Kein Kraftwerk an der Sanna – Kommt zum Riverfest am 5. Juli!

Seit einigen Wochen dräut es düster über Tirol: An der Sanna ist ein Kraftwerk geplant, das den beliebten Kajak- und Raftingfluss zu einem Rinnsal verkümmern ließe. Am 5. Juli demonstieren die Paddler beim Sanna Riverfest in Landeck für den Erhalt des Gebirgsbachs.

Kein Kraftwerk an der Sanna – Kommt zum Riverfest am 5. Juli!
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Quelle: Schomann Micha

Zur Zeit laufen die Verhandlungen über den Bau eines Laufwasserkraftwerks an der Sanna. Hierzu soll der Fluss direkt am Ursprung unterhalb des bestehenden Kraftwerks abgeleitet werden. Das Wasser würde direkt in den Inn bei Zams geleitet. Die Ableitung soll bis zu 25 Kubik fassen, das Restwasser beträgt minimal 2,8 Kubik. Die Kajaksaison würde sich um 70 % verkürzen, ein guter Wasserstand von 35 Kubik gar nur an vier halben Tagen erreicht werden. Die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks ist umstritten. Weitere Informationen zum Projekt findet ihr auf den Seiten der Betreibergesellschaft. Andere, sehr lesenswerte Aspekte werden von den Kraftwerksgegnern auf beleuchtet.Tirols Paddler und Rafter zeigen, dass ihnen die Sanna am Herzen liegt und laden am 5. Juli zum Sanna Riverfest. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Sport Camp Tirol (Mühlkanal, Landeck). Um 15 Uhr startet die Massenabfahrt am Einstieg beim Kraftwerk. Im Anschluss folgt die Ansprache der Initiatoren sowie die Party. Eine Tombola mit dicken Preisen sorgt für glückliche Gewinner.
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Facebook Gruppe: Save the Sanna

Petition zum Schutz der Sanna

Email fürs Riverfest: info@sportcamptirol.at Die Sanna ist nicht der einzige von Kraftwerken bedrohte Fluss in Tirol. Ein halbes Dutzend Großprojekte wird bis zum Jahr 2024 das Wasser von Inn und Ötztaler Ache auf praktisch allen für den Kajaksport relevanten Strecken ausleiten. Einen Überblick über die Situation gibt eine Reportage in Kanu Magazin 4/2014. Das Heft ist ab dem 18. Juni im Zeitschriftenhandel erhältlich. Am 28. Juni eine stille Protestfahrt durch das Stadtzentrum von Innsbruck statt. Mehr Info hierzu auf www.raftsafari.blogspot.com.Foto: Im Pianser Schwall bei Niedrigwasser.

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Quelle: Sanna Riverfest Veranstalter

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Quelle: micha schomann

Foto: Im Pianser Schwall bei Hochwasser.Im Folgenden noch ein paar Gedanken des Redakteurs: Die Sanna verdankt ihren Ruf unter Paddlern nicht der schönen Uferlandschaft, einer im tiefen Grün versteckten Felsenklamm oder etwa bizarren Felsskulpturen. Auch die Wasserfarbe kann nicht mit einer Soca oder Verzasca standhalten. Die Sanna ist kein Kleinod vor wilder Kulisse, allenfalls ein rauschendes Band Flussnatur am Rande der Bezirksstadt Landeck. Einem wachsenden Pilz gleich hat sich die Stadt über die Jahrzehnte immer weiter das Pianner Tal hinaufgefressen, die Ufer des Flusses sind zuvorderst geformt um die Hochwässer störungsfrei Richtung Inn abzuführen. Und nun soll ihr der Hahn zugedreht werden, der Sanna. Ihr Wasser gleich am Kraftwerk Wiesberg, wo Trisanna und Rosanna seit Paddlergedenken dem Turbinenschlund entströmen. Nur wenige Meter unterhalb des ursprünglichen Zusammenflusses, wo einem Mahnmal gleich die leeren, sogar des Restwassers beraubten Betten aufeinander treffen.Wäre es eigentlich schade um die Sanna? Schmerzt ihr Verlust uns Wildwasserfahrer eigentlich, wo es in Österreich doch so viele Flüsse mit viel mehr Natur gibt.

