Descent of Upper Amazonas - Teil III

Eine beschwerliche Anfahrt bringt die Crew letzten Endes zur Laguna, dem Startpunkt der Befahrung. Und die Mission wird erfolgreich: Nils Dippon, Pirmin Dlugosch, Flo Fischer und Sepp Cetinköprülü befahren die ersten 150km des Amazonas!

Descent of Upper Amazonas - Teil III

Absolute Verzweiflung und totale Erschöpfung spiegeln sich in unseren Gesichtern …
Der gesamte Bach verschwindet unter einem riesigen Felssturz - keine Möglichkeit die Fahrt mit dem Kajak fortzusetzen. Anfangs sind wir noch motiviert, unsere Boote den ersten hohen Absatz mit einem Flaschenzug aufzuseilen. Doch das gesamte Ausmaß der Blockade ist kaum erkennbar und es kommen Zweifel auf, ob es denn Sinn macht die Fahrt fortzuführen.
Wie wird es weiter gehen?

Doch von Anfang an: Unser Local und Ansprechpartner Alonso hat für unsere Expedition an den Oberlauf des Amazonas ein Auto organisiert. Was vor dem Haus steht, ist ein Taxi vom Typ "Toyota Probox". Ein geräumiges Fahrzeug mit Platz für vier Personen samt Gepäck. Nur was die Geländegängigkeit betrifft, sind wir etwas skeptisch. Dennoch machen wir uns auf den Weg Richtung Norden zur Laguna Lauricocha.

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

Insgesamt 56 Stunden dauert die Fahrt von Cusco an die Laguna Lauricocha, unserem Ausgangspunkt für die Befahrung des Rio Lauricocha. Nach 21 Polizeikontrollen und unzähligen Kilometern Dirtroad finden wir uns in dem kleinen Indianerdorf Yanahuanca wieder, wo wir ein letztes Mal in den Genuss einer Polleria kommen. Gegrilltes Hühnchen mit Pommes, Suppe und Salat für umgerechnet gerade mal drei Euro. Nach einem kurzen Einkauf der wichtigsten Lebensmittel für sieben Tage geht es weiter in Richtung Laguna Lauricocha. Die Straßenkarte gibt uns einen kleinen Hinweis auf den Zustand der Straße: Die bisher wirklich schlechten Straßen waren weiß eingezeichnet. Die jetzt vor uns liegende ist etwa halb so dick und grau. Auch die Abzweigung auf diese Straße ist nur nach mehrmaligem Nachfragen zu finden. Eine dünne, steile Lehmstraße, gerade so breit wie ein Auto, schlängelt sich zwischen Häusern hinauf in die Hochebenen der Cordillera Raura - eine Straße, die in unseren Straßenkarten eingetragen ist, in den topographischen Militärkarten ist hingegen nur ein Fußweg verzeichnet.Bild oben: Die Crew mit Local Alonso in Cusco.

Nach anfänglicher Skepsis, ob wir die Straße ohne Allrad bewältigen können, zeigt der Toyota Probox, wie geländegängig auch ein einfaches Straßenfahrzeug sein kann. Voller Motivation lassen wir uns viel Zeit, um zu filmen, zu fotografieren und um einfach die einmalige Landschaft zu genießen. Es sind ja laut Karte nur noch etwa zehn Kilometer. Unsere Freude schlägt bald in erneute Skepsis um, als uns ein entgegenkommender Geländewagen versichert, dass wir auf den folgenden Kilometern ohne Allrad keine Chance hätten. Desweiteren lägen wohl noch etwa 30 Kilometer vor uns, für welche schon der Geländewagen drei bis fünf Stunden benötigen würde. Wir sind ratlos!

