Paddeln unterm Halbmond – ein Roadtrip durch die Türkei

Deutsches Leben in Kisten verpackt - Motor gestartet! Scheuer und Salome sind seit April auf ihrem Roadtrip durch den Osten unterwegs. Nach Griechenland, Albanien und Mazedonien stand im Mai die Gegend um Antalya auf dem Programm der Beiden und ihrer Kanuschule Toros Outdoors.

Türkei Scheuer

Jobs gekündigt, Wohnung aufgelöst, Bus ausgebaut – Christoph Scheuermann und Salome Fritz haben Anfang April ihr deutsches Leben in Kisten verstaut und den Motor gestartet. Seit gut zwei Monaten reisen die beiden durch den Balkan und die Türkei. Mit dabei sind ein Dach voll Kajaks und das Tourprogramm von Toros Outdoors. Scheuer erzählt wie es die letzten Wochen lief im Taurus.

9. Mai, Passkontrolle an der griechisch-türkischen Grenze bei Ipsala: Banges Warten und ein hoffnungsvoller Blick auf den Einreisestempel – yippieh, drei Monate Touristenvisum und sechs Monate Aufenthalt fürs Auto. Die legalen Hürden für die nächsten Paddelmonate sind überwunden. Mehr als einen Monat sind wir bereits durch den Balkan gereist. Zunächst mit der Fähre von Venedig nach Patras, dann zwei Wochen First-Class-Wildwasser auf dem Peloponnes, in Pindos und Epirus. Volle Bäche satt, aber leider auch viele, viele Liter Regenwasser.

Im Anschluss begleiteten uns drei Freunde aus Prag zwei Wochen durch Albanien und Makedonien, eine abenteuerliche Erstbefahrung mit unfreiwilliger Übernachtung am Devoll inklusive. Nun – endlich die erste Moschee vor Augen, können wir es kaum erwarten, die Flüsse im Taurus zu erkunden.

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Quelle: Christoph Scheuermann

In der letzten Dekade habe ich achtmal das Land bereist, meist mit dem Kajak und guten Freunden. Ungezählte Paddeltage, einige Erstbefahrungen und immer wieder die genialen Runs auf den Klassikern rund um Antalya – auch dieses Jahr starten wir unsere Tour im westlichen Taurus. Doch zunächst Ernüchterung: ergiebiger Regen, (zu) volle Bäche, herbstliche Temperaturen im Hochgebirge. Nach einem tollen Tag am Karpuz Cayi, der um diese Jahreszeit normalerweise längst kein Wasser mehr führt, weichen wir zum obersten Köprü Cayi aus. Hier, zwei Fahrstunden nördlich der Raftingstrecke, finden wir tolles Wildwasser in bisher wohl kaum gepaddelten Schluchten. Leider fehlt es an der erfahrenen Crew, um sich mit den Klammen und wuchtigen Schwällen zu messen.Foto links: Im Gänsemarsch durch die Core Section des Karpuz.

 

Galerie: Paddeln unterm Halbmond – ein Roadtrip durch die Türkei

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22. Mai, Flughafen Antalya: Mein Freund Gregor aus Wien schleift mit freudigem Grinsen seine Mamba durchs Arrival-Gate. Wir packen das Boot zu all den anderen Kajaks aufs Dach und fahren direkt zur Alara. Uns bleiben drei Tage, um die letzten Vorbereitungen zur Toros-Outdoors-Kurswoche zu treffen. Ergänzt um den Bank Support von Salome und Fahrer Mehmet Ali werden Gregor und ich die sechs Teilnehmer zu den schönsten Perlen des Taurus führen, Camporganisation und Technikschulung inklusive.

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Quelle: Christoph Scheuermann

Foto: Happy Faces am Gevne Cayi, dem wohl schönsten Fluss der Tour.Da sich die naturbelassenen Schluchten jedoch mit jedem Jahr und jedem Wasserstand ändern, wollen wir die wichtigsten Strecken vorab scouten. Wie befürchtet empfängt uns die Alara mit einer dicken Portion Schmelzwasser, ergänzt um etwa die selbe Mange Regenwasser. Unterhalb des Ucansu-Wasserfalls wälzen sich 60 Kubik Richtung Meer. In bestem Sanna-Stil spült uns das graublaue Wasser im Expresstempo Richtung Ausstieg. Die Kernstelle, sonst ein starker Dreier, lässt selbst in der Chickenline das Adrenalin pumpen. Rock'n'Roll!Die große Alaraschlucht hingegen ist im unteren Teil fast schon zugelaufen. Nur drei markante Wuchtwasserrapids (WW 4+) lockern das sonst schnell strömende, aber glatte Wasser auf. Die Entscheidung steht schnell: Das Kursprogramm wird größtenteils auf den Vorgebirgsbächen Kargi und Karpuz Cayi sowie auf Köprü Cayi und Gevne stattfinden.28. Mai, Feierabendbier am Kargi-Ausstieg: Yeah, was für ein Tag! Zehn Kilometer völlig unberührtes Pool'n'Drop-Wildwasser in einem dschungelartig überwachsenen Tal, nur 15 Kilometer von der Küste bei Alanya. Die Muskeln sind müde, die Kehlen durstig. Beinahe fünf Stunden haben wir uns Zeit genommen für die unablässige Folge von Blockkatarakten, niedrigen Rutschen und steilen Schwällen. Die Gruppe hat sich als sehr homogen und hochmotiviert erwiesen. Es ist erst der dritte Kurstag, aber ich sehne schon den Pausentag herbei. Die Freude steht den Jungs, und auch Gregor und mir, ins Gesicht geschrieben. Es ist einfach großartig, wenn alles harmoniert und der Bach im perfekten Maß fordert. Morgen wollen wir die obere Alara und ihren Seitenbach Köprülü Dere anpacken.

