Auto aus dem einen oder anderen Schlammloch zu befreien, kommen wir mitten in der Nacht an.
Die schlammige Hauptstrasse und unsere müden Knochen lassen uns heute gerne auf ein Bierchen am Abend verzichten. Wir finden eine Bleibe in einem Hotel, das diese Bezeichnung bei weitem nicht verdient und freuen uns darauf ab morgen auf dem Fluss zu sein.

Tambopata 5 Thomas Gradl

nach dem Weg fragenBeim morgendlichen Spaziergang auf der Suche nach Kaffee und Frühstück kommt Goldgräber- und Schmugglerstimmung auf. Bei der Bevölkerung ist nichts mehr zu sehen, von den bunten reich verzierten und doch so unterschiedlichen Gewändern und Hüten der Hochlandbevölkerung. Offenen Hemden, zerrissene Jeans und schlammigen Gummistiefel scheinen eine Art Uniform abzugeben. Kein Ort um lange zu bleiben.

Ich hatte die letzten Jahre immer wieder vom Tambopata, seiner vielfältigen Flora und Fauna gehört und gelesen. Dieser wohl einzigartiger Wildwassertrip ist wenig bekannt, nur das längst vergriffenen Buch „River Gods“ in dem die schönsten Wildwasser Mehrtagestouren der Welt beschrieben werden, führt ihn auf. Bei den Bird Watchern gilt die berühmte Colpa eine Salzlecke an der sich jeden Tag hunderte von Papageien sammeln, spätestens seit dem Bericht im National Geographic jedoch als ein Mekka.

Tambopata a Thomas Gradl

Tambobata 6 Thomas Gradl

endlich unterwegsdas erste Abendmahl

In Cusco war es schwer Partner für den von mir lange ersehnten Tambopata Trip zu finden. Ich hatte zwar unbegrenzt Zeit, da ich mit meiner Familie für 2 Jahre von zu Hause ausgestiegen war um zusammen den südamerikanischen Kontinent mit unserem WohnLKW zu bereisen. Aber leider hatte ich wie so oft keinen Paddelpartner. Nach langen Suchen hatte ich Glück. Freunde in Cusco empfahlen mich einer Gruppe Wissenschaftler, die über Schäden und Beeinträchtigungen dieser im Jahre 2000 gegründeten größten grenzüberschreitenden Schutzzone Südamerikas einen Bericht verfassen sollten. Da der einzige Zugang in das Zentrum der drei Nationalparks Tambopata und Bahuaja-Sonene auf peruanischer und Madidi Park auf bolivianischer Seite, der Tambpata Fluss war, würden sie mit 2 Rafts unterwegs sein und waren froh über eine Kajakbegleitung. Die Tour wird zwar von den großen Raftingveranstaltern in Cusco auch angeboten, findet aber so gut wie nie statt. Ähnlich wie bei uns in Europa wollen auch hier Raftinggäste ein schnelles Erlebnis.

Leider hat es in Putina Punto zu wenig Wasser um mit den beiden Rafts einzusetzen. Wir beschließen mit unserem Fahrzeug der neuen Strasse, die sich langsam immer weiter in den Urwald hineinfrisst so lange es geht zu folgen um weiter flußab, nach der Mündung weiterer Nebenflüsse einzusetzen. Von Fahren kann aber keine Rede sein, wir ziehen, schieben und buddeln das Auto über die Schlammpiste. Manchmal glaube ich, wenn all das Wasser auf der Strasse im nahe liegenden Fluss wäre, würde es zum Paddeln reichen. Leo einer unserer beiden Raftbegleiter ist schon das vierte Mal auf dem Tambopato unterwegs und schwärmt beim Schieben immer wieder von dem wunderschönen Flussabschnitt den ich heute leider verpasst habe. Wildwasser III, gleich bleibend, leicht verblockt, durch tropischen Regenwald der mit seinem weit ausladenden Blätterdach oft den Blick zum Himmel verdeckt. Wir sehen aus wie die Schw... und er erzählt mir was vom traumhaften Flussabschnitt. Nach der ständigen Staubdusche gestern bei der Fahrt und der Schlammschlacht heute, sinkt meine Motivation langsam. Ich möchte endlich Paddeln gehen.

Tambopata 7 Thomas Gradl

Paddeln im größten Schutzgebiet Südamerikas

Wir beschließen es reicht. Wir können nahe genug an den Tambopata heranfahren um unsere gesamte Ausrüstung und Verpflegung für die nächsten acht Tage bequem zum Fluß bringen zu können. Finden eine schöne Kiesbank zum Beladen der Boote und nach einem ersten Bad im klaren, warmen Wasser des Tambopata steigt meine Laune erheblich. Wir sind nach vielen Mühen und Abenteuer am Einstieg. Das letzte Mal saß ich vor 4 Monaten im Boot. Auch an der Ostabdachung der Anden. Allerdings in Ecuador, als ich durch die große Schlucht des Upano im Gebiet der Shuar Indianer gepaddelt bin.
Mit Jorge einem Professor für Forst- und Umweltfragen an der Universität Lima, sowie Louis einen Forstingenieur und ihren Assistenten machen wir uns mit 2 Rafts und mir im Kajak auf den Weg. Nicht zu glauben, dass der Tambopata hier an unserem Einsatzpunkt ein kleiner Wildfluß im Dschungel ist, der innerhalb weniger Tage zu dem großen und trägen Strom werden soll, der sich bei Puerto Maldonado in den Rio Madre de Dios mündet.
Bis dahin soll es aber noch ein langer wunderschöner Weg durch unberührten Primär Regenwald, wie man ihn leider nur mehr selten zu Gesicht bekommt, werden. Die Sonne scheint, keine lästigen Stechmücken, das Wasser warm. Wir gleiten auf dem glitzernden Wasser dahin, winken noch einmal unserem Fahrer zurück und tauchen langsam ein in den Urwald.

Bilder, Text & Copyright: Thomas Gradl
Tambopata Expedition 2008 unter www.canyon-sport.com

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Traumtour auf dem Tambopata

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