Mein Paddel-Tipp: Die Lieser

Mehr als zehn Paddel-Tipps hat Miss kajak.at Judith Prechtl in der Kajakszene im letzten halben Jahr "eingesammelt". Nun ist sie selbst an der Reihe und verabschiedet sich mit ihrem "Feierabendfluss", der Lieser, aus dem Redaktionsteam von kajak.at.

TopSiteNews Judith Prechtl

Mehr als zehn Paddel-Tipps hat Miss kajak.at, Judith Prechtl in der Kajakszene im letzten halben Jahr "eingesammelt". Nun ist sie an der Reihe und verabschiedet sich mit ihrem "Feierabendfluss", der Lieser aus dem Redaktionsteam von kajak.at. Nach mehr als drei Jahren vollem Einsatz für unsere Seite steht für sie der "Weg zu neuen Ufer an".

lieser georg worsche

Quelle: Heimo Schneider

Auf geht's in die Lieserschlucht! Local Georg Worsche am Eingang der Seebachstufe

Noch gar nicht so lange her, da habe ich Hans Maier zum ersten Mal nach einem Paddel-Tipp gefragt. Damals hätte ich nicht damit gerechnet, selber mal über meinen Lieblingsbach nachdenken zu müssen. Nun ist’s doch soweit, denn der Abschied von kajak.at naht und was würde sich als letzter Artikel besser eignen als ein Paddel-Tipp? Für mich kommt bei dieser Frage sowieso nur ein Fluss in Frage: Die Lieser in Kärnten - eine echte Perle für WW3-Paddler, die ihre große Zeit wohl vor dem Bau des Kölnbrein-Speichers im Maltatal hatte. Oft trifft man hier ältere Semester, die sich noch an die Slalom- und Abfahrtsbewerbe (WM 1977) in der Schlucht erinnern und die hier vor Jahren schon unterwegs waren.

Heutzutage sind wohl schon viele am Weg zur Soca über die Lieser hinweggerauscht, aber nur wenige würdigen den Fluss eines genaueren Blickes. Von Bovec aus in einer guten Stunde erreichbar, ist die Lieser jedoch eine echte Alternative, wenn ein Italientief in Slowenien für Hochwasser sorgt. Auch auf dem Heimweg in den Norden lohnt sich ein Abstecher, denn - und jetzt kommt der Insider - nimmt man die B99 ab Seeboden oder Gmünd und die Auffahrt Rennweg, dann umfährt man den obligatorischen Stau vor dem Katschberg. So kann man getrost zwei Stunden am Bach verbringen, während andere auf der Autobahn in der Sonne brüten.

lieser seebachstufe

Quelle: Eva Kropfberger

lieser seebachstufe

Quelle: Heimo Schneider

Die Seebachstufe von unten. Wer genau schaut findet hier viele schöne Linien......und auch eine kleine feine Surfwelle steht bei Mittelwasser in der Einfahrt

Im Sommer 2003 habe ich auf der Lieser meine ersten Erfahrungen im Wildwasser gesammelt. Ich erinnere mich gut an meine ersten Fahrten in der "Schlucht". Bei absolutem Niederwasser mit meinem RPM und panischer Angst ging's die "mächtige" Seebachstufe hinunter, was prompt mit einem netten Schwimmer und ein paar Löchern im Neoprenanzug endete. In den folgenden Jahren bin ich auf den verschiedenen Abschnitten der Lieser locker hundert Mal gepaddelt – Geschichten gäb’s daher viele: Die Weihnachtsfahrt im Dezember, das Foto-Shooting für eine Kulturzeitschrift oder als ich mit meinen Kärntner "Paddel-Jungs" an einem heißen Sommertag 2005 den sonst nicht befahrenen Abschnitt durchs Stadtgebiet von Spittal in Angriff nahm – Fünf-Meter-Wehr inklusive. In den letzten drei Jahren war ich meist zum Feierabendpaddeln auf der Lieser unterwegs. Die 1,5 Kilometer-lange Schlucht-Strecke (durchgehend WW 3-4) ist mit bis zu 18 Grad warmen Wasser (dem Millstätter See sei Dank) und sommerlichen Mittelwasserständen zwischen 150 und 170 ideal, um sich nach der Arbeit ein wenig auszutoben. Viele abwechslungsreiche Kehrwasser, Spielwellchen und –wellen und einige nette Boofsteine lassen die Zeit wie im Flug vergehen, so dass man auch auf der kurzen Strecke schon mal ne gute Stunde verplanschen kann.