Nichtsdestotrotz wären die letzten 50 Stunden Fahrt umsonst gewesen, wenn wir es nicht wenigstens versuchen würden. Im Schneckentempo geht es also über extreme Steigungen, über hohe Steine und durch tiefe Schlammbäder. Bis zu einem Punkt, wo wir die Laguna erwartet hatten. Später sollte sich herausstellen, dass wir noch weit entfernt waren. Erneut diskutierten wir über unsere Optionen. Weiterfahren oder aufgeben und umdrehen? Das Auto ist längst an den Grenzen seiner Geländegängigkeit angelangt. Wir sind mit den Nerven am Ende. Ein letztes Mal entscheiden wir uns, die Fahrt fortzusetzen. Sollten neue Probleme auftauchen, werden wir den Rückzug antreten.

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

Nachtlager auf 4720 Meter über Null.Mit Einheimischen an der Laguna.

Ein kleiner Ort mit fünf Häusern markiert eine enorme Verbesserung des Straßenzustandes. Wir befinden uns noch immer auf einer Dirtroad, nun jedoch mit Straßenschildern, weniger Schlaglöchern und befestigtem Bankett.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit geht es auf dieser Straße weiter, auf 4500 Meter Meereshöhe schlagen wir schließlich unser Nachtlager auf. Nach einer kalten, regenreichen Nacht erreichen wir am nächsten Morgen nach nur 45 Minuten Fahrt das erste Ziel. Wir stehen an der Laguna Lauricocha auf über 3800 Meter Höhe.

Hier werden wir noch heute unsere Kajakexpedition starten. Das Wetter ist bewölkt, aber trocken. Und der Ausfluss aus dem See führt genügend Wasser, um mit dem Kajak befahren zu werden.

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

An diesem Ort wollte bereits Herbert Rittlinger vor 76 Jahren sein Faltboot zu Wasser lassen, musste aufgrund des zu geringen Wasserstandes jedoch umdisponieren. Nun werden wir hier unsere Boote einsetzen. Essen für drei Tage, Kocher, Wasserfilter, Kameras und allerhand persönliche Gegenstände bringen das Gewicht der Boote auf etwa 40 Kilo. Nach einer herzlichen Verabschiedung der einheimischen Quechuas verlassen wir die Laguna Lauricocha als erste Menschen auf dem Wasserweg, um den Oberlauf des wasserreichsten Flusses der Erde zu befahren - den Amazonas. Durch fantastische Berglandschaft schlängelt sich der Fluss zunächst durch die Hochebenen der Cordillera Raura. Auf leichtem Wildwasser im II. und III. Schwierigkeitsgrad genießen wir die atemberaubende Kulisse.

 

Galerie: Descent of Upper Amazonas - Teil III

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

Ein großer Siphon, der für etwa zehn Meter den gesamten Bach verschwinden lässt, markiert einen Anstieg der Schwierigkeiten. Auf den folgenden Kilometern wechselt sich Wildwasser III-IV mit häufigen Stellen um IV+ ab. Eine weitere Umtrage ist nötig, als der Bach plötzlich nur noch die Hälfte der Wassermenge führt und kurz darauf für 200 Meter komplett unter einem Steinmeer verschwindet. Bis wir die Stadt Cauri erreichen verändert sich der Flusscharakter nur wenig, das Wetter jedoch gewaltig. Starker Regen, Gewitter und Gegenwind erschweren die Weiterfahrt und zehren an den Kräften. In Cauri angekommen endet unsere Erstbefahrung der ersten 30 Kilometer des Rio Lauricocha.

Bild rechts: Dieser Siphon markiert den Beginn der Schwierigkeiten.

