Pamen Adventures - Paddel-Praxissemester in Chile

Das Praxissemester in Chile verbringen – es gibt schlimmeres für einen Paddler. Pirmin Duglosch ist zu beneiden. Jedenfalls zeigt das »Schulbankdrücken« Wirkung. Die Zweitbefahrung des Salto de la Puma schnappte er den Bomb Flow Herren mal eben vor der Nase weg. Respekt!

Pamen Adventures - Paddel-Praxissemester in Chile
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Quelle: Dlugosch Pirmin

Chile ist immer eine Reise wert. Ich habe in diesem Jahr das große Glück, gleich einige Monate in diesem wahr gewordenen Paddeltraum zwischen Rutschen, Wasserfällen und beeindruckenden Kombinationen zu verbringen. Doch alleine zu paddeln ist nichts und so freute ich mich in den letzten Wochen über Besuch aus Europa. <br />


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Vor einigen Wochen traf ich mich mit meinen guten Freunden aus Österreich, Peter Hohenwarter und Berni Stahl. Die zwei verbringen insgesamt zwei Monate hier in Chile, insofern ist es für mich die ideale Möglichkeit, aufs Wasser zu kommen. <br />
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Wir trafen uns mal wieder in Pucon und verbrachten einen Tag am Rio Llancahue. Auf dem oberen Abschnitt entdeckten wir eine kleine Perle des Wildwassersports: am Llancahue reihen sich geniale Kombinationen aus Stufen, Rutschen und Wurmkanälen.<br />
Peter im ersten Drop des Llancahue.

Nach diesem ersten Warm-Up-Run packten wir die Sachen und machten uns auf zum Rio Fuy. Noch am selben Tag konnten wir den unteren Abschnitt des berühmten Flusses paddeln. Wunderschöne Landschaft, kristallklares Wasser und eine dickes Wuchtwasser.
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Schon am nächsten Morgen war es uns vergönnt, den oberen Teil zu paddeln: Ein Fluss wie aus dem Paradies. Anfangs sind es schöne Boogiestellen bestehend aus Prallpolstern, Stufen, Löchern und Wellen zum Surfen. Auch beherbergt der Fluss eine Doppelkombi aus Wasserfällen bis zu 7 Metern.

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Quelle: Peter Hohenwarter

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Quelle: Dlugosch Pirmin

Der erste Drop des Fuy.Berni in einem der stets sauberen Fälle.

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Quelle: Dlugosch Pirmin

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Quelle: Dlugosch Pirmin

Peter in der Rutsche.Zwischendurch ist Zeit, die Landschaft zu genießen.

Nach diesem erfolgreichen Tag hörten wir von unseren Schweizer Freunden, dass der Rio Claro möglicherweise noch gehen könnte. Wir mussten nicht lange überlegen, ob wir diese Chance verstreichen lassen oder direkt am Schopfe packen. 20 Minuten später waren die Boote fertig geladen auf dem Dach, die Taschen im Kofferraum und Slaves feat. einer Pissbirne waren auf dem Weg in den weiten Norden.
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Zwölf Stunden Autofahrt inklusive einer Übernachtung am Straßenrand – schon waren wir am berühmten Rio Claro nahe der Stadt Talca. Am nächsten Tag wollten wir zuerst einen Blick auf den Wasserstand werfen. So machten wir uns auf den Weg durchs chilenische Unterholz und versuchten verzweifelt, einen Blick auf die Schneckennudel zu werfen. Dieser blieb uns leider verwehrt und wir wussten nicht, ob der Wasserstand für eine Befahrung ausreicht. Nach drei Stunden dann die Erleuchtung: Peter stellte trocken fest: »Hey Jungs, ich hab im Führer gelesen, dass man auf der linken Seite scouten soll …« Na toll. Auf jeden Fall brauchten wir genau 20 Minuten, um von der linken Uferseite den Fall endlich zu sehen. Wir überlegten lange, ob es nicht zu wenig Wasser sei. Der Fall sieht von oben sehr steil aus und vor allem ist die Gefahr hoch, dass man unten in die rechte Wand reinschießt. Letztendlich waren wir aber so motiviert, dass wir einfach einstiegen.
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Und es sollte sich gelohnt haben. Der Claro fließt durch die verrückteste Schlucht, die ich je gesehen habe. Einmal drin kommt man nicht mehr raus, aber ich glaube auch, dass mal so schnell gar nicht raus will, wenn man es geschafft hat reinzukommen. Ein weiteres Paradies lag vor uns.