29. Mai, am Ufer des Köprülü Dere, drei Kilometer Luftline vom Ucansu-Wasserfall: Frank und Bernhard ziehen ihr Boot am Rand des Katarakts stromauf über die Steine, während Klaus zum dritten Versuch startet. Ich kauere am rechten Ufer mit der Videokamera, während Gregor den Jungs letzte Instruktionen zuruft. Schon eine Viertelstunde feilen wir am perfekten Boof.

Der Creek, bei ausgewachsenem Pegel im März ein harter Vierer, läuft zwar "nur" mit drei Kubik, ist aber der ideale Spot für ausführliche Technikschulung. Die Katarakte sind dennoch so steil und schnell, dass wir heute Vormittag in reduzierter Besatzung unterwegs sind. Arno, Johannes und der zweite Bernhard steigen später zur oberen Alara zu. Sechs Meter Anlauf, exaktes Timing, ein Schlag links, und dann ... bäääm, der Monster-Boogschlag rechts: Klaus fliegt über den Rücklauf und wie geplant haarscharf am unteren Stein vorbei ins ablaufende Wasser. Mission erfüllt! Der nächste bitte.

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Quelle: Christoph Scheuermann

31. Mai, Lagerfeuer des 1000-Sterne-Hotels am Gevne Cay: Frank klimpert auf Salomes Gitarre, Gregor, Bernhard und ich philosphieren über den Sinn des Lebens. Die anderen starren mit verklärtem Blick ins Lagerfeuer.

Vier Stunden rasantes Wildwasser in einem der abgeschiedensten Täler der Region liegen hinter uns. Wuchtige Wavetrains mit fordernden Kehrwassertraversen, vorsichtige Surfs im schiebenden Strom und immer wieder lässiges Treibenlassen vor der grandiosen Landschaft der schneeedeckten Zweieinhalbtausender. Am Vortag hatten wir einen direkten Weg von der oberen Alara zum Gevne entdeckt, die Abkürzung ersparte uns nicht nur drei Stunden Fahrt zur hektischen Küste, sondern führte uns auch zur wunderbaren Almlandschaft der Gökbel Yaylasi. Im Winter monatelang unerreichbar, entfliehen die Küstenbewohner zwischen Mai und September der brütenden Hitze und leben auf 1800 Meter in einem temporären Dorf mit aller nötigen Infrastruktur.

Morgen wollen wir den unteren Gevne mit seinem grandiosen Canyon angreifen. Noch einen Tacken wuchtiger soll's werden, die Schwälle enger und steiler, die Landschaft rauer und wilder.



Foto: Boof chicken, boof

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Quelle: Frank Ziegler

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Quelle: Salome Fritz

9. Juni, Medraft-Camp am Köprü Cayi: Eine Woche ist vergangen seit dem Pfingst-Kurs, wir haben ein paar Tage am Klettercamp JoSiTo in Geyikbayiri entspannt, dem Mekka für winterflüchtende Kletterfreaks. Nun sind wir zurück am Basecamp unserer Raftfreunde. Zusammen mit Salome und Serkan boote ich zum Feierabendrun am Köprü ein. Das Wasser ist endlich gesunken, fast schon klar und tiefblau. Um vierzig Zentimeter ist der Pegel niedriger seit der Fahrt am letzten Kurstag. Die Schwälle sind strukturierter, aber nicht weniger wuchtig. Vier, ganz unterschiedliche Wellen warten auf dem Weg zum Camp.

Die Frühjahrspaddelsaison im westlichen Taurus ist für uns vorbei. Serkan wird die nächsten Wochen nach Slowenien zum Raftguiden fliegen, Gregor misst sich schon wieder auf dem Board mit den Atlantikwellen der spanischen Costa Verde, Salome und ich werden am Abend packen, um langsam Richtung Osten weiterzutingeln.

Bis zum Coruh-Camp Mitte Juli wollen wir Munzur, Pülümür und den Rivergod Euphrat genauer erkunden. Ende Juni landen unsere Freunde aus Krakau für zwei Wochen Wildwasserabenteuer im Kackar und Georgien. Es gefällt uns sehr gut im Osten, wir holen Erkundigungen ein wegen eines Residence Permits für den Winter. Doch im August steht erstmal Georgien auf der Agenda. Die Camps für September sind in Planung ...Foto oben:Totale Landschaft am Gevne.Foto links: Yeah, Meilensurf mal sechs! Surf's up auf der Dallas-Welle des Köprü Cayi.

Mehr Infos zum Roadtrip von Scheuer und Salome, allerlei Reise- und Paddeltipps in der Türkei und im Kaukasus sowie alle Infos zu den Wildwassercamps von Toros Outdoors findet ihr auf www.toros-outdoors.de. Weitere Fotos zur Türkei-Tour 2012 gibt's auf der Facebook-Seite von Toros Outdoors. => Hier Link dahinter: facebook.com

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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