Kalt & Feucht – Kajakfahren in Norwegen

Was? Du fährst nach Norwegen? Das da oben? Wie viele Tausend Kilometer sind das? Zehntausend? Das ist doch voll kalt dort oben, oder? Fragen solcher Art wurden einigen unserer 11-Personen-Gruppe gestellt, als die Freunde von unseren Plänen erfuhren, im Sommer nach Norwegen zum Paddeln zu fahren. Nun ja. Wir ließen uns nicht von unserem Vorhaben abbringen.

Kalt & Feucht – Kajakfahren in Norwegen

Es war circa viel zu früh, als Karl an meine Autoscheibe klopfte.
 Wir warteten gerade in Sassnitz in Norddeutschland auf die Fähre, welche uns nach Trelleborg in Schweden bringen sollte.
Von Wien sind es ungefähr zehn Autostunden nach Sassnitz. Jedoch auch nur dann, wenn man am Bleifuß-Syndrom leidet.
Nach der Fährüberfahrt erwarteten uns weitere sechs Stunden Autofahrt nach Oslo, wo wir unseren ersten gravierenden Kulturschock erlitten: Ein Bier 15 Euro??? Uff, das werden lange drei Wochen.

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Quelle: stefan tertsch

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Foto: Scouten am Abschnitt Aumot der Sjoa.Foto: Ein ganz gewöhnlich wunderschöner Lagerplatz in Norwegen.

Als sich unsere Gruppe am nächsten Morgen in Sjoa, weitere 500 Kilometer nördlich von Oslo wiederfand, konnten es alle kaum erwarten, sich in den noch »wohlriechenden« Neopren zu stürzen und dem ersten Bach, in unserem Fall der Sjoa, den nassen Kampf anzusagen.

Die ersten Tage verbrachten wir an diesem, einem der bekanntesten Flüsse Norwegens, wo wir etliche Abschnitte paddelten. Auch eine der schwierigsten Strecken mit dem Namen Aumot, meisterte der Großteil unserer Gruppe ohne Probleme. Immerhin ist dieser Abschnitt im DKV-Führer mit WW V beschrieben.

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Quelle: stefan tertsch

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Foto: Robin Schneemeyer in Aumot, Sjoa.Foto: Zwischenstopp in Lom.

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Quelle: Tertsch Stefan

Weiter ging es ins Tal der Otta.Unser erster Bach hier war der Ostri, welchen man am besten als »Bitte-nicht-schwimmen-kein-Kehrwasser-Bobbahn-mit-Höhenmeter-Bach« beschreiben kann – und das auf etwa WW IV.
 Hier zeigte sich dann doch, wer schon das Jahr über viel Zeit im Boot verbracht hatte. Eine Vielzahl an Schwimmern, eine leichte Gehirnerschütterung und etliche Bootsbergungen später waren wir froh, dass doch alle irgendwie heil am Ausstieg saßen. 
Am nächsten Tag fuhren wir den Ostri nochmal :)



Bild rechts: Der Einstieg des Ostri.

Einigen Stufen und Höhenmeter hatten wir ja schon am Tacho, aber das reichte uns noch nicht. Also auf zur nächsten Tat, dem Polfoss-Run der Otta. Der Bach war nicht schlecht. Schöne Seen und tolle Umgebung wechselten sich mit steilen Katarakten und Wasserfällen ab.
Ich übertrieb es mit meiner Freude ein wenig, und schnell fand ich mich außerhalb meines Bootes, einen Felsen in Flussmitte umklammernd, wieder. Gut, dass ich nicht zu übersehen war. Mein Paddel fanden wir leider nicht mehr, das wird noch heute im darauffolgenden Siphon schwimmen, denke ich.

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Foto: Scouten am Polfoss Run der Otta.Foto: Reini Schmid legt vor am Polfoss Run.

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Foto: Stefan Tertsch auf der Otta (Polfoss Run).Foto: Stefan Tertsch auf der Bövra.

