Spätreife Burgunder - Wildwasser in Zentralfrankreich

Wildwasser im Burgund? Und das noch im November? Gletscherschmelze wird’s wohl keine geben, dafür guten Wein. Der Spaß auf dem Bach wird sich in Grenzen halten, mehr als WW II wird das Hügelland des Morvan nicht hergeben. Wenigstens leckeres Essen dürfte zu erwarten sein, bei Europas Chef-Kulinarikern. Nun ja, meine Herbstpaddelreise ins Burgund begann mit gemischten Gefühlen.

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Artikel Spätreife Burgunder – Wildwasser in Zentralfrankreic Cure

Quelle: Peter Ettlin

Vier Stunden Autofahrt standen vor der Ankunft im Morvan, einem nördlich dem Zentralmassiv vorgelagerten Granitgebirge. Dichte Mischwälder und Heideflächen prägen die wenig besiedelte Region. Mit 901 Meter Höhe bildet der Mont Haut-Folin die höchste Erhebung. Doch in den tief eingeschnittenen Tälern verstecken sich interessante Flussetappen, Stauseeablässe sorgen im Herbst für ausreichend Wasser im Bach. Wir wussten, dass die Cure am Freitag und Samstag Wasser haben wird. Der Chalaux ist ein anderer paddelbarer Fluss, darauf hofften wir nur, denn im Internet gab es nach September keine Angaben mehr.

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Quelle: Peter Ettlin

Über Saulieu fanden wir den Einstieg in den Morvan – eine wirklich einsame Gegend. Das Handy hatte keinen Empfang mehr und zwischendurch streikte sogar das Navi. Aber wir fanden unser Ziel, die Stromschnelle »Saut du Gouloux«, die den Ausstieg der spannendsten Etappe auf der Cure markiert. Der »Saut du Gouloux« ist eine Vierer-Stelle, die aus einem Abfall und der folgenden deftigen Walze besteht. Schnell zum Fluss geklettert, konnten wir Fritjof und Micha, die schon am Vortag angereist waren, bei ihrer Fahrt bewundern. Vom Ufer aus staunten wir noch, wie gut es ihnen gelang, den engen Strahl des Abfalls zu treffen, sich im kurzen Becken zu stabilisieren und dann mit Schwung die zweite kleine Stufe vor der grossen Walze zu nehmen. Nach herzlicher Begrüßung konnten wir es kaum erwarten, in den Trocki zu steigen. Dass die Sonne inzwischen durch den Nebel drang und das Thermometer auf immerhin 15 Grad kletterte, steigerte unsere Motivation noch mehr. Der Einstieg ist per Straße gut zu erreichen und nur rund drei Kilometer weit entfernt. Ein Parkplatz, eine kleine Wiese und ganz gemächlich floss die Cure.

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Quelle: Peter Ettlin

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Meine Vorstellung wurde bestätigt: Drei Kilometer WW II und zum Abschluss eine Vierer-Stelle. Kurz nach dem Einstieg eine einfache Welle, die gemütliches Surfen erlaubte. Nach 300 Meter eine kleine Stufe und wenig später eine 1,5-Meter-Stufe mit knackiger Walze dahinter. Es war viel abwechlsunsgreicher, als ich erwartet hatte. Der Fluss schlängelte sich mit vier bis zehn Meter Breite durch den Wald. Wir hatten etwa fünf Kubik, oft wäre Rollen eng geworden. Viele kleine Kehrwasser und immer viele Spielstellen mit Wellen oder Walzen sorgen für Abwechslung.

Gegen Ende der Strecke empfiehlt sich die Besichtigung einer weiteren Passage, »Les Sept Taureaux«. Zuerst durchs S, dann das Kehrwasser links. Danach nach rechts ziehen und entweder vor der rechten Seiten über einen Abfall ins Kehrwasser links springen oder mittig fahren und mit viel Schwung durch die Welle nach dem Abfall ins gegenüberliegende Kehrwasser. Wir packten sogar den Wurfsack aus um die Stelle zu sichern. Nun nahte bald die Schlussstelle. Wieder davor das Kehrwasser links nehmen, dann auf den Strahl halten, einen Boof versuchen und in Vorlage bleiben. Den Strahl erwischte ich gut, aber ich war überrascht wie schnell es ging. Bootspitze zu fest nach links und schon war ich fröhlich am Sidesurfen. Einmal rechts versucht rauszupaddeln, dann links, das Wasser knallte aufs Heck und mit steigendem Bug schob mich die Strömung ins Kehrwasser. Wir waren begeistert – die Cure, welche genialer Bach. Sogleich beschlossen wir, ein weiteres Mal zu paddeln. Die zweite Runde bescherte uns genau so viel Spaß, und zudem noch einen Schwimmer. Welche ein Tag! Und das beste sollte uns noch bevorstehen: das Abendessen. Wir waren doch in Frankreich!

