Auszeit: Paddeln auf Madagaskar I

Madagaskar als Paddel-Destination ist noch sehr unerschlossen. Trotzdem hat sich Florian Primetzhofer die afrikanische Insel als Startpunkt seiner Auszeit gewählt. Auf geht's!

Auszeit: Paddeln auf Madagaskar I

Florian Primetzhofer nimmt sich eine Auszeit und was macht ein Paddler so in einer Auszeit - natürlich Paddeln. Erster Stopp des Österreichers die afrikanische Insel Madagaskar - Kajaktechnisch ziemlich unbeschrieben, trotzdem findet die Gruppe Wildwasser, wie aus einer anderen Welt.

Norwegen kenne ich nach acht Kajakurlauben bereits zur Genüge, die Alpen sind Mitte Juli bis Mitte September größtenteils trocken und in den Rocky Mountains ist im letzten Winter wenig Schnee gefallen - Wo soll es also hingehen zum Paddeln?

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Quelle: Florian Primetzhofer

Der Wunsch etwas ganz Neues zu erforschen, bewog mich auf die Suche nach Kajakneuland zu begeben. Während eines gemütlichen Floats auf der Enns machte mich Chris, ein Freund, der 2009 mit dem Fahrrad Madagaskar bereiste, auf die Insel im Indischen Ozean und deren mögliches Kajakpotential aufmerksam. Seine mitgebrachten Bilder, die sehr spärlichen Infos aus dem Netz und die Fakten: viertgrößte Insel der Welt, dünne Besiedelung und Erhebungen bis knapp 2900m, überzeugten mich schnell, dass diese Destination eine Reise wert ist. Ein paar Telefonate und drei weitere Gleichgesinnte waren gefunden: Kristof, Alex und Chris machten das Team komplett. Unsere Google Earth Studien ließen bei uns schnell die Vermutung aufkommen, dass fast alle Bäche Multidaytrips sind und Ein- bzw. Ausstiege schwer bis sehr schwer zu erreichen sein werden. Unsere Internetrecherche führte uns außerdem zu Gilles Gaoutiers, einem Franzosen, der die einzige Raftcompany auf Madagaskar leitet. Gill half uns in weitere Folge bei den Vorbereitungen und bestätigte unsere Annahmen über Ein- und Ausstiege und die Länge der Flüsse. In einer Mail meinte er: „If you come here for kayaking in the dry season you’ re going to paddle the big rivers and so be prepared to camp under the stars every night.“ Um auf der Insel unabhängig zu sein, verschifften wir noch einen alten 4WD von Antwerpen aus.

Am 16.07.2012 war es dann so weit und Alex, Kris und ich flogen von Wien über Paris, wo wir noch den anderen Chris trafen, nach Antanarivo, die Hauptstadt Madagaskars.

Da das Gepäcksförderband nicht funktionierte, wurden all die Koffer und Taschen per Hand weiter gereicht. Nur als unsere Kajaks an die Reihe kamen stockte die Schlange, da jedes um die 37kg wog.

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Quelle: Primetzhofer Florian

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Quelle: Florian Primetzhofer

Zweieinhalb Stunden nach unserer Ankunft konnten wir dann aber endlich mit all unserem Gepäck in ein Taxi steigen und in einem Hotel einchecken. Die folgenden Tage verbrachten wir mit weiteren Vorbereitungen, trafen uns mit Gilles, erfuhren, dass unser Auto noch nicht angekommen war und bekamen der Reihe nach Durchfall oder mehr.Unsere Wahl für den ersten Bach viel auf den Ikopa nordwestlich von Tana. Per Taxi, einem Toyota Lightace vollgepackt mit Menschen, brachte uns die 200 Kilometer zum Einstieg. Sechs Stunden benötigten wir. An einer Brücke eines Nebenbaches begannen wir unter den staunenden Blicken zahlreicher Locals mit dem Beladen der Boote.Der Weg zum Ikopa erwieß sich als sehr mühsam, da wir auf Grund des seichten Wassers unsere Kajaks immer wieder ziehen mussten. Ein paar wenige Rapids konnten uns aber doch erfreuen. Leider bekam Alex’ Boot einen Riss und wir mussten gleich mal unseren Tape-Vorrat anreißen. Als wir am Ende des ersten Tages unseren Fluss, den Ikopa, noch immer nicht erreicht hatten und plötzlich wieder die Straße auftauchte, wussten wir, dass wir an der falschen Brücke eingestiegen sind. 1:1 500 000 Karten sind eben doch nicht das Wahre.Am zweiten Tag standen wir nach langem und anstrengendem Flachwasserpaddeln an der Kante der Mündungsfälle zum Ikopa. Ein, zwei Slides konnten wir paddeln, aber der Rest stand außer Diskussion und musste umtragen werden. Eine schweißtreibende Angelegenheit mit 37-Kilo-Kajaks.

 

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Der Anblick der Fälle entschädigte uns und die Hoffnung auf tolles Wildwasser ließ uns flott weiterpaddeln. Nach einigen wuchtigen Schwällen, der Fluß war inzwischen auf etwa 150cm3 angeschwollen, schlugen wir auf einer Sandbank unser zweites Lager auf.

Die folgenden Tage am Ikopa waren gewürzt mit wuchtigen Rapids, sehr netten Locals aber auch langen Flachwasserpassagen. Eines Tages, als sich der Hunger wieder bemerkbar machte, wurden wir auf Reis und Huhn in einer Bambushütte eingeladen.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Nach fünf Nächten wurden unsere Vorräte knapp und wir mussten entscheiden, ob wir bei der nächsten Möglichkeit zur Straße tragen oder doch bis zum geplanten Ausstieg paddeln wollten. Natürlich paddelten wir nach einer Nacht auf einer Insel weiter und es war eindeutig die richtige Entscheidung. Vorbei ging es an Goldwäschern, die auf das große Glück hoffen. Plötzlich grub sich der Fluss ein und stundenlang folgte Rapid auf Rapid. Vieles fahrbar, einiges auf der Chickenline fahrbar und manches definitiv unfahrbar. Irre Wasserfälle mussten umtragen werden und am Abend, als wir bereits mit einer weiteren Nacht am Fluss rechneten, erreichten wir, nach einem netten Schwall, überraschend Flachwasser und damit den Ausstieg. Wir stärkten uns mit Reis und Huhn, um dann gestärkt und glücklich ein letztes Mal am Strand des Ikopas in unsere Schlafsäcke zu kriechen. Die erste österreichische Befahrung war geglückt.

In den nächsten Tagen fuhren wir mit Sack und Pack nach Finarantsoa. Von dort aus paddelten wir über vier Tag den Matsiatar. Was wir dort fanden ist schnell zusammengefasst: Flachwasser, Krokodile, ein paar Rapids, nochmal Flachwasser und am Ausstieg ein „Hotel“, das so grindig war, dass wir das Zelt am Bett aufstellten.

Die Rückfahrt nach Fina brachte noch eine steckengebliebene Bremse, die aber kurzer Hand ausgebaut wurde. Wer braucht schon eine Bremse, wenn es noch drei weitere gebremste Reifen gibt. In Fina beschlossen wir, uns an unsere geplante Erstbefahrung zu wagen. Wir wählten den Matatana aus.

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Quelle: Florian Primetzhofer

Der zweite Teil folgt in den nächsten Tagen....

Text: Florian Primetzhofer | auszeit.at

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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