lieser kärnten

Quelle: Heimo Schneider

Schöne Surfwelle zwischen Altersberg und Seebachbrücke


Größere KartenansichtSteigt der Wasserstand, sind die Etappen weiter oben gefragt. Ab einem Pegelstand von 180 lohnt es sich einen Blick auf die "Obere Lieser". Eingestiegen wird hier an einer Brücke unter (oder auch oberhalb) eines von der B99 aus sichtbaren Kataraktes kurz vor Kremsbrücke (flussaufwärts gesehen). Auf neun Kilometern rauscht die noch relativ kleine Lieser mit stetigem Gefälle vor sich hin. Acht geben muss man wegen Bäumen und an den drei Wehren auf diesem Abschnitt. Das erste Holzwehr ist links über eine Wiese gut zu umtragen. Vor dem zweiten Wehr, einer Gefällbremse sollte man früh genug ausbooten. Umtragen wird rechts über die B99. Die Stufe gilt als fahrbar, bei gewissen Wasserständen entsteht hier aber ein gemeiner Rücklauf. Eine "Chicken-Line" ganz, ganz rechts über die Felsplatten ist je nach Wasserstand möglich. Das dritte Wehr befindet sich an einer Kraftwerksausleitung kurz vor Gmünd. Je nach Wasserstand ist es möglich über die Steine zu rutschen, ansonsten umtragen. Highlight der Etappe ist ein kurzer Katarakt zwischen Gefällbremse und Kraftwerk. Diesen kann man vom linken Ufer aus recht gut besichtigen. Normalerweise endet die Ausfahrt an der Oberen Lieser beim Pegelhäuschen in Gmünd. Hat man Zeit und Muse kann man sich gleich im Anschluss auf ein wuchtigeres Abenteuer auf der Lieser einlassen. >>> Die Lieser in der FDB

Nach dem Zusammenfluss mit der Malta gewinnt die Lieser ordentlich an Wasserwucht. Kurz nach der Autobahnbrücke (Einstig Etappe Gmünd bis Altersberg in der FDB) sorgt zunächst die "Schräge Platte" für einen ersten Adrenalin-Kick. Bei einem Wasserstand von > 180 Pegel Fasan ist dieser Abschnitt mit seinen vielen Katarakten und spektakulären Wellenzügen eine kurzweilige Angelegenheit und die dicken Wellen garantieren einige überraschte Gesichter. In Trebesing-Bad ist bei hohen Wasserständen die beste Spielwelle der Lieser anzutreffen, nur wenige hundert Meter weiter wartet der wohl schönste Wellenzug der oberen Etappe. Bis zur Seebachbrücke vor der Lieserschlucht rauscht der Bach in etwa gleich bleibendem Charakter dahin. Die Schwierigkeiten sind vom Boot einsehbar, die Linien klar erkennbar. Wirft einen eine Welle oder Walze doch einmal aus dem Boot, kann Schwimmen bzw. Material-Einfangen ob des flotten Tempos der Lieser zu einer längeren Aktion werden.

lieser kärnten

Quelle: Toni

Die schönste Spielwelle der Lieser findet man ab etwa Pegel 180 in Trebesing-Bad direkt hinter dem Babyhotel.