Die Zeit verging, und nach einigen Bächen wie Bövra und Valldola kam dann mit Abstand das paddeltechnische Highlight unserer Reise: die Rauma. Der DKV-Führer beschreibt den Bach als (zusammengefasst) Selbstmord und unfahrbar. Jens Klatt und Olaf Obsommer in ihrem Führer als »Super-drüber-nochmal-Bach«. 
Nun, was stimmt jetzt? Für mich eindeutig zweiteres, obwohl ich auch so einige Stellen lieber umtragen hätte sollen.

Der Höhepunkt dieses Flusses ist ein Wasserfall mit dem Namen »Little Huka Falls«. Als unsere Gruppe zur Abrisskante vorkletterte, schieden sich die Geister. Umtragen? Boofen? Melten? Ich entschied mich kurzfristig für einen Vorwärts-Überschlag mit Paddel in den Bauch hauen und anschließendem Schwimmen, was mit Abstand die schlechteste Variante war.

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Foto: Robin Schneemeyer am »Little Huka Falls«.Foto: Franziska Hesser auf der Rauma.

Doch das konnten wir nicht auf uns sitzen lassen. 
Am nächsten Tag starteten wir zu einem neuen Rauma-Run, und diesmal lief bis auf einen Schönheitsfehler in einem Fünfer-Katarakt alles gut. Markus machte es sich zur Aufgabe, jede Stelle mindestens drei Mal zu befahren, was auf einem Fünfer-Bach eine gewaltige Leistung ist. Auch Dominik meisterte - nach dem Umtragen am Vortag - seinen ersten Wasserfall perfekt, und einige von uns booften weiter und flacher, als man es für möglich gehalten hatte. Ein wirklich perfekter Tag an der Rauma.

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Foto: Stefan Tertsch auf der Rauma.Foto: Markus Zila auf der Rauma.

Tage und Bäche vergingen, der mitgebrachte Biervorrat war schon seit geraumer Zeit vernichtet, und auch der Neopren war geruchstechnisch an seine Grenzen gelangt.

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Foto: Nice, nice, nice – eines der zahlreichen Fjorde.Foto: Dicke Fische, frisch gefangen.

Am Ende unserer Reise fanden wir uns an der Sjoa wieder. 
Es war um einiges mehr Wasser als beim ersten Besuch. Also entschieden wir uns für den leichten Teil, welchen wir bereits zu Beginn unserer Tour gepaddelt waren und kannten. Wir dachten, wir würden ihn kennen, doch bei doppelt soviel Wasser hatte der Bach einen völlig anderen Charakter und selbst unsere besten Fahrer kamen schnell an ihr Limit. 
Der Bach bot uns Wuchtwasser der Extraklasse im 4. bis 5. Schwierigkeitsbereich und das auf einer Länge von 14 Kilometern. 
Kummerbrücke bei 150m³ war gegen das hier ein Bach zum Entspannen.
 Gut, dass wir schon alle sehr gut eingefahren waren. Sonst hätte es durchaus böse ausgehen können, da links und rechts 50 Meter hohe Felswände einen Notausstieg nicht gerade erleichtert hätten.

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Foto: Robin Schneemeyer am Jori.Foto: Markus Zila am Jori.

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Foto: Entspannen am Lagerfeuer.Und dann war es da, das von allen gefürchtete Ende unser dreiwöchigen Tour. Nach einem kurzen Kulturstopp in Oslo und der Komplettvernichtung des Reise-Budgets durch den Kauf von Snüs in Schweden, der Fährüberfahrt nach Deutschland und dem Austesten, wie schnell ein VW T5 auf der deutschen Autobahn überhaupt geht, freuten wir uns alle schon sehr auf Zuhause.
Norwegen, du wirst uns wiedersehen! Dann jedoch mit mehr Bier und noch mehr Höhenmetern unter der Bootskante. Text: Stefan TertschFotos: Reini Schmid, Markus ZilaFür alle, die noch nicht genug haben, hier ein paar Videos von unserer Norwegen-Tour:
No way to norway auf youtubeWW Kajak Norwegen 2013 auf vimeoKarl Lippert wird am 19. März 2014 seinen Film in der Zwinglikirche in Wien-West vorführen.

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1 Kommentar

  1. TrustedPaddler

    Sehr witzig und anschaulich geschrieben, lest sich flink wie ein Wuchtwasser ;)

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