Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der Götter

Nach knapp einem Dutzend Trips in den Balkan und nach Anatolien hat sich Christoph Scheuermann 2012 von den Vorzügen griechischer Wildfüsse überzeugen lassen. Es hat gefallen. So gut, dass dieses Frühjahr sogleich die Wiederholung folgte. Einen ganzen Monat lang.

Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der Götter
Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Fähre

Quelle: Christoph Scheuermann

Ostern 2012 präsentierte sich uns die wilde Natur Griechenlands als überaus fein angerichtetes Hors d'Oeuvre. Dieses Jahr wollen wir des Paddlers Glück erst recht herausfordern. Nahezu der gesamte Monat April soll im Zeichen griechischen Kajakvergnügens stehen. Im Rahmen meiner Kajakschule Toros Outdoors hatte ich zwei Wildwassercamps ausgeschrieben, an deren Ende knapp 20 Paddeltage in Hellas stehen würden.Wie die meisten westeuropäischen Kajaktouristen wählen auch wir die Fähre ab Ancona, um ins Herzen Südgriechenlands, nach Patras, zu gelangen. Das nicht allzu üppige, doch immer noch weiche Zeitpolster federt einen läppischen Zwischenfall während des Einschiffens in Italien ab: Hatten wir doch glatt die Zeitumstellung übersehen und so lässt uns Minoan Lines mit Blick auf die Heckwelle des Schiffs am Hafenkai stehen. Doch kein Ding, die hübsch rausgeputzte Altstadt Anconas ist keine Zeitverschwendung und ein paar Espressi mehr haben auch noch keinem geschadet. Die Fähren von Ancona fahren zum Glück ja täglich ...Zwei Tage später treffen wir am Flughafen Athen nicht nur unsere aus den verschiedensten Ecken Deutschlands eingeflogenen Teilnehmer, sondern auch den zweiten Guide Sebastian sowie Nikos Manthos von Via Natura. Ganz nebenbei: Mit Nikos unterwegs zu sein, ist der Jackpot überhaupt. Nicht nur scheucht er seinen Ford Transit samt Kajakhänger über alle möglichen und unmöglichen Schotterstraßen. Nikos wird uns auch zur Seite stehen bei allen Fragen rund um Logistik, Lagerplatz, Land und Leuten.Foto links: Wenn man fürs Zuspätkommen auch noch mit Sonnendeck bedient wird - gerne wieder!

Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Karpensiotis

Quelle: Christoph Scheuermann

Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Proussos

Quelle: Christoph Scheuermann

Vier volle Paddeltage widmen wir den grün-blauen Wildflüssen des Peloponnes. Sowohl Lousios und Alfios, als auch der Erymanthos empfangen uns mit reichlich Wasser. Während sich auf dem Alfios die letzten zehn Kilometer nach dem »Mahlzahn« im Vorjahr merklich in die Länge zogen, bleibt der Fluss mit seinen wuchtigen Schwällen bis zum Ende spannend. An einem Tag paddeln wir satte 22 km bis in die breite Schotterebene unterhalb Matesi, wo wir direkt am Camp aussetzen. Am Erymanthos beschränken wir uns auf den »Matz-Canyon«. Die endlosen Konglomeratklammen sind bei soviel Wasser ziemlich spannend, das Kernstück scouten wir zunächst auf etwa 800 m vom Ufer. Ein verklemmter Baum, wie er uns 2012 in der Kernstelle erschien, wächst sich bei soviel Wasser schnell zur Katastrophe aus.

Der traumhaft gelegene, aber für die Autos eher mühsame Zeltplatz an der Furt von Vidiaki dient uns zwei Tage als perfektes Basislager. Nicht nur, dass wir im Ort zur ausgiebigen Schnappsverkostung geladen werden. Zu den Tsipporo-Schwaden gesellt sich am nächsten Morgen eine feine, bräunliche Partina auf den aufgehängten Paddelklamotten: Eine hier nicht unübliche Wetterlage segnet uns mit staubtrockener Luft und warmem Sahara-Wind.

