Das Taurusgebirge im März

Wohin in den Osterferien? Als alternatives Frühjahrsrevier steht heuer die Türkei hoch im Kurs. Von März bis zum Frühsommer kann man dort auf gute Pegelstände treffen. Taurus-Kenner Christoph Scheuermann stellt das exotische Revier am Rande Europas vor.

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Frühlingspaddeln mit Wassergarantie? Als alternatives Paddelrevier für die Osterferien steht heuer die Türkei hoch im Kurs. Taurus-Kenner Christoph Scheuermann stellt das exotische Revier am Rande Europas vor.

alara türkei

Hohe Stufe am Ende der "Kaiserklamm" (Alara) | Foto: Matthias Breuel

Die tief in den Kalkstein des Taurusgebirges geschnittenen Flusstäler von Dalaman, Alara und Köprü Cayi haben in den letzten zehn Jahren in Paddlerkreisen einen wahren Boom erlebt. Gefördert durch mehrere Berichte in Kanuzeitschriften (KANU 2/06, Kanusport 6/06 und 3/08) und nicht zuletzt hier auf kajak.at entdecken mehr und mehr Wildwasserpaddler das exotische Revier am Rande Europas.

alara Türkei

Bei Niedrigwasser in der "Kaiserklamm" der Alara. | Foto: Andreas Strüwing

türke scheuermann

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Those were the days, my Friend - der erste Roadtrip mit dem Auto (2004) | Foto: Daniel AhrenbogGümüsdamla - typisches Bergdorf am oberen Manavgat | Foto: Daniel Ahrenbog

Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Mit einer Anreise von drei Stunden Flugzeit und einem breiten Angebot an kostengünstigen Charterflügen konkurriert die Region um Antalya sowohl mit südeuropäischen Destinationen wie Galizien, Griechenland oder Kalabrien, als auch Fernzielen in Übersee. Während im März in alpinen Gefilden oft noch Schnee die Flussufer bedeckt, umweht am Airport Antalya ein warmer Wind die Nase. Die Oleanderbüsche stehen in voller Blüte, Quellen sprudeln am Wegesrand und füllen die Bachbetten. Wenn auf dem Dorfplatz der Ruf des Muezzins erklingt und die Männer sich vom Teehaus in die Moschee bewegen, während wir frische Tomaten, weißen Käse und Fladenbrot im Kofferraum verstauen, wird uns bewusst wie nah und doch fern wir unseren heimatlichen Alpenflüssen sind.

Alara Türkei

Vorbereitung zum Klippenstart in der Großen Schlucht der Alara. | Foto: Andreas Strüwing

Das Taurusgebirge erstreckt sich weit über 1000km von der südlichen Ägäis bei Marmaris bis in den kurdischen Teil Anatoliens am Vansee. Seine geologische Fortsetzung findet es in den persischen Elburs- und Zagros-Gebirgen, die schließlich zum Hindukusch leiten.

Die übergroße Mehrheit der Tauruspaddler bereist den westlichen Taurus zwischen Dalaman (bei Marmaris/Mugla) und Dragon Cayi (bei Anamur). Hier befinden sich die Klassiker Dalaman, Köprü, Manavgat und Alara, die durch klares Wasser, spektakuläre Karstquellen, tief-zerklüftete Kalkschluchten und eine üppige Landschaft bestechen.

alara scheuermann

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Die türkische "Kaiserklamm" auf der Alara (Juni 2007) | Foto: Andreas StrüwingDie "Zwangspassage" der mittleren Alaraklamm bei Niedrigwasser (Juni 2007) | Foto: Matthias Breuel

Nordöstlich von Alanya bietet das Flusssystem des Göksu Nehri mehrere Etappen, bevor er im ökologisch sehr interessanten Delta bei Silifke die Mündung ins Mittelmeer findet. Der Ermenek Cayi, der südliche der beiden Göksu-Quellflüsse, durchbricht in seinem Lauf mehrer tiefe Großschluchten. Teile davon sind Stauseen zum Opfer gefallen, und auch die Ebene unterhalb der Kleinstadt Ermenek steht kurz vor der Flutung. Zwei kaum bekannte Abschnitte oberhalb Ermenek warten jedoch mit exquisitem Wildwasser auf, das den weltweiten Vergleich nicht zu scheuen braucht. Noch weiter oben - der Fluss wird hier Gevne Cayi - genannt, finden sanftere Gemüter ihr Revier. Der Gevne fließt 40km immer in Straßennähe durch ein unbesiedeltes Tal. Schwierigkeiten zwischen WW2 und WW4 sorgen für unbeschwerten Schluchtengenuss.

