Following the Summer “Russland”

David und Sveta sind unterwegs - und das nicht mal ebend so, sondern ein ganzes Jahr auf den Spuren des Sommers. Jetzt der etwas verspätete Sommerbericht aus dem Altay.

Following the Summer “Russland”

Wir sind bereits seit sieben Monaten auf Achse. Wir waren in Nepal, Indonesien und Neuseeland, welche für mich unbekannte Länder waren und eigentlich noch sind: voller Geheimnisse und Wunder!

Unser nächstes Ziel wird Russland sein. Da meine geliebte Frau aus diesem Land stammt, war ich schon desöfteren dort, jedoch noch nie zum Paddeln. Dieser Besuch sollte anders werden: Zwei volle Wochen wollen wir in der Altairegion Bootfahren.

Artikel Following the Summer “Russland” Krismayr

Quelle: David Krismayr

Als wir am Flughafen in Nowosibirsk landen und die ersten Atemzüge machen, spüre ich, wie die kalte Luft in der Luftröhre brennt und meine Lungenflügel aktiviert – ein angenehmes Kribbeln setzt sich im ganzen Koerper fort. Bilder von einem perfekten Schwung mit dem Snowboard im meterhohem Tiefschnee blitzen mir durch den Kopf. Mir wird bewusst, dass dies das erste Jahr in meinem Leben sein würde ohne Schnee unter meinen Füßen. Und mir wird auch klar, dass wir die kurzen Paddelklamotten erst gar nicht auspacken brauchen. Meine Frau beeindruckt das Ganze nur wenig. Sie sagt lediglich :” Добро пожаловать домой” was bedeutet: ''Willkommen Zuhause''.Nach einer Woche in Nowosibirsk, einigen Familienbesuchen und der Bewältigung organisatorischer Aufgaben machen wir uns auf den Weg in den Altai. Unser Ziel liegt etwa 770 Kilometer entfernt nahe der mongolischen Grenze. Auf unserem Weg muüssen wir noch die geliehenen Boote einsammeln, ansonsten rollen die Räder elf Stunden ohne Unterbrechung: eine Sightseeing-Tour per Auto durch die ländliche Gegend Russlands. Die Autofahrt vergeht im Flug. Ich bin gespannt auf das Wildwasser, welches mir meine Frau zeigen würde.

Artikel Following the Summer “Russland” Altay

Quelle: David Krismayr

Wir erreichen unser Ziel, den Ausstieg der unteren Majoyschlucht, um Mitternacht. Das Zelt ist schnell aufgestellt (Übung macht den Meister!) und nach einem warmen Tee kuscheln wir uns schon in die warmen Schlafsäcke um am nächsten Tag fit für den Chuya zu sein.

Als ich am nächsten Morgen den Reißverschluss des Zelts öffne, finden wir uns umrahmt von einer herrlichen Kulisse. Die Berge sind noch leicht mit Schnee bedeckt, der Himmel ist blau, die Sonne strahlt uns ins Gesicht und die Luft ist klar und rein – das schönste Frühlingserwachen. Ich bin erstaunt, wie viele Wildwasserliebhaber sich auf diesem Schlafplatz aufhalten. Ich entdecke Rafts, Katamarane, Luftboote à la Outside und natürlich jede Menge Kajaks.

Ich hatte immer gedacht, dass es im Altai nur eine Handvoll Paddler geben würde. Nun werde ich eines Besseren belehrt.

Artikel Following the Summer “Russland” Altay

Quelle: David Krismayr

Der Grund, weshalb sich die Kanugemeinde am Chuya sammelt, ist, dass nirgendwo im Altai die Ein- und Ausstiege so gut zugänglich sind wie hier. Das Frühstück fällt üppig aus. Die Boote werden rasch gefittet und der gemütliche Morgen wandelt sich zu einem bewegten Tag. Der Großteil der Paddler macht sich auf zum Einstieg, so auch wir. Wir rutschen über die Böschung ins Wasser und setzen die ersten Paddelschläge in russischem Wildwasser. Es ist genauso nass wie in anderen Ländern auch, jedoch liegen hier die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Warme Paddelpfötchen wären jetzt ganz angenehm.Die Majoyschlucht lässt sich in zwei Abschnitte teilen. Der obere Teil ist ca. 14 Kilometer lang und bietet nach kurzem Warmpaddeln Wildwasser der Extraklasse. Es gibt ständig etwas zu tun. Die Schwierigkeit liegen meist um WW 3+, einige Stellen erreichen 4+. Wenn man einen Vergleich in den Alpen sucht, findet man ihn wohl am ehesten in den oberen und unteren Abschnitten der Mittleren Ötz.

