Kajakland Albanien (II)

Moderates Wildwasser in gewaltigen Klammen

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Zum Paddeln in Albanien sind sichere Boofs, perfekte Linien im schweren Wildwasser und ein gewisses Maß an Todesverachtung nötig? Wer diesem Irrtum aufsitzt, droht eine Menge zu verpassen! Der Süden des Landes mit den Flusssystemen Osum und Vjosa bietet großartige Landschaften, die auch dem sportiven WW-II-Piloten offenstehen. Teil 2 der Albanien-Serie stellt den Süden und Osten des Landes vor.

TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

Dass Albanien nicht nur Unentwegten mit Allrad-Ausstattung vorbehalten bleibt, bewies ein knapp zweiwöchiger Trip Ende Mai. Das Schnelzwasser war weitgehend den Bach runter, im Süden versprach moderates Genusswildwasser klassische Urlaubsgefühle. Südlich der Linie Tirana – Kukes präsentiert sich das albanische Hinterland deutlich weniger schroff, das Gebirgsrelief wird sanfter, die Flusstäler schwingen zum Teil in großen Mäandern, richtig alpin wird’s vor allem in herausragenden Schluchtabschnitten.

Vjosa Albanien

Die blaue Vjosa im Frühsommer. | Quelle: scheuer

Im Mittelpunkt steht das Einzugsgebiet der Vjosa, in Griechenland Aoos genannt. Mit Lengarice, Drinos und Benca kontrastieren drei Zuflüsse den mächtigen – im Juni wunderschön blauen – Strom. Besonders die glasklare Benca weiß zu entzücken: Einer friulanischen Torrente gleich pendelt das kleine Bächlein zwischen weißen Kieseln. Kurze Klammabschnitte sind das Salz in der Suppe, der tiefste Schnitt wird von einem uralten Aquädukt überspannt.

Osum Albanien

Die große Kaskade fällt direkt in den Osum-Canyon. | Quelle: Salome Fritz

Wie Drinos und Benca bewegt sich auch der Osum im zweiten Schwiergkeitsgrad – einen niedrigen Frühsommerwasserstand vorausgesetzt. Die Szenerie ist gigantisch. Nicht umsonst wird die lange Klammetappe nahe Corovoda Grand Canyon of Albania genannt. Nach dem fast kitschig schönen Klammklassiker sind wir bereit für Neuland. Wir machen uns auf zum Schwarzen Drin nahe der mazedonischen Grenze. Die Tour bis weit in den Osten kommt einer halben Weltreise gleich. Dank der Geländewagen sparen wir uns die eine oder andere Fahrstunde. Obendrauf gibt’s fantastische Panoramasichten über das touristisch gänzlich unerschlossene Hochland.

Benca Albanien

Kleine bunte Punkte tief im Schluchtengrund der glasklaren Benca. | Quelle: Jochen Riesbeck

Der Schwarze Drin, gelegen im Hinterland der Provinzstädte Peshkopi und Kukes ist ein Weitwanderfluss klassischer Prägung – Großschluchten à la Kurdistan inklusive. Lange Flachwasserpassagen wechseln mit wenigen Wuchtschwällen. Anfahrt wie Shuttles sind echte Abenteuer – hier reist man durch den Outback Albaniens.

Valbona Camping

Morning has broken! Camp-Idylle am Ufer der Valbona. | Quelle: scheuer

Ende der Paddelreise und zweifelsohne deren Höhepunkt ist das nur einen Steinwurf von der kosovarischen Grenze entfernte Valbona. Auch hier wurde die mühsame Anfahrt durch eine Teerstraße entschärft. Über die Schnellstraße Richtung Kosovo sowie eine auf gut zwei Stunden verkürzte Asphaltpiste trauen sich von Monat zu Monat mehr Besucher in die abgelegene Talschaft. Fluss und Bergwelt sind ein einziger Traum – die Parallelen zur slowenischen Soca sind unübersehbar: Blaues Wasser aus riesigen Karstquellen, üppig grüne Vegetation, intakte Forstlandschaft und bis in den Sommer mit Schnee bedeckte Bergspitzen bilden die Kulisse. Der Fluss bietet feines Wildwasser für alle Geschmäcker: Die Profis beschäftigen sich mit den Steilabschnitten des Oberlaufs, wer’s gemütlich magt lässt sich zwischen den weißen Kiesbänken durchs Flachstück nahe Bajram Curri tragen, Spielbootfahrer und Wuchtwasserfans werden in der Roten Schucht happy, deren Befahrung stilecht mit einer kurzen Seenpaddelei an einer der Uferbars am Drin-Stausee ausklingt.