 

Galerie: Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land der Götter

Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland Galerie Griechenland so richtig lang – April 2013 im Land de Griechenland
Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Scheuermann

Quelle: Christoph Scheuermann

Ein auf den Wüstenwind folgendes feuchtes Intermezzo bestätigt uns in der Entscheidung nach Norden zu fahren. In den komfortablen Holzbungalows des Raft-Camps am Evinos sitzen wir den Regen aus. Die Niederschläge treiben die ohnehin schon hohen Pegel des Evinos-Stromgebiets weiter nach oben.

Kaum hat die Sonne den Kampf gegen die Wolken gewonnen, werden wir am Fidakia und Kotsalou für das Ausharren belohnt.

Die zentrale Klamm des Fidakia wird bei knapp zehn Kubik zum wuchtig-schnellen Guide Run und auch der Unterlauf verblüfft uns, vor allem aber Bernhard, der die erste Paddelwoche des Jahres sogleich mit einem eher ruppigen Schwumm startet. Ja, ja, Wildwasser-Bewertungen sind so objektiv – es war ja bloß ein Dreier ...
Wenn Fahrten ins Blaue immer so schön begännen – der Kotsalou.

Der Kotsalou ist für uns eine Fahrt ins Blaue. Weder Nikos, ich, noch die Locals vom Raft-Camp kennen den im DKV-Führer beschriebenen Seitenbach des Evinos. Ein wenig misstrauisch sind wir schon, schließlich erwähnt Bettingers Paddler-Bibel den Fluss mit keinem Wort. Wir vertrauen auf unseren Riecher und das schlagkräftige Team. Bis zum Raft-Camp wollen wir paddeln, der Shuttle von dort dauert geschmeidige eineinhalb Stunden. Endlich auf dem Wasser werden wir nicht enttäuscht. Der Kotsalou entpuppt sich als landschaftlich richtig schöne Schussfahrt im schwachen dritten Grad. Nach zwei Stunden sind wir am Evinos, bis zum Camp bleiben uns 15 wuchtige Kilometer.

Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Krikellopotamos

Quelle: Christoph Scheuermann

Durch diese Gasse muss sie kommen - so endet der markante Boulderschwall im oberen Teil des Krikello.

Unbestrittener Höhepunkt der Tour ist aber ohne Frage der Krikellopotamos. Hatten wir am Vorabend noch Sorge, dass der Wasserstand für unser Team an der oberen Grenze liegen könnte, präsentierten sich die ersten Schwälle eher wenig wuchtig. Wo kommt denn dann bloß das ganze Wasser am Ausstieg her? Wer den Krikello nicht kennt, ist auf den ersten zehn Kilometern fast ein wenig enttäuscht.

Zu monumental ist der Ruf, der diesem Flüsschen vorauseilt. Doch zunächst nur Kiesbankschrubbeln und lästige Äste. Die ersten Klammen geben einen Vorgeschmack auf das was kommt. Wach werden wir im langen Boulder-Katarakt, der auch sogleich das erste Opfer fordert. Das Ende des Schwalles ist halbwegs wuchtig, vor allem, da das Hauptwasser seit diesem Jahr durch einen kaum bootsbreiten Schlitz presst. Das Los des Crash-Test-Dummies fällt auf Salome: Der Schlitz lässt sich vorzüglich schwimmen! Den folgenden hässlich-verrammelten Blockverhau umtragen wir rasch, dann taucht sie auch schon auf vor uns – die famose »Riesentreppe« des Krikellopotamos.

Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Krikellopotamos

Quelle: Christoph Scheuermann

Sie markiert etwa die Streckenhälfte, gilt als schwerste Stelle des Flusses und stellt den Point of no Return dar. Wer in die folgenden Klamm einpaddelt, tut gut daran bis zum Ende durchzuhalten. Doch zunächst das Riesending – alles andere als ein Treppenwitz. Auf halber Strecke biegt der halbe Fluss nämlich kurzerhand nach rechts in die Steine, nein unter die Steine ab. Ein veritabler Siphon, mit immerhin knapp fünf Kubik gut im Saft. Wir setzen nach der Brotzeit zum Umtragen an, die letzten 30 Meter sind nun im rechten Arm ohnehin Zwangspassage. Nachdem sich alle wohlbehalten dem dunklen Schlund des Krikello anvertraut haben, geht der Spaß erst richtig los. Endlose Klammen, teilweise auf einer Seite begehbar, oft sind die Kiesbänke unter Wasser. Für eine genaue Inspektion watet der Scout schon mal bis zum Hosenbund durchs Wasser. Mittlerweile ist uns auch klar, wo das Wasser am Ausstieg – konservativ geschätzte 15 Kubik – herkommt. Die Quellen im Zentralteil der Schlucht sprudeln was das Zeug hält. Und natürlich die Schleierfälle: der Regen der vergangenen Tage macht aus den bemossten Rinnsalen kraftvolle Power-Duschen. Sebastian bringt das Schauspiel auf den Punkt: »Zum Weinen schön!«Zwischen all die Hochgefühle mischt sich aber auch Anspannung. Die finale Klamm mit wuchtig-verwalzter Anfahrt steht uns noch bevor. Am Kupferfall setzen wir aus, schauen uns das Spektakel an. Offene Münder weichen ersten Befahrungstheorien. Doch alle Theorie ist grau, nur wer wagt gewinnt. Oder doch nicht? Die letzten fünf Stunden haben Spuren hinterlassen. Wir umtragen den Eingangswalzer geschlossen und booten im winzigen Kehrwasser direkt am Klammbeginn ein. Auch das ist noch sportlich. Über die halbe Breite steht ein veritabler Koffer. Wer schwimmt, kommt vor dem Ausgang nicht ins Boot.Foto links: Ziel aller feuchten Träume - die SChleierfälle des Krikello.

Artikel Griechenland so richtig lang – Paddeln im Land der G Stockfisch

Quelle: Christoph Scheuermann

Psychologisch nicht gerade vorteilhaft, wird ausgerechnet unser Vorfahrer aus Bahn und Boot geworfen. Hilft nichts, die ersten fünf wie ausgemacht hinterher. Zum Glück scheint auch um halb sechs die Sonne noch freundlich in die Schlucht. Keine der Wände saugt an Schwimmer oder Boot. Und so ist auch der zweiten Teamhälfte noch ein nasser Abgang vergönnt.

Tja, und wer jetzt glaubt, das sei's gewesen – die letzten fünf Kilometer des Krikello können sich richtig lang ziehen. Eine verblockten Viererstelle und einem halben Dutzend satter Dreier inklusive. Nikos, der auf dem Rückweg vom Einstieg nicht nur frische Forellen besorgt, sondern auch gleich das Feuerholz gestapelt hat, fragt auch schon, ob wir uns die Fische beim Schluchtenbiwak selbst angeln wollen.

Nein, wollen wir nicht. Der Krikello braucht schonmal knapp sieben Stunden, kurze Pausen sowie Praxis im Retten und Bergen eingeschlossen. Kaum brutzeln die Fische, sind alle Mühen vergessen. Der Ruhetag im Anschluss ist dennoch ausgemachte Sache.

Und dann? Ganz gemütlich lassen wir das Camp auf dem Venetikos ausklingen. Von dort sind's ja nur zweieinhalb Stunden bis zum Flughafen Thessalonikki.

Text: Christoph Scheuermann | www.toros-outdoors.de

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Ausgebildeter Physiker, Redakteur, Herr über Tausend Zeilen Code auf 4-Paddlers.com und spätberufener zugereister Paddler aus Augsburg.

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