Das Seyhan-Nehri-Projekt - Another last descent II

Ein weiterer aufregender Tag im Shadow Canyon bis zur Zamanti Mündung erwartet die Paddler der Expedition. Dann geht´s am Seyhan bei flottem Wuchtwasser weiter, bis die Fahrt in einem See endet - einem Stausee ... So endet der zweite Teil von Christian Zickes Türkei Bericht.

TopSiteNews Türkei

Tag 3:

Göksu Zicke Christian

Quelle: Zicke Christian

Nach dem Shadow-Canyon folgt auf dem ersten Kilometer leichtes Wildwasser. Danach rauscht es wieder und der Göksu strömt durch einige Katarakte mit vielen Siphonen und Unterspülungen. Dann wird es wieder fairer und lange, technische Katarakte im vierten Schwierigkeitsgrad machen die Weiterfahrt zum Genuss – gerade weil man mit den beladenen Booten in dem flotten, stark verblockten und stufigen Wildwasser kräftig kurbeln muss.

Göksu Zicke Christian

Quelle: Zicke Christian

Nachdem sich der Göksu wieder beruhigt hat machen wir an einer Straßenbrücke Pause und es beginnt zu regnen. Innerhalb von wenigen Minuten verfärbt sich der ehemals grüne Fluss. Als wir auf den braunen Fluten weiterfahren verzieht sich der Regen und ein gespenstischer Nebel steigt auf. Die letzten Kilometer bis in den Seyhan sind noch einmal von landschaftlicher Schönheit und das Wetter trägt dazu bei, dass wir diesen mystischen Moment wohl so schnell nicht vergessen werden. Mit diesen Eindrücken im Gepäck kommen wir an die Stelle, an der der Göksu in den Zamanti mündet - Mission Göksu complete. Ab hier heißt der Fluss Seyhan. Wir campen noch vor der Mündung, da auf den nächsten zehn Kilometern aufgrund des Schlucht-Charakters des Seyhan kein Camp zu erwarten ist.

Tag 4: Seyhan

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Zicke Christian

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Zicke Christian

Mathieux und Roger ...... auf dem Seyhan

Nach dem Zusammenfluss von Zamanti und Göksu erwartet uns auf dem Seyhan nun wuchtigeres Wildwasser. Mathieux und Roger berichten von fairem Wuchtwasser im vierten und fünften Grad. Wieder gräbt sich der Fluss in eine tiefe, sehr beeindruckende Schlucht ein. Das Wildwasser überschreitet auf den ersten Kilometern nicht den vierten Grad.

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Zicke Christian

Auf dem Seyhan

Auch im weiteren Verlauf bleibt das Wildwasser fair und insgesamt müssen wir nur eine fiese Fünfer-Stelle umtragen, bei der wir ebenfalls eine sichere Befahrung mit vollen Booten nicht garantieren können. Dann folgen noch einige weitere Stellen bis wir die Brücke, an der wir das nächste Camp aufschlagen möchten, erblicken. Doch irgendetwas stimmt nicht. Mathieux wird stutzig und wundert sich über den Verbleib der letzte, dicken Stromschnelle...

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Mathias Funke

Das Seyhan-Staudamm-Projekt

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Mathias Funke

Anstatt die letzte Stromschnelle runter zu rocken befinden wir uns auf einem Stausee-ähnlichen Abschnitt. Obwohl wir das schlimmste befürchten, hoffen wir inständig, dass vielleicht ein Erdrutsch den riesigen Stau verursacht hat. Doch als wir zum Ende des Sees gelangen, kommen wir an eine aus der Wand gesprengte Steinlawine. Die Bohrlöcher im Fels überzeugen uns, dass es sich hierbei um eine Sprengung gehandelt hat. Geschockt steigen wir aus und begutachten die Baustelle. Schnell wird klar, dass es sich um ein Staudamm-Projekt handelt. Enttäuscht und sauer landen wir an und klettern auf einen einsamen Fels am Rand des Sees. Wir beschließen nach langem überlegen, die Fahrt hier abzubrechen. Eine Befahrung der Stromschnelle, die sich durch die Sprengung ergeben hat, kommt aufgrund des scharfen Gesteins nicht in Betracht. Auch ein Umtragen über das Geröllfeld ist lebensgefährlich. Somit ist dieses Stelle eine unfahrbare Zwangspassage und wir brechen an dieser Stelle ab.