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Quelle: Peter Hohenwarter

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Quelle: Dlugosch Pirmin

Pirmin in der »Schnecke«.Berni im Eingang der ersten Rutsche.

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Quelle: Dlugosch Pirmin

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Quelle: Dlugosch Pirmin

Peter in der zweiten Rutsche des Rio Claro.

Direkt nach diesem abartig geilem Wochenende war ich gezwungen, wieder in meine Stadt Concepcíon zum Arbeiten zurückzukehren. Fünf Tage später war es jedoch schon soweit und ich machte mich erneut zur Homebase Pucon auf.
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Angekommen in Pucon, trafen wir die restlichen Mitglieder des Trupps. Mit von der Partie waren Helga, Flipper, Matthias, Michael, Peter, Berni, Basti und meine Wenigkeit. Da wir letztes Wochenende nur einen Tag am Fuy verbringen konnten, einigten wir uns auf diesen Bach nochmal. Wir konnten viermal den oberen Teil des Fuy fahren, inklusive der Whitney-Houston-Gorge, einem ziemlichen Geheimtipp im Tal. Dank Michael Charles, der die Linien bereits kannte, brauchten wir lediglich hinterherzufahren und konnten so die Wasserfälle 100% genießen. In der Schlucht befindet sich ein massiver Rapid, welcher aus zwei dicken Slides besteht, die in einem pulsierenden Sechs-Meter-Fall enden. Obendrein ist nach dem Slide auf der linken Seite noch sehr ekliges Kehrwasser, in dem die Hauptströmung volle Kanne in eine Unterspülung drückt. Peter, Michael und ich waren dennoch motiviert, die Stelle zu paddeln, und alle machten ihre Arbeit sehr gut.

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Quelle: Dlugosch Pirmin

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Quelle: Dlugosch Pirmin

Helga fliegt.Wasserfälle, Wasserfälle, Wasserfälle.

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Quelle: Dlugosch Pirmin

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Quelle: Helga Lehner

Im Wasserfall.

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Quelle: Dlugosch Pirmin

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Quelle: Helga Lehner

Flipper tut, was er liebt: boofen!Rutsche in der Whitney Houston Gorge.

Alles in allem verbrachten wir fünf Bombentage am Fuy mit perfektem Wetter, lustigen Augenblicken und geilem Wildwasser. Peter, Helga und ich konnten auch eine Nachtbefahrung des kompletten oberen Teils bei Vollmond verbuchen.
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Der Tag der Tage war für mich jedoch der letzte des Trips. Mir gelang, woran ich nicht mal einen Gedanken verschwendete, als ich vor drei Monaten in Chile ankam. Ich glaube, jeder Kajakfahrer der sich im fünften Schwierigkeitsgrad bewegt, kennt den Salto del Puma, welcher 2011 von Aniol Serrasolses erstbefahren wurde. Der Puma-Fall ist der massivste und beeindruckendste Wasserfall, den ich je gesehen habe. 35 Meter stürzt der Fluss hinunter und erzeugt einen überaus bedrohlichen Sound. Noch dazu kommt, dass der Wasserstand sehr hoch war, die Anfahrt wird dann extrem sportlich. Auch bildet der Pool auf der rechten Seite ein sehr gefährliches Kehrwasser, aus dem man ohne fremde Hilfe nicht heraus kommt. Ich fühlte mich gut beim Gedanken an eine Befahrung und mental stabil, um einen ernsthaften Blick darauf zu werfen. Nach ca. 30 Minuten Begutachtung hatte ich mich entschieden, die Sache in Angriff zu nehmen. Kameras wurden Position gebracht, Safety von Boot und Ufer organisiert. Nun war es nur noch an mir, die Zweitbefahrung des Salto del Puma zum Erfolg zu führen.

