Mein Paddel-Tipp: Die herbstliche Salza

H-G Luxen, hat einen der großen Paddelflüsse der Alpen zu einer ungewöhnlichen Zeit als Paddel-Tipp parat, die herbstliche Salza und insbesondere die Palfauer Schlucht stehen bei dem Norddeutschen ganz oben auf der Herbstliste.

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Ein Norddeutscher tippt die steierische Salza! Dass das sehr gut gehen kann, zeigt der Paddel-Tipp von H-G Luxen, die herbstliche Salza. Viele werden sich wiederfinden in den Ausführungen des "halbwilden" Kajakfahrers aus Hasenmoor und die Bilder überzeugen vielleicht doch noch so manchen von einer schnellen Tour in der herbstlichen Palfauer Schlucht.

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Annodunnemals! – Animiert durch die alten Flussführer der Herren van Erschel und Kopp (genau: die Bücher in denen nahezu jeder Fels beschrieben war) zog es mich zum erstenmal zur Salza. Es war die Zeit, in der die Bebilderung der meisten Paddelbücher noch schwarz-weiss und ein Wildwasserkajak laminiert war und vier Meter oder mehr maß. Aus der Wanderfahrerfraktion kommend stand natürlich beim Erstenmal nicht der paddlerische oder landschaftliche Genuss im Vordergrund, sondern eher die Anzahl der zu paddelnden Kilometer. So wurde aus meiner Erstfahrt auch ein Salza-Marathon. Morgens in Gußwerk eingestiegen und abends bei der Ennsmündung ausgestiegen. Auch wenn meine paddlerischen Fähigkeiten damals noch nicht ausreichten, um die Landschaft stressfrei zu geniessen, so faszinierte mich dennoch diese unglaublich schöne Symbiose aus Wasser, Fels und Wald gerade im letzten Teilstück der Salza: der Palfauer Schlucht. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen, es war Liebe auf den ersten Blick!Foto links: Herbstliche Umrahmung beim Squirten in der Palfauer Schlucht

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Kurz bevor wir den Stau an der Ennsmündung erreichen wird das Wasser ruhiger, aber die Landschaftsfaszination bleibt

Im Laufe der nächsten Jahre lernte man immer mehr Wildwasserbäche kennen und lieben. Der angepeilte Schwierigkeitsgrad wurde höher und die Ziele immer entfernter und exotischer. Doch alte Liebe rostet nicht und so zog es mich zwischendurch immer mal wieder zurück in das Tal meines ersten Wildwasserabenteuers.

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Nur der Fahrstil und die Boote änderten sich. Alle Neuerungen und Modeerscheinungen musste der Bach über sich ergehen lassen: vom Topo über das Squirtboat, vom Riverboogie zum Spielboot und zurück zum Creeker. Geblieben ist jedoch die Fazination, die der Bach auf mich ausübt.

Da die Anzahl der Bäche, die im Oktober noch eine Wassergarantie bieten nicht mehr so gross ist, wurde die Salza neben der Schweiz eine feste Grösse in meiner Herbstplanung. Besonders die Palfauer Schlucht (zwischen Erzhalden und dem Raftausstieg, oder wahlweise bis zur Ennsmündung )ist fast immer paddelbar und es sind gewiss nicht die Schwierigkeitsgrade, die uns immer wieder anlocken ( im Schnitt WW II-III – bei NW deutlich weniger und bei starkem HW deutlich sportlicher ), sondern der totale Landschaftsgenuss.

Wer schon einmal im Herbst durch die Palfauer Schlucht gepaddelt ist, wenn sich das Laub verfärbt und sich wie ein Flammenmeer über die Konglomeratschlucht ergiesst, die tiefstehende Sonne das Blau des Flusses in gleissendes Gold verwandelt, die fallenden Blätter neben dem Boot treiben und der Geruch von geschlagenem Holz in der Luft liegt, wird dieses Erlebnis garantiert nicht vergessen!


Die Salza in der Flussdatenbank>>Spätsommer 2008, es ist lang her, seit dem ich hier war, aber heuer konnte ich mich dem Bann nicht entziehen

Die Salza kann paddeltechnisch sicherlich nicht mit klassischen Herbstbächen wie Ötz und Lütschine mithalten, aber die großartige Landschaftskulisse im herbstlichen Salzatal ist ein unvergleichliches Erlebnis und daher mein Tipp für den Oktober!

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Seit circa 30 Jahren ist H-G Luxen paddelabhängig. Mit 16 jahren im Faltboot auf der heimischen Ruhr fing alles an. Später widmete er sich mehr dem Wilwasserfahren im gesamten europäischen Raum, sowie in entfernteren Gebieten wie: USA, Costa Rica, Neuseeland, Dominica...Als Mitglied der Halbwilden Kanufahrer Norddeutschlands lehrte er dem DKV das fürchten, inzwischen schreibt er auch schonmal für die Verbandsnachrichten. "Mittlerweile schätze ich jedoch den Facettenreichtum des Kanufahrens und habe neben dem ww-Fahren auch die Reize des Seekajakfahrens und des Candierpaddelns für mich entdeckt". Gerade der Canadier ermöglicht es es H-G immer wieder schöne Touren mit der ganzen Familie zu unternehmen, "so dass meine Frau und meine kleine Tochter trotz der Paddelsucht nicht zu kurz kommen".

Jetzt, wo sich das Jahr so ganz langsam dem Ende zu bewegt startet im Norden wieder die spannenste Zeit bis zum April des nächsten Jahres. Wenn die ersten Sturmböen, verbunden mit starken Regenfällen über die Brocky Mountains (Harz) hinwegziehen, beginnt wieder das grosse Zittern, ob die Wasserstände wohl reichen werden – und wenn es dann passt, braucht sich so mancher Creek nicht vor alpinem WW verstecken, und H-G kann nach einem gelungenem Wochenende mit einem Dauergrinsen bei der Arbeit auftrumpfen! Wer ihn also treffen will, muss nur den entsprechenden Regen abpassen und die Einstiegsstellen zu den versteckten Harz Creeks wissen.

Text: Heinz-Georg (H-G) Luxen

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

Mein Paddel-Tipp

1 Kommentar

  1. no-avatar

    Während Sie diesen schönen Salzabericht lesen, arbeiten die Kraftwerksbetreiber Pläne für 300 (!) neue Wasserkraftwerke aus! Das ist das Aus für unsere letzten wunderschönen Flüsse und hat unglaubliche Auswirkungen auf Umwelt, Tiere und uns Menschen.

    Außer wir tun was!

    Petition für Flüsse voller Leben unterzeichnen - JETZT ->

    www.fluesse-voller-leben.at

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