Kajakland Albanien (I)

Rassiges Creek-Paradies

Um die Geschichte zu lesen, bitte scrollen.

Shala, Kir, Valbona, Cemit – klingende Namen im Innenohr der Balkanpaddler. Expeditionsfeeling auf Fluss wie Straße, Traumbäche der härteren Gangart eingebettet in eine grandiose Berglandschaft, die raue Herzlichkeit der Einheimischen – Albanien ist ein Reiseparadies für Wagemutige und Kenner. Teil 1 des Albaniens-Duett stellt den gebirgigen Norden des Landes vor.

TrustedPaddler
Diplom-Geograph, fester Autor fürs KANU-Magazin, Südosteuropa-Spezialist, Kajakreiseveranstalter und vor allem seit 25 Jahren so oft es geht im Boot. Der Genuss auf dem Wasser zu sein, gemeinsam mit alten und neuen Freunden, darüber zu schreiben, sich connecten. Love it! Für alles weitere .

Viele viele Jahre stand Albanien nahezu unberührt auf der persönlichen Paddelwunschliste. Ein halbes Dutzend Mal hatte ich das Land seit 2004 bereist – immer nur für wenige Tage, meist ohne Kajak. Doch spätestens als ich mich 2012 spontan einer tschechischen Gruppe auf dem Devoll anschloss bin ich dem Charme der albanischen Flusslandschaften erlegen. Die Idee wurde zur Gewissheit. Das nächste Mal Albanien nur mit Boot!

Cemit Cem i Vuklit

Blue Angel am Cem i Vuklit. | Quelle: scheuer

Die Stunde schlug im April 2015: Mit einem schlagkräftigen Team von schweizerisch-deutschen Freunden paddelten wir den Frühling herbei. Das geschah zunächst in betont kargem Ambiente. Eisiger Wind und kahle Laubwälder im Gebirge, nur entlang der Unterläufe keimte der Uferbewuchs in zartem Grün. Blauer Himmel und viele Sonnentage machten die Kälte wett – ein Trost zudem, dass auch am Brenner die Lkw-Fahrer Schneeketten anlegten. Die Beute war trotz des späten Winters üppig: ideale Wasserstände zum Kennenlernen für die Cemit-Quellfbäche und die Klammen des Kir, traumhaftes Wasser im abgelegenen Shala-Tal.

Albanien

Kein Scherz! Das ist die Hauptstraße durchs Shala-Tal. | Quelle: scheuer

Und auch der Expeditionsfaktor war hoch: Zwar frisst sich der Asphalt mehr und mehr in die Täler – so ist zum Beispiel die Zufahrt zur Kir-Standardstrecke geteert und auch Tamara im Cemit-Tal ist nun über ein breites, schwarzes Band erreichbar –, wer aber tiefer ins Gebirge zielt, kommt um einen kurzen Allrad mit viel Bodenfreiheit nicht umhin. Die Zufahrten ins hintere Kir-Tal wie auch die Überquerung des mit Schnee garnierten Passübergangs ins Shala-Tal gehören definitiv zu den härtesten »Straßen«, die ich bisher unterm Cassis hatte. Auch das robusteste Auto schafft kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit, das Boulder-Paradies der Shala erkauft man sich mit einem vollen Fahrtag.

Kir Albanien

Die steilste Niederklamm auf dem Kir. | Quelle: scheuer

Das Wildwasser im albanischen Norden erfordert ein wohldefiniertes Creek-Gemüt: Das Gefälle ist atemberaubend, viele Blöcke untenrum saftig hohl – auf der Habenseite steht traumhaftes Drop’n’Pool mit Zirkeltraining aus dem Lehrbuch. Die Cemit-Quellbäche, der oberste Kir, vor allem aber der Roadside Run der Shala sind das Revier des Winkeladvokaten. Manche Strecken wurden erst in den letzten Jahren erstbefahren, für einige Etappen ist ein niedriger Wasserstand Voraussetzung. Auch auf dem Kir – der Verzasca des Balkans – will man nicht zuviel Wasser haben. Die spektakulär geformten Niederkammen werden schnell wuchtig, Rückläufe und wild strudelnde Kolke entstehen.

Shala Obere Shala

In der ersten Steilzone der Oberen Shala. | Quelle: scheuer

Auch an der Shala haben wir Glück: Die steile, mit reichlich Siphonen garnierte Roadside Section hat schnell zuviel Wasser. Werden hier die Pools zu kurz, hat Otto-Normal-Stürzer keine Mission mehr.

Shala Albanien

Landschaftshammer Shalaschlucht. | Quelle: scheuer

Der extrem abgelegene Durchbruch ins Drin-Tal hingegen verträgt gut Wasser, das Flussbett ist meist offen, das Gefälle moderat. Wir erwischen auf beiden Strecken beste Bedingungen. Nachdem uns ein lokaler Fahrer mit seinem höhergelegten Mercedes-Bus ins Tal geschaukelt hat, haben wir nach einer spartanisch ausgestatteten Nacht unseren gesamten Hausstand in die Boote gepackt.

Albanien

Still und starr ruht der Drinstausee. | Quelle: scheuer

Als wir über den spiegelglatten See gleiten, sehen wir bald den vereinbarten Treffpunkt, wo wir schon mit Espresso und Schnapps empfangen werden. Knappe zwei Motorbootstunden trennen uns von der nächsten Straße. Zwei echte Traumtage auf einem Abenteuertrip nur eine gute Flugstunde von Europas Wirtschaftsmetropolen.

Wer die Flüsse Albaniens auf einer professionell geguideten Tour kennenlernen möchte, ist bei den Südosteuropa-Experten von Toros Outdoors richtig. Christoph Scheuermann führt den ganzen Mai über Wildwasserreisen zu den schönsten Flüssen Albaniens. Mehr Infos? Surft auf www.toros-outdoors.de vorbei.

Der kleine Balkanstaat hat auch moderates zu bieten. Im zweiten Teil der Artikelserie, zeigt Christoph Scheuermann, was man im Wildwasser-Zwei-Bis-Drei-Bereich so zu erwarten hat:Moderates Wildwasser in gewaltigen Schluchten

Keine Kommentare

Dieser Artikel hat bislang keine Kommentare erhalten.

Entschuldige, vielleicht sind alle Kommentare den Bach runtergegangen oder es hat einfach noch niemand einen Kommentar hinterlassen. :(

Aber du kannst der erste sein, der einen Kommentar hinterlässt !

Hinterlasse einen Kommentar

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *.

Deine Daten

Bitte achte auf eine korrekte Mailadresse. Wir schicken dir gleich eine Mail, um deine Identität zu verifizieren. Dein Eintrag wird erst danach angezeigt.

Kajakland Albanien (I)

Shala, Kir, Valbona, Cemit – klingende Namen im Innenohr der Balkanpaddler. Expeditionsfeeling auf Fluss wie Straße, Traumbäche der härteren Gangart eingebettet in eine grandiose Berglandschaft, die raue Herzlichkeit der Einheimischen – Albanien ist ein Reiseparadies für Wagemutige und Kenner. Teil 1 des Albaniens-Duett stellt den gebirgigen Norden des Landes vor.