Hat man an der Seebach-Brücke immer noch nicht genug, so folgt das absolute Hightlight. Bei 165 noch ein Playrun, gewinnt die Schluchtstrecke schon ab Pegel 170 spürbar an Wasserwucht. Am besten wirft man einen Blick von der Brücke und entscheidet dann ob die Fahrt fortgesetzt wird. Einige dicke Walzen und Wellen haben der Lieser bei satt Wasser schon den Beinamen "Little Zambesi" eingebracht, auch wenn die Schwierigkeiten durchwegs fair bleiben und meist eine klare Linie an den großen Brummern vorbei führt. Einzig der "Happa" – die wohl gefräßigste Walze in der Schlucht – legt sich über die gesamte Flussbreite. Gut zu wissen, dass hier Mitte rechts eine schöne Zunge am tosenden Maul vorbei führt. In gut 20 Minuten hat man die Schlucht dann auch schon hinter sich und der "Zielturm" kündigt den Ausstieg beim Pegel Fasan an.

Lieser lieserschlucht

Quelle: Kajakkasperlhaufen

Pegel-Tipps (bezogen auf Fasan)140 bis 150: Lieber die Schlucht (WW 3-4) zweimal paddeln, oberhalb wird’s seicht und steinig. Ab 150 werden die Abschnitte ab Gmünd (WW 3) fahrbar.170 ist ein schöner Wasserstand für eine Befahrung ab Gmünd.> 180: Es lohnt der Blick in die Obere Lieser (WW3). Ab Gmünd wird es wuchtig, große Wellen sorgen für Action. Um 200 faires Wuchtwasser mit großen Wellen und viel Spass. Vorsicht, die Lieserschlucht (WW3-4) setzt in Sachen Geschwindigkeit und Wasserwucht noch mal eins drauf. Kehrwasser werden rar.>>> Online-Pegel Fasan
Bild links: Blick auf die Lieserschlucht unterhalb der Seebachstufe bei Mittelwasser

judith prechtl kanumesse

Quelle: necky

Nach sieben Jahren paddeln und leben in Kärnten rückt nun meine allerletzte Feierabendfahrt auf der Lieser bereits in Sichtweite. Anfang Oktober geht's für mich mit einem großen Schritt auf zu neuen Ufern und beruflichen Herausforderungen. Bis ich den Sprung über die Alpen wage, ist aber noch viel zu tun, denn nach dreijähriger „Konzentrationszeit“ will auch meine Diplomarbeit über die Schi-WM 2005 irgendwann zu Papier gebracht werden. Damit ist jetzt paddeltechnisch erstmal „Winterpause“ angesagt, wenn gleich die eine oder andere Ausfahrt sicher ins Wochenendprogramm findet.

Keine Pause, sondern ein Ende hat meine Mitarbeit im kajak.at Team. Drei Jahre lang habe ich an der Seite eines großartigen Teams an dieser Webseite gebastelt und für neuen Lesestoff gesorgt. Eine tolle Zeit die mir neben viel Arbeit auch viel Spaß und Freude gemacht hat und die ich keinesfalls missen möchte.Seitenwechsel: Redakteurin Judith sagt hiermit leise Servus!

Da dies mein allerletzter Artikel auf kajak.at ist, möchte ich die Gelegenheit nutzen, um mich für all die netten Userkommentare und Mails der letzten drei Jahre zu bedanken. Nicht selten kamen diese genau zur rechten Zeit, um wieder neu anzupacken und Motivation zu schöpfen, denn oft ist's nicht einfach sich nach einem langen Arbeitstag noch einmal hinzusetzen, um einen Artikel fertig zu machen. Bedanken möchte ich mich auch beim Redaktionsteam – für eure Energie, Unterstützung, Begeisterung und eine richtig gute Zeit!

Haltet die Ohren steif, wir hörn', sehn' und lesen uns! ;)

Text: Judith Prechtl
Link-Tipp: Viele, viele Lieserfotos beim Kajakkasperlhaufen

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Mein Paddel-Tipp

8 Kommentare

  1. TrustedPaddler

    Liebe Judith,

    Im Sommer dieses Jahres bin ich, nach einem Tipp von dir, das erste Mal auf der Lieser gewesen. Dann ein paar Wochen später auch das erste Mal mit dir. Da wusste ich schon, dass deine Arbeit mit uns, an kajak.at bald ein Ende hat. Trotzdem hatten wir ein tolles Wochenende mit der Redaktion an der Salza. Ich hoffe, auch nach deinem „Weg zu neuen Ufern“ wird sich dies nicht verändern und wir werden weiter in solch gutem Kontakt bleiben.

