Erlebnis Una Regatta 2009

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Una Bosanska Krupa

Quelle: Moses

Wiedersehen mit der Una

Im „Flussführer über Jugoslawien“ schreibt Mustafa Ziric im Jahre 1973 über die Una: „Einer der schönsten jugoslawischen Flüsse. Den Namen gaben ihm die alten Römer und er heisst in der Übersetzung „die Einzige“.“ Einzigartig ist sie wirklich, das Paradebeispiel eines Karstflusses. Ganzjährig gespeist aus zwei starken Quellen durchströmt sie Nordbosnien Richtung Save, durchquert tiefe Schluchten und weite Ebenen über 200 km mit smaragdgrünem Wasser.
Vor 30 Jahren führte unsere erste Balkantour hier in Bihac vorbei; bis zum Jahr 1987 erlebten wir dann auch mit Hans Matz Fluss, Land und Leute von der schönsten Seite. Als Matz sein Buch „Wildwasserfahrten in Jugoslawien“ im Jahr 1989 fertig stellte, blieb gerade noch ein Jahr bis zur Katastrophe des Krieges. Die Frontlinien zwischen den Kampftruppen des zerfallenden Jugoslawiens konzentrierten sich gerade entlang der Una, innerhalb von 4 Jahren wurden 80 % der Häuser zerschossen, furchtbare Gräueltaten begangen und letztlich auch Landminen verstreut.
Nur wenige Freunde hatten ein Bedürfnis, dieses Land wieder zu sehen. Einige jedoch konnten bereits wieder über Neretva, Una und Vrbas berichten; und eine Einladung zur „37. Internationalen Una-Regatta“ brach auch meinen Widerstand.

Una Kulen Vakuf

Quelle: Moses

Seit etwa 1965 findet diese Traditionsveranstaltung statt, unterbrochen nur sechs Jahre durch den Krieg. Ursprünglich eine Kajakregatta der Vereine, bei der aber auch schwere Zillen die Stromschnellen bewältigten, hat sich die Veranstaltung seit 2002 zu einem der größten Raftingtreffen Europas gewandelt. Die kommerziellen Anbieter rund um Bihac können über 100 Schlauchboote auf´s Wasser bringen, aber auch Kajakfahrer sind gerne gesehen. Im Mittelpunkt steht nach wie vor die durchgehende Befahrung der Una von Kulen Vakuf 3 Tage bis Bosanska Krupa (110 km), heuer erstmals wieder 5 Tage bis Kostajnica (180 km).
Montag, 20.7.2009 - am alten Fußballplatz des Dörfchen Kulen Vakuf sammeln sich die Teilnehmer, so auch wir beiden Garser, betreut vom Exilbosnier Sandi aus Berlin, der an der Una bei Bosanska Krupa einen schönen Campingplatz führt (www.unacamping.de ). Sein Angebot auf eine Woche „all inclusive“ haben wir gerne angenommen und nicht bereut (wer es billiger haben möchte, kann aber auch direkt beim Veranstalter der Regatta buchen - www.tzusk.net ). Gespannt beobachten wir die Szene - zunächst wird die Bühne mit Starkstrom versorgt! Eine Zeltstadt wächst heran, und erste Beschallungsversuche beseitigen jeden Zweifel - heavy metal ist angesagt! Immerhin werden wir als internationale Teilnehmer begrüßt, vom Landesfernsehen interviewt und erhalten die Startnummern Eins und Zwei. Die folgende Eröffnungsparty sprengt dann den Rahmen vergleichbarer tschechischer Events, obwohl die bosnischen Musiker durchaus (auch ohne Megawatt-Verstärkung) hörenswert sind.
Einzelheiten überspringend (Hauptsponsor Brauerei Bihac, immer kaltes Bier…), folgt der Start morgens um 13 Uhr. Nur 17 km sind zu paddeln, wenige Abfälle, lange Staustrecken in schöner Schlucht. Unmittelbar vor dem 20 m Wasserfall „Strbacki Buk“ ist in der Wildnis das nächste Camp errichtet. Wir paddeln noch zum linken Ufer, um den grandiosen Fall im Abendlicht zu sehen, doch ein Polizist weist uns ab – „hrvatske hranice“ – die kroatische Grenze verläuft hier einige Kilometer in Flussmitte, kein Zutritt! Dabei wird für den geplanten Nationalpark sogar die alte Eisenbahn wieder restauriert, die mehrfach die Landesgrenze wechselt.