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Quelle: Peter Ettlin

Artikel Spätreife Burgunder – Wildwasser in Zentralfrankreic Morvan

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Die »Auberge de l’Atre«, vier Kilometer vom Dörfchen Quarré-les-Tombes, bot ein hervorragendes mehrgängiges Essen. Der Besitzer kümmerte sich selbst um unsere Menüwahl. In der Halbpension war ein mehrgängiges Nachtessen nach bester französischer Tradition eingeschlossen. Und auch die Auswahl der Burgunderweine war hervorragend. Der Abend wurde lang, die Nacht kurz, geschlafen haben wir sehr gut. Bei strahlender Sonne nahmen wir am nächsten Tag dieselbe Strecke erneut in Angriff. Nach zwei Runden wechselten wir zum unteren Abschnitt der Cure. Auf ruhiger Strömung paddelten wir durch den wundervollen Herbstwald und genossen die Farbenpracht. Gegen Ende der Strecke wurde es noch richtig lebhaft. Eng verblockt mit mäßigem Wasserdruck floss die Cure zwischen bemoosten Steinen. Die Sonne hatte sich hinter den Bäumen versteckt und verstärkte die mystische Stimmung. Bald hatten wir den Ausstieg erreicht und trugen unsere Boote zur Straße. Dort war eine Gruppe von französischen Paddlern schon versammelt.

Ob der Chalaux wohl Wasser hätte? Bevor ich eine Antwort bekam, hielt ich schon einen Becher Rotwein in der Hand und wir unterhielten uns über die paddelbaren Flüsse in der Schweiz und in Österrreich. Die französischen Paddler kamen aus Paris und sind oft in dieser Gegend, stellt der Movran doch eines der nächsten Paddelreviere von Paris dar. Die Informationen zur Chalaux waren unklar, sie schien die letzten Tage Wasser gehabt zu haben. Der Ablasskalender war aber seit September nicht mehr nachgeführt, da die Fische Schonzeit hatten.

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Quelle: Peter Ettlin

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Wir beschlossen, es zu probieren. Über geteerte Straßen ging es zum Einstieg, an jeder Kreuzung wies uns die Beschilderung den Weg zum Bach. Am Einstieg machte sich eine Gruppe Hydrospeeder zum Schwumm bereit. Fritjof hatte die Chalaux vor einigen Jahren befahren und wir waren froh, nach der langen Zeit ein Update zu erhalten. Nach 500 Meter begann der engverblockte Naturslalom mit ordentlich Wasserdruck. Alles war auf Sicht fahrbar und immer wieder mit schönen Kehrwassern garniert. Namen wie »Piscine a Bigue« oder “»Bassin à delphine« deuten darauf hin, dass bei höheren Wasserständen die Strecke richtig wuchtig werden könnte. Ein einfaches Zwischenstück mit WW I-II ließ uns die Landschaft genießen. Dennoch war Aufmerksamkeit geboten: Ein großer Felsen signalisiert die erste Vierer-Stelle: »La Perte des Veaux«. Auf der linken Seite kann die Stelle einfach besichtigt werden. Ein etwa zwei Meter hoher Abfall, der über eine Felsrippe zu befahren war. Ein Abrutschen von der Rippe war tunlichst zu vermeiden, da Steckgefahr drohte oder bei entsprechendem Steinkontakt auch Verletzungen denkbar waren. Den Rücklauf am Ende des Abfalls sicherten wir mit einem Wurfsack. Marianne und Micha schulterten das Boot, Tim, Fritjof und ich trafen die Linie und es war eigentlich einfacher als wie es aussah.

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Quelle: Peter Ettlin

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Nur 300 Meter weiter, die nächste Vierer-Stelle: »Le Courtibas«. Das »S« beginnt mit einer Linkskurve über kräftige Walzen um einen großen Felsen herum, dann fließt das ganze Wasser nach rechts und stürzt über eine Stufe mit ordentlichem Rücklauf in einen großen Pool. Die Anfahrt durch vorhandenen Walzen war noch überschaubar, im Zentrum des »S« ging es aber sehr flott voran, kurz das Boot nach rechts ausrichten und über die Stufe gebooft. Wenn es etwas einfacher gewesen wäre, das Boot nochmals hochzutragen, wäre eine zweite Fahrt mit geglätteten Nerven ein Vergnügen gewesen. Wir verzichteten aber darauf und paddelten noch die letzten 200 Meter zum Ausstieg. Erstaunlich, dass die Chalaux nicht nur mit Spielbooten und Creekern sondern auch mit Abfahrtsboooten befahren wird, so wie uns Franzosen erzählten. Wir fanden es anspruchsvoll genug, mit unsern Wildwasserbooten alle Steine und Ecken zu umrunden.Auf dem Rückweg ziehen wir das Fazit des französischen Wochenendes: Einmal Chalaux ist nicht genug, wir werden wiederkommen. Der Morvan mag das für deutsche Paddler unbekannteste Wildwasserrevier Frankreichs sein. Lohnend ist die Reise ins Herzen Frankreichs allemal. Wir sind begeistert und werden wiederkommen.

Mehr Infos zum Paddeln im Morvan:

Der Morvan in der Wikipedia

Die Cure in der Flussdatenbank von Eauxvives.org

Die Cure auf Kanumagazin.de

Der Chalaux in der Flussdatenbank von Eauxvives.org

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TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

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