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

Der Start auf dem Rio Maranon gestaltet sich sehr einfach. Viele Stellen im III. Schwierigkeitsgrad begleiten uns die ersten fünf Kilometer, bis uns ein großer Felsblock an der Weiterfahrt hindert. "Das scheint der Siphon zu sein, von dem die Einheimischen sprechen". Nach dem Aufbau eines geeigneten Flaschenzugs seilen wir unsere Boote auf den gigantischen Felsblock hinauf. Doch erst als wir oben angekommen sind, überblicken wir die gesamte Blockade und verstehen nun die eindringlichen Warnungen der Einheimischen. Wir stehen direkt im eingangs erwähnten Felssturz, welcher den Bach für etwa einen Kilometer lang unter sich begräbt. Wir zweifeln daran, ob es Sinn macht Mensch und Material über die Blöcke zu schinden. Oder mit den Booten fünf Kilometer weit zurück zur Straße? Wir entscheiden uns für die erste Möglichkeit, räumen das gesamte Gepäck aus den Booten, um alles einzeln zu tragen. Das ist in diesem Gelände erheblich einfacher, als die voll beladenen Boote über die Felsen zu wuchten. Sechs Stunden später entscheiden wir uns kurz vor dem Ende der Umtrage, unser Camp aufzuschlagen. Völlig erschöpft und froh das meiste geschafft zu haben, kochen wir noch Nudeln mit Thunfisch und legen uns sehr bald schlafen.

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Quelle: Nils Dippon / Sepp Cetinköprülü

Am nächsten Tag warten noch viele Kilometer Wildwasser auf uns. Der Plan war, die 50 Kilometer in zwei Tagen zu befahren. Das Steilstück, welches unter dem Felssturz begraben ist, war in den Karten erkennbar. Hier erhofften wir uns interessantes und schweres Wildwasser. Dem war leider nicht so. Desweiteren vermuten wir die Höhle, in der Rittlinger einst Material deponiert hatte, um sein Boot zu erleichtern, unter den Felsen begraben. Dass wir gerademal sechs Kilometer am ersten Tag schaffen, damit hatten wir nicht gerechnet. Den gestrigen Tag noch in den Knochen, tragen wir unsere Boote eine weitere gute Stunde zum Fluss, um unsere Fahrt auf dem Rio Maranon fortzusetzen.Bild links: Am Anfang der sechstündigen Umtrage ...

Gute 45 Kilometer liegen nun noch vor uns. Unseren topographischen Militärkarten zufolge erwarten uns nur noch wenige Höhenmeter auf dieser langen Strecke.
Dieser Höhenunterschied macht sich auch auf dem Bach bemerkbar. Die 45 Kilometer Wildwasser im II. und III. Grad werden von nur wenigen Einzelstellen im IV. Grad unterbrochen. Ein kurzer, ein Kilometer langer Canyon mit WW IV+ erfreut unsere Paddlerherzen nochmals, bevor es auf nahezu Flachwasser bis zur Mündung des Rio Vizcara weiter geht. Hier, in der Nähe der Ortschaft Pachas beenden wir unsere Fahrt und sind glücklich, die Expedition "Oberster Amazonas" erfolgreich zu Ende gebracht zu haben.
Ähnlich wie zwei Tage zuvor kostet das Nachholen unseres Autos weitere sechs Stunden. Um 22 Uhr machen wir uns danach auf den Weg über Lima zurück nach Cusco, wo wir 36 Stunden und sieben Polizeikontrollen später glücklich ankommen.
Am selben Tag noch sichten und sortieren wir unser Videomaterial und freuen uns, nach der langen Autofahrt wieder in der Horizontalen zu schlafen.

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1 Kommentar

  1. Descent of Upper Amazonas - Teil III
    Wolf Steinwendtnervor 7 Jahren

    Vor mir liegt ein Artikel von Raimund Margreiter mit dem Titel: Mit Kajak, Seil und Ski in die peruanischen Anden, Untertitel : Erstbefahrung des Amazonas Oberlaufes, aus dem Jahre 1972
    Einsatz Rio Nupe, den er im Gegensatz zum Rio Lauricocha als Quellfluß des Amazona bezeichnet, Aussatz: Bellavista
    Wieder einmal die Frage, Erstbefahrung ? Der Österreicher Margreiter war jedenfalls schon vor 41 Jahren dort unterwegs. Noch dazu allein, nur mit Landbegleitung.

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