Traumtour auf dem Tambopata - Teil 2

Im zweiten Teil der Berichtserie erreichen Thomas Gradl und seine Begleiter die Tambopata Schlucht. Über Rapids mit großen Wave Trains, riesige Felslabyrinthe und kräftige Walzen geht es immer tiefer hinein in das Herz des Nationalparks.

TopSiteNews Tambopata

Im zweiten Teil der Berichtserie erreichen Thomas Gradl und seine Begleiter die Tambopata Schlucht mit Stromschnellen bis zum vierten Schwierigkeitsgrad. Über Rapids mit großen Wave Trains, riesige Felslabyrinthe und kräftige Walzen geht es immer tiefer hinein in das Herz des Nationalparks.

Die wenigen Spuren der Zivilisation werden immer spärlicher. Nur hin und wieder sehen wir Kinder, Jugendliche, Frauen und alte Männer, die sich bis zu den Knien im Wasser mühevoll ihren Weg flussauf suchen. In ihrem Schlepptau ziehen sie drei, vier fünf Bretter hinter sich her. Jorge unser Professor erklärt uns, dass sie dass im Naturschutzgebiet illegal gefällte Holz zur nächsten Strasse transportieren. Ein Transport von ganzen Bäumen wäre zu auffällig, so wird das Holz direkt an Ort uns Stelle zugesägt. Viele Einheimische können sich damit ein zwei Dollar pro Tag verdienen. Oft sind sie für einen Transport zwei drei Tage unterwegs. Der Holzeinschlag im brasilianischen Urwald ist mittlerweile bei uns ein Thema. Leider haben wir die letzten Monate aber immer wieder eine erschreckende Verwüstung von Regenwald auch in Ecuador, Peru und Bolivien miterleben müssen. Unsere Kinder konnten wir Urwald noch live erleben lassen mit Ameisen, Spinnen, Morphofaltern, Schlangen, Affen und nächtlichen Stimmenkonzert. Ob wir es unseren Enkeln auch noch zeigen können?

Urwaldriesen Thomas Gradl

Brandrodung Thomas Gradl

Urwaldriesen auf unserem WegBrandrodung auf bolivianischer Seite

Still paddeln wir weiter. Suchen unseren Rhythmus. Langweilig wird es nie. Immer wieder kommen Stromschnellen, die uns erfrischen und für willkommene Abwechslung sorgen. Weit werden wir heute nicht mehr kommen und wir wollen rechtzeitig unser Lager aufbauen. Heute am ersten Abend wird es wohl länger dauern wird bis alle Zelte stehen, unser Küchentarp gespannt ist und der heiße Kaffee auf dem Tisch steht. Dann geht es doch schneller als gedacht und nach 30 Minuten Aufbauzeit sitzen wie auf einer hochwassersicheren Sandbank und schlürfen gedankenverloren unseren Kaffee. Doch die Ruhe soll nicht lange währen. Ein abendliches Tropengewitter scheint sich direkt über uns entladen zu wollen. Eilig machen wir Zelte sturm- und regensicher. Zweifel habe ich allerdings bei der großen Tarpkonstruktion meiner Kollegen. Zu recht. Kaum 20 Minuten später klammern wir uns sturmgepeitscht und nass bis auf die Knochen an das Tarp, um ein Wegfliegen zu verhindern. Doch bald ist der Spuk vorbei, die Luft klar und reingewaschen, Sterne kommen hinter den Wolken hervor und der Dschungel beginnt sein Konzert. Mit trockenen Klamotten sitzen wir noch lange zusammen, sind aufgeregt der unbeschreiblichen Umgebung wegen, erzählen uns Geschichten und sind dankbar hier sein zu dürfen.

Tambopata 10 Thomas Gradl

Mit Sack und Pack 7 Tage auf dem Tambopata

Der Morgen weckt uns mit kaltem Wind. Kaum zu glauben, wir sitzen mitten im tropischen Regenwald und es ist kalt. Die Motivation ins Boot zu steigen ist bei allen sehr gebremst. So wird es spät bis es endlich losgeht. Aber es bleibt den ganzen Vormittag kalt und wir beschließen unseren Paddeltag zu verkürzen und am Eingang der Schlucht zu campieren. Ab morgen werden wir für 2 Tage durch die Tambopata Schlucht paddeln. Heute allerdings sehnen wir uns nach unseren warmen Schlafsäcken. "Friache" die Kalte nennen meine peruanischen Begleiter diese sehr seltene Wetterlage. Ich versuch der Kälte mit positiv thinking entgegen zu treten und überlege mir was für ein Glück ich doch habe mitten im Dschungel frieren zu dürfen.

