Vier Männer, eine Insel, kein Plan – Rügen extrem

Mitte Februar, das von Schnee und Raureif bedeckte Deutschland harrt wärmeren Zeiten. Die ganze Republik sitzt vorm armen Ofen oder zumindest im gut beheizten Büro. Ganz Deutschland? Nein! Vier wackere Helden fürchten weder Sturm noch Frostbeulen, laden die Boote und nehmen Kurs Nordnordost.

Vier Männer, eine Insel, kein Plan – Rügen extrem
Artikel Vier Männer, eine Insel, kein Plan – Rügen extrem Rügen

Quelle: Christian Zicke

Expeditionstagebuch, Tag 0, Abfahrt in Duisburg
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Der Zug ist pünktlich in Duisburg, die zwei Expeditions-Teilnehmer Micha und Mathieux steigen zu mir und Ise in den Van. Den langen Weg von Freiburg im Breisgau in den Knochen sind sie schon erschöpft von der Anreise. Und uns steht noch eine schwierige Entscheidung bevor. Dem Wetterbericht trotzen und wirklich nach Rügen fahren oder besser auf das heimelige Ijselmeer? Windstärke bis neun Beaufourt mit Geschwindigkeiten bis 105 km/h sprechen eine deutliche Sprache – eigentlich gegen Rügen. Doch an der Ampel biegen wir rechts ab, Richtung Osten.

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Quelle: Christian Zicke

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Quelle: Christian Zicke

Expeditionstagebuch, Tag 1, Kreidefelsen:
Der Wind zerrt am Zelt, wir quälen uns aus dem Schlafsack und satteln den Bus. Ab ins Café. Ein Blick in die Karten und in den Seewetterbericht sagt uns: Wir starten im Norden, verhaften heute die Kreidefelsen und wenn das Wetter am Wochenende anzieht, sind wir an den langen Sandstränden im Osten. Wir fahren nach Lohme, hier ist ein Hafen verzeichnet. Doch angekommen am Ziel bemerken wir, dass es keine Straße zum Wasser gibt. Wir stehen hundert Höhenmeter oberhalb des Meeres. Ein alternativer Einstieg muss her. Doch wo sind unsere Karten? Nach kurzer Suche ist klar: Seekarte und Atlas sind im Kaffee verblieben. Doch wenn wir diese noch holen, wird das heute mit dem Paddeln eng. Also tragen wir alles über einen kleinen Weg runter zum Hafen und starten ohne Karte.

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Quelle: Christian Zicke

Wir passieren die malerischen Kreidefelsen, sogar die Sonne lässt sich blicken. So muss Seekajakfahren sein! Am Abend kochen wir unter Sternenhimmel, schnell bildet sich eine dünne Eisschickt auf den Kajaks und auf dem Zelt. Bei minus drei Grad sind wir früh im Schlafsack.

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Quelle: Zicke Christian

Expeditionstagebuch, Tag 2, Sturm:
Vom lauten Grollen der Brandung werde ich wach. Schnell steige ich aus dem Zelt und schaue auf das Meer. Die Luft ist mit fünf Grad recht warm, doch der Sturm ist bitterkalt. Das kann ja was werden.

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Quelle: Christian Zicke

Wir laden die Ausrüstung in die Kajaks und legen los – kämpfen uns durch die Brandung. Wir haben eine wahre Freude am Spiel mit den Gewalten. Meter für Meter kämpfen wir uns durch Gischt und Wellen gegen den Wind. Doch wir beißen. Der Bug der beladenen Kajaks hebt und senkt sich, spaltet die Wellen und versinkt mit lautem Klatschen wieder im Wellental. Nach gut eineinhalb Stunden pausieren wir an den alten Nazibauten von Prora am unendlich langen Sandstrand. Wir legen bei moderater Brandung in der windgeschützen Innenkurve des Strandes an. Angestrengt schauen wir uns in die glücklichen Gesichter. Wir haben gerade mal fünf Kilometer geschafft. Nach einer Stärkung geht es weiter. Jetzt sind wir eigentlich im Windschatten, trotzdem ist die See rau und der Wind bläst seitlich ums Eck. Weitere 15 Kilometer, insgesamt also 21, schaffen wir heute. Dann gehen die Lichter aus und wir sitzen in der Fischräucherei in Göhren um unsere Kräfte für den kommenden Tag zu regenerieren. Nach drei Fischen und vier Pils schlafen wir am Strand im Zelt ein.

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Quelle: Christian Zicke

Expeditionstagebuch, Tag 3, Eis:
Es geht weiter. Wir sind im Windschatten und ahnen nicht, was noch kommen wird. Wir fahren aus der Bucht raus und bekommen die volle Breitseite. Gegenwind, geschätzte sechs Beaufort. Wir kommen nur langsam voran, wir queren eine gigantische Sandbucht und landen am nächsten Strand an. Doch was ist das? Eis am Strand? Wir denken uns nichts, nehmen einen Snack zu uns und fahren weiter. Um den großen Zicker herum und schauen in ein gigantisches Chaos. Kreuzsee, brechende Wellen und Sturm. Außerdem schwimmt Eis auf dem Meer, zwar nur wenig doch es knackt gehörig unter dem Carbon-Rumpf unserer Biskayas. Doch noch sind wir guter Dinge.

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Quelle: Christian Zicke

Kaum sind wir in der Bucht des großen Zicker, schon wird uns anders. Wir schauen auf die Küste und sehen nichts als Eis. Die Strände und der Bodden sind komplett in weiß gekleidet. Wir sehen kaum eine Möglichkeit, anzulanden. Nach einigen Minuten breche ich das Schweigen. »Was nun?« Diese zwei Worte irritieren die Mitpaddler. »Ich fahre zurück zum Strand!« Ise spricht aus, was alle denken. Wir wenden in ca. zwei Meter hohen Kreuzwellen und surfen zurück um den Zicker. Mit Wind im Rücken sind wir schneller als die Feuerwehr. Am Strand überlegen wir, was wir tun. Schnell haben wir die letzten drei Tage Revue passieren lassen. Wir sind begeistert von Rügen, vom Wind, von den Wellen und, ähhh von uns.

Das war eine Expedition ganz nach unserem Geschmack.
Erschöpft und glücklich fallen wir über das nächste Restaurant her. Erst einmal ein Schnitzel verspeisen und dann zurück in den Pott.

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Quelle: Christian Zicke

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TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

1 Kommentar

  1. TrustedPaddler

    Klingt nach einem 1a Trip!
    Ist es dort stressig mit inoffiziellen Zeltplätzen wenn man außerhalb der Badesaison unterwegs ist?

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