Der untere Teil ist um einiges steiler, auch die Wasserwucht ist deutlich größer. Die richtigen Linien gilt es zu treffen, ansonsten steht ungewolltes Rodeo auf dem Programm. Walzen und Rücklaufe erreichen die Grösse von Kleinbussen.

Unser genialer Begleiter Vasiliy Chesnokov und das Flowgefühl ließen die Zeit auf dem Fluss mit 11 Katarakten und WW 5 im Drop'n'Pool-Stil wie im Flug vergehen. Am Ausstieg angekommen bemerken wir erst, dass wir volle vier Stunden auf dem Wasser waren. Lagerfeuer, Tee und Essen! Der Austausch von Paddelanekdoten dauert bis spät in die Nacht . Der nächste Tag startet mit einem sehr ausgedehnten Frühstück, so dass wir erst gegen 14 Uhr am Einstieg für den unteren Abschnitt der Majoyschlucht ankommen.

Die warmen Nacht- und Tagestemperaturen haben für einen deutlichen Anstieg des Wasserstands gesorgt. Die Schwierigkeiten der ohnehin anspruchsvollen Strecke steigern sich nochmals. Das Adrenalin jagt durchs Blut, beschleunigt den Herzschlag. Ein Besichtigen ist nicht mehr möglich, obwohl die Stromschnellen durch den höheren Wasserstand kaum wiederzuerkennen sind.

Letztendlich waren die Linien zwar alle gleich, aber die Dimensionen waren ungleich eindrucksvoller als am Vortag. «WOW, das war mal ein Megaritt!!!».

Artikel Following the Summer “Russland” Altay

Quelle: David Krismayr

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Quelle: Krismayr David

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Quelle: David Krismayr

Da die Wasserstände ständig weiter steigen, beschließen wir den kommenden Tag am Oberen Bashkaus zu verbringen. Der Bashkaus liegt "nur" zweieinhalb Stunden entfernt und ist bekannt durch seine Multiday-Section. Diese ist jedoch erst nach der Schneeschmelze machbar, da ansonsten der Wasserstand zu hoch ist. Die Anfahrt führt uns über Schotterstraßen auf einen Pass, von dem wir die Weite Sibiriens nur erahnen können. Der Fluss selbst bietet uns eine wunderschöne Schlucht im oberen dritten Schwierigkeitsgrad. Das teefarbene Schmelzwasser stürzt über frisch getaute Fälle in den Fluss, umspielt Lawinenkegel und riesige Eisschollen. Der nächste Tag führt uns in die Höhen der Aktru-Berge. Wir arbeiten uns zum Basislager des Aktru vor, einem 4100 m hohen Gletscher. Der Weg dorthin ist nicht einfach zu finden. Die Straßen führen über ewige Feldwege die sich immer wieder teilen. Wir parken das Auto am Fuß der Berge. Der Wanderweg führt uns drei Stunden entlang einer russischen Forststraße. Für mich ist es unvorstellbar wie auf dieser Straße irgendwelche Fahrzeuge fahren können. Es ist lediglich eine Schneise in den Wald geschlagen, die von großen Steinen und übrigebliebenen Baumstumpen durchsetzt ist. Svetlana hat mir das so erklärt: «Wir in Russland bauen keine Straßen, sondern Autos». Auf dem Weg zurück ist es mir vergönnt so eine Fahrt in einem 6WD am eigenen Leib mitzuerleben.

Artikel Following the Summer “Russland” Altay

Quelle: David Krismayr

Den Tag lassen wir mit einem Besuch in der Banja (eine extreme heiße russische Sauna, in der man mit einer Birkenrute angenehm gegeiselt wird) ausklingen.

Die Temperaturen sinken in der Nacht unter den Gefrierpunkt und wir staunen am nächsten Morgen nicht schlecht als das gesamte Camp mit Schnee bedeckt ist. Per Handy loggen wir uns ins Internet ein, um die Wettervorhersage einzusehen. Diese ist mit Temperaturen zwischen -5 und null Grad in der nächsten Woche nicht gerade rosig, woraufhin wir beschließen, unsere Zelte abzubauen und zurück nach Nowosibirsk zu fahren.

Das Kajaken, die Natur und die Möglichkeiten im Altai sind wirklich ein Hammer und ich kann jedem nur empfehlen, sich die Ecke mal selbst anzusehen. Wir kommen bestimmt wieder!

Text: David Krismayr
mehr: krismayr.com

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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