Dass diese Entscheidung gut war, stellt sich wenige Minuten später heraus, als kubikmetergroße Steinbrocken die Geröllhalde hinunterstürzen um dann krachend und spritzend im Fluss zu verschwinden. Beim Umtragen hätte man hier leicht erschlagen werden können.

Seyhan Zicke Christian

Quelle: Mathias Funke

Traurig blickt Ise auf die Geröllhalde, die uns die Weiterfahrt vermasselt

Fazit:

Die geplante Erstbefahrung des Geologen-Canyon des Göksu ist ohne Schwierigkeiten gelungen. Die Sieges-Zigarre mussten wir uns leider trotzdem schenken, da die geplante Weiterfahrt auf dem Seyhan zwei Tage vor Schluss abgebrochen werden musste. Des Weiteren haben wir erfahren, dass an Seyhan, Zamanti und Göksu insgesamt mindestens fünf Staudamm - Projekte in Planung sind. Somit wird die Erstbefahrung des Göksu vielleicht auch gleich die letzte Befahrung gewesen sein. Sicher ist auf jeden Fall, dass eine weitere, wilde und wunderschöne Großschlucht in einer Kette von Staudämmen verschwinden wird.

Die Fakten:

Der Seyhan ist der größte Strom der Südtürkei. Der Fluss, dessen zwei Quellflüsse, der Zamanti und der Göksu, im Taurus-Gebirge entspringen, bricht durch eine große Schlucht in die Tiefebene von Adana durch und fließt dann ins Mittelmeer. Vor Adana ist der Seyhan schon lange gestaut und abgeleitet. Nun folgen Stauseen an Zamanti, Göksu und in der großen Seyhan-Durchbruchs-Schlucht.

Warum Geologen-Canyon?

Laut unserer Informationen wagte ein amerikanisches Geologen - Team in den achtziger Jahren eine Befahrung des Göksu mit dem Raft. Dieses Team ist jedoch nach der Einfahrt in den Canyon nie wieder gesehen worden... Wir können gut verstehen, dass die Geologen sich für den Göksu als Forschungsobjekt entschieden haben. Denn neben dem sehr interessanten Wildwasser, das bei gutem Wasserstand auf jeden Fall die Möglichkeit bietet, für immer zu verschwinden, bietet besonders der Shadow-Canyon wunderschöne Gesteinsformationen. Besonders die Schluchtwände aus weißem Marmor haben uns stark beeindruckt.
Für weitere infos könnt ihr euch über: info@outdoordirekt bei Mathieux, Ise, Roger oder Christian informieren.

Das Team:

Seyhan-Nehri-Projekt Christian Zicke

Quelle: Mathias Funke

Seyhan-Nehri-Projekt Mathias Funke

Quelle: zicke

Christian ZickeMathias Funke (Mathieux)

Seyhan-Nehri-Projekt Sebastian Wallner (Ise)

Quelle: Mathias Funke

Seyhan-Nehri-Projekt Roger Ickerott

Quelle: Mathias Funke

Sebastian Wallner (Ise)Roger Ickerott

Support:
Vielen Dank an Horst Fürsattel und das Team von Paddle-People sowie an Pray4surf und Liquidlogic für die materielle Unterstützung des Seyhan-Nehri-Projektes 2008.

°hf pray4surf

Quelle: Logos

Text: Christian Zicke, Fotos: Mathias Funke (Mathieux)

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Bootfahren macht Spaß - Momente davon "einzufrieren" auf einem Bild, macht auch Spaß ...Zum Fotografieren nehm ich oft die Paddler her. Freude und Begeisterung, Mut, Respekt & Ehrfurcht ist aus den Gesichtern zu lesen.

Das Seyhan-Nehri-Projekt - Another last descent

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