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Im unteren Teil der Schlucht des Dalaman bei Hochwasser Anfang April. | Foto: Daniel Ahrenbog

Der nördliche Arm, wie der Mutterfluss Göksu genannt, bietet auf weit über 50km unentdeckte Schluchten. Lediglich im Oberlauf bei Taskent konnten zwei Abschnitte befahren werden.
In direkter Nähe zum Meer befinden sich die Karstflüsse Dim Cayi und Dragon Cayi (auch Anamur Cayi genannt), die zeitig im Frühjahr mit steilen Oberläufen Stürzervergnügen garantieren.

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Naturwehr am Dragon kurz oberhalb des Restaurants "Dibek". | Foto: Serkan Konya

Als kurze Erklärung zu den Flussnamen: Auf den eigentlichen Namen des Gewässers folgen die Ergänzungen cayi (Grundform: cay = Bach), nehri (=Fluss), irmagi (Grundform: irmak = Strom), deresi (Grundform: dere = kleiner Bach) oder gölü (Grundform: göl = See). So heisst der Vansee im Südosten der Türkei Van Gölü, der Euphrat Firat Nehri.

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Katarakt 50m nach dem Einstieg des Ermenek bei Dumlugöze (März 2006) | Foto: Michal Drwota

Der weitaus größte Teil des Taurus ist paddlerisches Neuland. Freilich wurden die Großschluchten von Euphrat und Tigris schon von den Faltbootpionieren durchquert. Einige Weitwanderflüsse wie Murat Nehri oder der Oberlauf des Zamanti wurden in den 80er Jahren von Unentwegten bereist. In manchen Teilen Kurdistans verbietet die politische Lage eine unbeschwerte Kajakreise, so z.B. am Großen Zap nahe der irakischen Grenze.

Ganz anders ist die Situation im westlichen Teil des Taurus. Rund um Antalya steht dem Paddler eine gut entwickelte Infrastruktur zu Verfügung. Das Mieten eines Minbuses mit Fahrer ist über verschiedene im Outdoor-Bereich tätige Firmen möglich. Je nach Wunsch kann im Pauschalhotel an der Küste übernachtet werden, oder auf (halb)wilden Camps direkt am Fluss.

köprü scheuermann

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Der Seitencanyon am Einstieg des Köprü Cayi im März 2006... | Foto: Michal Drwota... und im Juni 2007. | Foto: Andreas Strüwing

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Meilensurf auf dem gut eingeschenkten Köprü Cayi (April 2004) | Foto: Daniel Ahrenbog

Paddelhauptsaison im Taurus ist von April bis Mai. In diesen Monaten ist sonniges und warmes Wetter garantiert, die Vegetation ist längst erwacht und steht in voller Blüte. Die Hauptschmelze ist Mitte März bis Mitte April, ab Mitte Mai kann das Wasser in den Oberläufen knapp werden. Generell ist eine Reise auch schon im Februar zu empfehlen. Die Schmelze beginnt dann gerade, auch wenn an den Oberläufen noch Schnee liegt. In den dem Meer abgewandten Tälern ist es noch empfindlich kalt, so ist an Gevne und Ermenek mit Nachtfrost zu rechnen. Ganz anders an den zum Meer offenen Tälern von Köprü, Alara, Dim und Dragon.

manavgat scheuermann

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Technisches Wildwasser am Manavgat bei Niedrigwasser (Juni 2007) | Foto: Matthias BreuelGrundgestein im linken Quellbach des Manavgat (März 2006) | Foto: Serkan Konya

manavgat türkei

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Manavgat bei Üzümdere (Hochwasser, März 2006) | Foto: Serkan KonyaManavgat bei Üzümdere (Niedrigwasser, Juni 2007)| Foto: Christoph Scheuermann

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Genau zielen ist die halbe Miete. (Manavgat, Juni 2007) | Foto: Andreas StrüwingWohl dem, der hier seine Linie kennt. (Manavgat, März 2006) | Foto: Serkan Konya

Der März eigent sich als Reisezeit für den versierten Stürzer und Wuchtwasserliebhaber. Es ist die Zeit des obersten Dim Cayi, den Quellflüssen des Manavgat, und der vielen noch nicht befahrenen Seitenbäche abseits der Normalstrecken. Um diese Zeit ist auch in der Alaraschlucht und am Dalaman mit wuchtigen Pegeln zu rechnen. Wie im Februar sind auch im März Regenfälle möglich, die die Pegel massiv beeinflussen.

türkei scheuermann

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Ein Glas Raki, soviel Zeit muss sein - Serefe! | Foto: Daniel AhrenbogTraumhafter Schlafplatz mit Privatstrand (Manavgat im April 2004) | Foto: Daniel Ahrenbog

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In der Kernstelle des oberen Dim Cayi (März 2006) | Foto: Michal DrwotaDer Ucansu-Wasserfall am Einstieg der Quelltopfstrecke an der oberen Alara | Foto: Daniel Ahrenbog

Alle Angaben beziehen sich auf durchschnittliche Niederschlagsverhältnisse während der Wintermonate. Wie in den europäischen Kajakrevieren sind starke Abweichungen aufgrund schnee- und regenarmer Winter möglich. So wurden im März 2006 an der Alara Verhältnisse angetroffen, wie sie normal im Mai zu erwarten wären. Anfang Juni war die Schüttung der Karstquellen schon so niedrig, dass die oberste Alara an der untersten Grenze war. Dim, Manavgat und Gevne hatten für eine Befahrung zu wenig Wasser.