    Bei kajak.at wird und hat sich in den letzten Wochen einiges geändert. Du wirst uns als kreatives, zuverlässiges und arbeitswütiges Redaktionsmitglied fehlen und nicht zu ersetzen sein.

    Ich wünsche dir, erst einmal für deine „Konzentrationszeit“ die nötige Disziplin und Durchhaltekraft mit der du bei kajak.at in den letzten Jahren ans Werk gegangen bist und dann für deine neuen Aufgaben alles, alles Gute.

    Dein nächtlicher Skypekontakt,
    Sebastian

  2. no-avatar

    Liebe Judith,

    das kajak.at Redaktionstreffen an der Salza war fast wie ein Familientreffen für uns.
    Du wirst uns fehlen!

    Für deine neuen Aufgaben wünschen wir dir das Allerbeste!

    Danke für alles Judith, spring gut über die Alpen und bleib wie du bist!

    Maxi und Tommi

  3. TrustedPaddler

    Liebe Judie,

    möcht mich auch ganz herzlich bei dir bedanken!

    Du wirst uns fehlen... keine Judie, ...
    ... die unser Redaktionssystem zum glühen bringt
    ... die uns die "Wadln viere richt" (Waden nach vorne richtet)
    ... die uns auf der Messe von Stand zu Stand treibt
    ... die unsere Programmierer immer wieder zu Höchstleistungen anspornt

    Mädl alles Gute bei der Ski WM und bei deinem nächsten Job.

    GLG Peter

  4. TrustedPaddler

    Hi Schwesta!!!

    Toller letzter kajak.at Artikel!

    Ab Oktober wirst Du dann Deine Feierabendpaddelein mit mir machen... freu mich schon!

    Viel Erfolg bei der Diplomarbeit, weißt eh....sonst kommt der Dad! ;-))

    Lg
    Julia

  5. no-avatar

    Liebe Judith,

    vielen Dank für die vielen Guten Ideen und die Energie die du bei kajak.at eingebracht hast. Aber nicht nur das auch die Förderung junger Talente ist dir am Herzen gelegen. Du weißt schon die zwei dufte Paddler vom Team Blue Star. Durch dich erreichten die Alessi Brüder Kultstatus und für Hamsterkäufe und leere Regale war gesorgt.

    Auch wir wünschen dir alles Gute und freuen uns auf ein Wiedersehen
    Wolfgang und Ilse

    Zum Nachlesen und Schmunzeln kajak.at/79/b9b38bff-4a21-4eb1-8edb-e655522cde56/Zwei_dufte_Paddler.html

  6. TrustedPaddler

    Liebe Judith,

    Ich will dir auch für deine vielen Mühen, Ideen, Anregungen und vorallem für deine viele Zeit, welche du in unsere Redaktion(Wadl'n viere richt'n) und kajak.at investiert hast bedanken.

    Ich wünsche dir für deinen weiteren Weg viel Spass und Erfolg und ich hoffe das sich unsere Wege noch oft kreuzen werden ;-).

    l.g. Alex

    Finde den Weg des Wassers und du wirst den deinen finden, denn das Wasser findet immer seinen Weg.

  7. TrustedPaddler

    Hey Judith!

    Vielen Dank für alles, und ganz besonders was du für kajak. at gemacht hast.
    Ich werde dich vermissen!!!!

    Wünsche dir viel Glück und Erfolg!!!!!

    Liebe Grüsse

    Bernhard Mauracher

  8. Foto

    schade... ich hab deine artikek immer sehr gern gelesen und oft lachen müssen, viel glück bei deim nächsten job und überhaupt:)

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