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Quelle: micha schomann

Foto: Das Kraftwerk Wiesberg am Zusammenfluss von Rosanna und Trisanna legt auch im Jahr 2014 die Quellflüsse der Sanna praktisch vollständig trocken. Direkt im Anschluss an dieses Kraftwerk soll die neue Ableitung errichtet werden.

Ja, das tut es. Denn die Sanna ist es mehr als ein ein in aufgeschichtete Uferblöcke gezwängte Abflussrinne von Galtür, Ischgl und Sankt Anton. Die Sanna ist für meine Generation die Seele der Tiroler Flusslandschaft. Dieses Attribut gilt nicht dem Pitzbach, der schwer verblockt und steil durchs enge Waldtal schießt. Auch nicht der legendären Ötztaler Ache mit ihren vielfältigen Abschnitten mit hoher bis extremer Schwierigkeit.
Die Seele ist die Sanna …

… weil seit Generationen deutsche Kanuclubs die Region Landeck ansteuern, um sich mit Freude in die Wellen zu werfen, den Pianner Schwall zu überleben (notfalls durch Umtragen) und am Ausstieg ein kühles Helles zu zischen.

… weil kaum ein Fluss Tirols so wassersicher ist und den Paddlern von Mai bis Oktober die ganze Palette (nahezu) natürlicher Pegelschwankungen beschert.

… weil auf keinem Fluss Tirols das Motto »Second Run, double Fun!« wahrer ist.

… sich auf keinem anderen Fluss der Region auf so kurzer Strecke so viele Spielstellen finden. Nicht umsonst widmete das KanuMagazin dem Fluss schon 1997 den ersten Spielbootguide mit genauer Anweisung »how to shred«.

… weil ich mir (und jetzt wird's persönlich) 1997 am Schiefen Eck meinen ersten Vierer erpaddelt habe, nach vergeigter Kehrwasserfahrt doch geschwommen bin und tränenüberströmt um einen zweiten Versuch bat (der mir verwehrt wurde).

… weil das Sport Camp Tirol am Ausstieg noch vor Crazy Eddy's Zeiten der Paddlertreffpunkt Tirols für ganz Europa war (wo trifft man heute überhaupt noch Großbritanniens Paddler?) und Tausende Paddler am Landecker Hausbach den Einstieg ins österreichische Wildwasser fanden.

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Quelle: micha schomann

Foto: Sanna-Local Bijan Arbab im Pianner Schwall bei 10 Kubik. Tirols Paddler wünschen sich, dass solch niedrige Wasserstände auch in Zukunft auf die kalte Jahreszeit beschränkt bleiben und die Sanna zur Schmelze mit ganzer Kraft dem Inn entgegenrauscht.

Ich weiß, manches klingt nach traurigem Geschwätz von vorgestern. Das Schiefe Eck vom Hochwasser radiert, der Campingplatz am Ausstieg ein Opfer steigender Immobilienpreise, und Playboater gibt's heute nur noch in Plattling oder am Eiskanal.Und doch bin ich überzeugt, dass es sich lohnt für diesen Fluss einzustehen. Die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks steht schon heute in Frage. Wie wird der Strommarkt in zehn Jahren aussehen? Ist das Wasser einmal im Rohr, bleibt der Fluss für lange Zeit trocken, oder eben feucht, wie man bei 2,7 Kubik Mindestablass sagen sollte. Ich jedenfalls möchte der nachfolgenden Paddlergeneration noch zeigen können, wo ich »groß geworden« bin.

Wenn euch der Fluss am Herzen liegt, kommt zum Sanna Riverfest am 5. Juli und unterzeichnet die Petition.

Christoph Scheuermann

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TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

3 Kommentare

  1. Foto
    fotografvor 5 Jahren

    Für die Facebook-Generation: Gefällt mir ;-) Sehr treffend auf den Punkt gebracht und schön geschrieben! Also auf zur Sanna!

  2. Foto
    Mag. F. K. Hubervor 5 Jahren

    Sehr gute Artikel!! Bitte Unterstützen!!

  3. TrustedPaddler

    ACHTUNG ACHTUNG - ORDENTLICHE TOMBOLAPREISE - ACHTUNG ACHTUNG

    Kommt alle vorbei, es lohnt sich! Wer mit paddelt kann gewinnen! Preise gibt's von:

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    Also, helft uns zu RETTEN WAS ZU RETTEN IST!

    HEUTE ABEND IN LANDECK

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