Nach "normalen", im Taurus sehr niederschlagsreichen Wintern wird das Wasser im zerklüfteten Karstgestein bis in den Sommer gespeichert. Anfang Mai bis Ende Juni ist die ideale Zeit für gemäßigte Wildwasserpaddler, die sich z.B. auf der Friedhofsstrecke der Soca wohlfühlen. Dalaman und Alaraschlucht laden dann mit türkisgrünem Waser zum Naturslalom zwischen weißen Felsblöcken.

scheuermann türkei

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Baumversperrungen nicht nur am Bach | Foto: Matthias BreuelTraumwasserfall im rechten Quellbach des Manavgat (April 2004) | Foto: Daniel Ahrenbog

Egal zu welcher Zeit, Forellenwirt Ibrahim ist immer auf paddelnde Gäste eingestellt. Kaum ist der Schnee geschmolzen und die Frühlingssonne funkelt auf der anderen Talseite stehen Tische und Bänke bereit, Ibrahim holt frischen "Alabalik" und wirft den Ofen an. Die klaren, kalten Wasser des Manavgat reichen bis zu den knorrigen Bäumen am Ufer. Vor seinem Gasthaus an der Sahap-Brücke bei Akseki bietet ein idyllisch gelegenes Eck Platz für die Zelte der Paddler. Die gebratenen Forellen, die handgeschnittenen Pommes Frites und der traditionelle Salat sind ein türkisches Gedicht. Es wird Zeit für ein Wiedersehen!

Weiterführende Flussinfo, Logistik-Tipps und Kajakkurse im Taurus findet ihr demnächst auf >>> www.toros-outdoors.de

Mehr Türkei auf kajak.at
>>> Türkei Expedition 2005
>>> kajak.at Flussdatenbank

Text: Christoph Scheuermann

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7 Kommentare

  1. TopSiteNews Türkei
    Wilhelm Haberfehlnervor 12 Jahren

    Danke für den schönen Beitrag.
    Da werden Erinnerungen und Sehnsüchte geweckt.

  2. no-avatar
    loisachervor 12 Jahren

    Sind Anreisen mit dem Flugzeug zu einer Paddeltour in Zeiten des Klimawandels nicht verantwortungslos?

  3. TrustedPaddler

    >Sind Anreisen mit dem Flugzeug zu einer Paddeltour in Zeiten des Klimawandels nicht verantwortungslos?

    DAS kann jetzt aber nicht ernst gemeint sein, oder???

  4. TrustedPaddler
    Andreas vor 12 Jahren

    Ich finde auch, dass zu diesen Zeiten das Flugzeug als Transportmittel ziemlich verantwortungslos ist! Viel besser wäre, mit einem alten Wohmoli, dass einen Verbrauch von 36l/100km hat, mit dem man durch passives Fahren 48 Unfälle verursacht, diese lächerlichen paar Kilometer zu fahren!

  5. TrustedPaddler

    nicht mit einem Wohnmobil das ist ja ein Klimasünde. Boot auf den rücken und zufuß zum Bach und ist er noch so weit weg:-)

  6. TrustedPaddler

    Interessanter Bericht & Tolle Fotos!

  7. TrustedPaddler

    Sind verantwortungslos gerade per Flieger aus Antalya zurück. Unser Miettransit hat 12 liter auf 100 gesaugt. Dafür war aber unser Fahrer Mustafa ein Könner seines Fachs. 13 Tage, 15 x gepaddelt in fast allen Schwierigkeitsklassen (OK die 6er umtragen war immer möglich) . Und trotz salztrogenem Manavgat Quellbach war auf fast allen anderen Bächen mindestens Mittelwasser. 25 Grad und Sonnenschein (im Gegensatz zu 25cm Neuschnee im Fränkischen) machten das ganze zu einem gelungenen Frühjahrsauftakt. Serkan, der wahrscheinlich einzige türkische Paddler im schweren Wildwasser sorgte für 2 reibungslose Wochen. Durchaus empfehlenswert für den der auch mal längere Abschnitte ab Stück fahren will.

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