Lengarice Albanien

Kleiner Fluss vor großer Kulisse: Die Lengarice nahe der heißen Quellen. | Quelle: scheuer

Leider wird Naturliebhabern in Albanien das Glas nicht nur mit einem kräftigen Rakija gefüllt, Paddler müssen auch den ein oder anderen Wermutstropfen schlucken. Das Stichwort heißt Wasserkraft, maßgebliche Folge ist die Zerstörung einzigartiger Flusslandschaften. Praktisch an allen Flüssen sind Kraftwerke geplant, an etlichen Etappen auch schon in Bau. Akut an den Kragen geht es der Vjosa unterhalb Tepelena, ihren Zuflüssen Lengarice und Benca. Auch am Devoll ist der Kraftwerksbau so weit fortgeschritten, dass Paddlern der Zugang zum Fluss verwehrt und Interessierte bestimmt aus dem Tal eskortiert werden. Auch am Cemit und im Valbona sind Projekte ausgearbeitet, zum Teil rollen auch dort die Bagger schon an.

Lengarice Albanien

Traurige Realität am Beginn der famosen Lengarice-Klamm. Zukünftig wird ein Stauwehr das Bachbett die meiste Zeit im Jahr trockenlegen. | Quelle: scheuer

Die massiven Eingriffe werden nicht wehrlos hingenommen: Eine Koalition aus albanischen Initiativen und internationalen Naturschützern hat den Fehdehandschuh aufgenommen. Im Frühjahr 2016 richtet sich eine fünfwöchige Flüssetour speziell an Wassersportler. Die Balkan River Tour nimmt ihren Anfang an der slowenischen Save und führt über bedrohte Flussjuwele in Bosnien, der Herzegowina, Montenegro und Mazedonien nach Albanien. In Albanien geht die Reise von Nord nach Süd, Höhepunkte sind Stopps im Valbona, am Osum und der Benca. Das finale Protestevent, die Vjosa-Floatilla, findet nahe des Städtchens Permet statt. Alle Infos zur Balkan River Tour findet ihr in Kürze im Netz. Bis zur Freischaltung der Website können Infos bei scheuer@toros-outdoors.de angefragt werden. Außerdem lohnt sich ein Besuch der Save-The-Blue-Heart-Kampagne des Balkan River Network.

Wer die Flüsse Albaniens auf einer professionell geguideten Tour kennenlernen möchte, ist bei den Südosteuropa-Experten von Toros Outdoors richtig. Christoph Scheuermann führt den ganzen Mai über Wildwasserreisen zu den schönsten Flüssen Albaniens. Teile der Reisen werden in den Balkan River Tourplan integriert. Mehr Infos? Surft auf www.toros-outdoors.de vorbei.

Auch für die harten Jungs gibt's ordentlich was zwischen die Ohren in Albanien. Glaubt ihr nicht? Christoph Scheuermann gibt Auskunft über die Rassigen Creeks des Balkanlands.

1 Kommentar

  1. Nanni Thanheiservor 3 Monaten

    Hallo,
    mein Freund und ich machen im Sommer einen Albanien-Urlaub und wir wollen ein paar Tage paddeln gehen, allerdings ganz gemütlich ohne Wildwasser. Können Sie uns dazu etwas empfehlen? Gibt es Kajak- oder Kanuvermieter?

    Vielen Dank & viele Grüße
    Nanni Thanheiser

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Kajakland Albanien (II)

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