Una Strbacki Buk

Quelle: Moses

Um 9 Uhr beginnt die Umtragung des Falles, für Rafts auf einfache Art - die Boote segeln in die Tiefe! Unten ist gute Security aufgebaut, die auch uns Kajakfahrer gut betreuen. Dank Niederwasser (Pegel Kostajnica 40 cm) können wir auch durchaus kneifen, sonst sind auf 4 km durchaus längere Abfälle mit WW III-IV zu bewältigen, bei HW auch darüber. Die herrliche Schlucht von Loskun endet nach etwa 9 km, es folgen lange Staustrecken, gebildet durch Travertinterassen, die bei Ripac eine Höhe von 7 m erreichen. Irgendwie haben es die Veranstalter geschafft, auch einige Außenborder durch die Schlucht zu befördern, jetzt kommt ihre Stunde - die Rafts bilden einen Bandwurm von gut 10 Booten und lassen sich schleppen, eine sportliche Glanzleistung. Dazu kommt die „geniale“ Idee, gratis Hupen zu verteilen, damit ja keine Sentimentalität aufkommt. Mein Kommentar dazu ist bereits der bosnischen Regierung bekannt.
Nach 9 Stunden Fahrt über 35 km bei glühender Hitze erreichen wir Bihac, von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Der Zeltplatz liegt auf einer Insel in Ortsmitte, Gelegenheit um die Stadt zu besichtigen. Eine moderne Fußgängerzone mit fröhlichen jungen Menschen, schöne Restaurants am Flussufer, kaum Hinweise auf die Kriegsereignisse!
Am Folgetag kneifen wir 12 km, erst ab dem Kraftwerk Kostela beginnt die Una wieder zu strömen, hier beginnt die lohnende untere Schluchtstrecke. Der Karstfluss bildet selbst seine Hindernisse, zwischen die er flott verwirbelt durchrauscht (WW II). Wie am Vortag gibt es eine Mittelstation mit Verpflegung, auch eine junge Tanzgruppe in bosnischen Trachten spielt auf. 33 km sind es bis zu unserem Campingplatz, wieder lange 7 Stunden. Wir haben viele nette Menschen kennen gelernt, Urgestein Hassan in der Zille, der Serbe aus Novi Sad im Schlauchkajak, das er mit öffentlichen Verkehrsmitteln hertransportiert hat, viele Exilbosnier aus ganz Europa und letztlich die lebhafte Bevölkerung, die stets am Ufer oder im Wasser anzutreffen war.
Nach einem Rasttag, bei dem wir im reizenden Städtchen Otoka nachmals die Regatta treffen, reisen wir heimwärts, nur 300 km bis zur Grenze bei Bad Radkersburg!

Una Bosanska Krupa

Quelle: Moses

Zusammenfassung:
Die Regatta selbst ist ideal zum kennen lernen, jedoch anstrengend für Individualisten. Ideal eignet sich der nette Campingplatz für eine 2-3 Tagestour von Kostela bis Otoka, ganzjährig auch mit Schlauchbooten wie Grabner oder Gumotex Palava gut befahrbar. Die Grenzübergänge nach Bosnien sind kein Problem, und die regionalen Einheiten (Republik Srpska) sind nur an einigen zweisprachigen (kyrillischen) Ortstafeln zu erkennen. Wer einmal in den Tiefen der grünen Una die Fische beobachtet hat, kommt gerne wieder!

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