Während ich am nächsten Morgen noch verschlafen durch den offenen Zelteingang, das Spiel der Sonne mit dem Morgennebel über dem Fluss bewundere, sind meine Kollegen schon hellwach und aufgeregt.

Tambopata 11 Thomas Gradl

Tambopata 12 Thomas Gradl

feines Wildwasser bis IV-Tambopata - Peru

Sie sind zwar im wissenschaftlichen Auftrag unterwegs doch der Paddelvirus hat auch sie befallen. Die Tambopata Schlucht mit Stromschnellen bis zum vierten Schwierigkeitsgrad erwartet uns. 1 Stunde später sitze ich bereits im Boot. Das Gefälle der umliegenden Hänge nimmt deutlich zu, die Stromschnellen folgen immer dichter aufeinander. Die Aufregung meiner Kameraden nimmt zu, ihre Augen werden immer größer. Doch der Tambopata ist fair und abwechslungsreich und nie schwerer wie WW III - IV. Wir dürfen Rapids mit großen Wave Trains paddeln, uns wenig später einen Weg durch riesige Felslabyrinthe suchen und kräftigen Walzen ausweichen. Immer begeleitet von duzenden großen blauen Morphofalter.

Tambopato 13 Thomas Gradl

Ständig schütten kleine Zuläufe ihr Wasser in den Tambopato. Der Flusscharakter hat sich innerhalb von 2 Tagen deutlich gewandelt. Sind wir auf einem kleinen Fluss, der mich manchmal an die Isar zu Haus erinnert hat gestartet, befinden wir uns heute schon mehr auf der Slalomstrecke der Saalach und morgen werden wir wohl auf einer Regenwald Imster Schlucht sein. Der Tag vergeht wie im Flug und der Sonnenstand erinnert uns daran bald einen Lagerplatz zu suchen. Wir sind zwar nicht in einer Klamm und in der Tambopataschlucht gibt es auch hin und wieder traumhafte Sandstrände. Auf Grund der instabilen Wetterlage wollen wir aber einen zu 100% hochwassersicheren Lagerplatz. Ich hab noch die Erlebnisse letzter Weihnachten im Kopf, wo uns in Ecuador eine Flutwelle aus heiterem Himmel überraschte und der Fluss innerhalb weniger Minuten um fast 2 Meter anstieg. Wir hatten kaum noch Zeit aus unseren Booten zu kommen und einen Weg in das Tropendickicht zu schlagen, um dort das Wetter auszusitzen. So habe ich heute keine Lust nachts im dunklen Dschungel vom Hochwasser aus meinem Schlafsack vertrieben zu werden. Schnell ist ein leckeres Abendessen zubereitet bevor uns der Regenwald mit seiner Dunkelheit gefangen nimmt. Müden geben meine Mitpaddler noch Kund, dass ein Tag auf dem Fluss für sie anstrengender sei, wie ein Tag auf der Uni. Kurze Zeit später höre ich sie auch schon im nächtlichen Dschungelkonzert mit lautem Schnarchen mitmischen.

Morgenstimmung Thomas Gradl

traumhafte Lagerplätze und tolle Morgenstimmung

Bei strahlenden Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und immer noch mückenlos, freuen wir uns auf einen weiteres Wildwassertag. Wenn alles klappt sollten wir heute die Schlucht hinter uns lassen und tief in den Nationalpark eintauchen. Wie schon erwartet ändert sich der Flusscharakter. Das Gelände wird offener, das Gefälle geringer und die Stromschnellen wuchtig. Selten habe ich einen Fluss erlebt, der für Kajak, Schlauchcanadier und Raft geeignet ist und noch dazu in eines der abgelegensten und interessantesten Gebiete der Tropen führt.

Tauchgang Thomas Gradl

Standort Thomas Gradl

TauchgangStandortbestimmung

Am Abend zeigt uns GPS und Landkarte, dass wir uns im Herz der Nationalparks befinden. Von hier führt keine Straße und kein Pfad zurück in die Zivilisation. Der einzige Weg ist der Fluss. Unsere einzige Verbindung im Notfall wäre das Satelliten Telephon. Wie um uns für unsere Mühen zusätzlich zu belohnen, verschwinden die letzten Wolken vom Himmel und der Vollmond steigt behutsam über die obersten Stockwerke der Urwaldriesen hervor. Schweigend und ehrfurchtsvoll betrachten wir das Schauspiel. Lange sitzen wir zusammen sprechen über für und wieder des Outdoortourismus, diskutieren Lenkungsmaßnahmen in den beiden Naturschutzgebieten und schimpfen auf die allgegenwärtige Bürokratie und Korruption, die so viel gute Ideen und Engagement auffrisst.


Bilder, Text & Copyright: Thomas Gradl
Tambopata Expedition 2008 unter www.canyon-sport.com

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Traumtour auf dem Tambopata

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