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Quelle: Helga Lehner

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Quelle: Helga Lehner

Scouten am Salto del Puma.<br />
Ein letzter tiefer Atemzug, eine schnelle Eskimorolle um sich an das Wasser zu gewöhnen, und schon befand ich mich in der Strömung oberhalb des Wasserfalls. Die Einfahrt, ein rechter Schlag schiebt mich auf den linken Pilz, letzter linker Schlag welcher mich genau neben den Stein zu meiner Rechten platziert. »Yes, ich bin in der perfekten Ausgangsposition.« Der nächste Schritt begann an der Lippe des Falls. Dieses Gefühl, von 35 Meter Höhe nach unten in einen tosenden Pool zu schauen, kann man keinem beschreiben, der so etwas noch nicht erlebt hat: unglaublich … Ein letzter Schlag um mein Boot in den richtigen Winkel zu bekommen. Ab der Hälfte warf ich mein Paddel weg und deckte mich ein. <br />
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Der Aufprall war nicht so hart, wie gedacht. Jedoch hatte ich nicht damit gerechnet, was dann geschah: Meine Spritzdecke ploppte nicht auf, nein ich wurde durch den Kamin der Spritzdecke aus dem Boot gezogen. Danach zog mich der Wasserdruck tiefer und tiefer. Gefühlte 10 Meter war ich unter Wasser und hatte langsam Probleme mit der Atmung. Als ich auftauchte, realisierte ich, dass ich in das rechte Kehrwasser gedrückt wurde. Dort drehte ich ein paar sehr unangenehme Runden bis mich Peter mit dem Wurfsack an Land zog. <br />

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Quelle: Helga Lehner

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Quelle: Matthias Stöckl

Die Zweitbefahrung des Pumas.

Alles in allem war und bin ich sehr mit meiner Linie zufrieden und habe auch das ganze Material wieder bekommen. An dieser Stelle möchte ich nochmal ein riesiges DANKESCHÖN an meiner Homeboys ausrichten: Danke!!!<br />


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Nach meiner Zweitbefahrung war der andere Teil der Truppe motiviert, den Mittleren Fuy bei Hochwasser in Angriff zu nehmen. Sehr männliche Aktion, welche gut ausging.

Text: Pirmin Dlugosch
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4 Kommentare

  1. TrustedPaddler

    diese befahrung hat spuren hinterlassen

    www.bombflow.com/archives/puma_substantial_media_house

  2. TrustedPaddler
    Monika Dlugoschvor 3 Jahren

    Niemand hat jemals ermessen, wieviel ein Mutterherz aushält...
    Liebe, Angst und Stolz ringen darin um Luft!

  3. TrustedPaddler
    UliAndelvor 3 Jahren

    Hallo Pirmin,

    ich gratuliere dir zu dieser Leistung, der Zweitbefahrung des Pumafalls. Ein toller Erfolg für dich.

    Der Film von EG und seinem Team unterstreicht deine Leistung, der Film verdeutlicht aber auch die nicht-kalkulierbaren Risiken solch extrem hoher und wuchtiger Wasserfallbefahrungen. Solange die Folgen nur Knochenbrüche sind, können wir alle gut damit leben.

    Ich finde es klasse, dass auf dieser Kajakseite deine Mutter zwei interessante Zeilen schreibt, sie möchte uns Kajakfahrer und Risikosportler zum Nachdenken anregen....

    Nochmals Gratulation an dich und ein dickes Kompliment an deine Mama

    Uli Andelfinger

  4. TrustedPaddler
    UliAndelvor 3 Jahren

    Was ich vielleicht erwähnen sollte: Der beeindruckende Film von EG endet mit

    "Mama, this must be my dream!"

    Aber nun melden sich die klugen Mamas.......

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