Neue Kraftwerke im Piemont

Paddelparadies vor dem Ausverkauf?

Am Cannobino befindet sich ein Wasserkraftwerk in Bau, weitere Projekte sind an Sesia und Co. geplant. Lokaler Widerstand formiert sich. Zur Disposition steht eines der beliebtesten Wildwasserreviere der Westalpen. Matthias Breuel hat die Lage vor Ort recherchiert.

Cannobino

Eine der Sahnenkirschen im Piemont: Die Mastallone-Klamm. | Quelle: Matthias Breuel

Paddeln an Pfingsten? Klare Sache! Auf ins Tessin und Piemont und danach noch nach Tirol. Doch in ein paar Jahren könnte das ganz anders aussehen. Denn die meisten der Flüsse, auf denen wir dieses Jahr unterwegs waren, sind entweder bereits teilweise abgeleitet oder durch Kraftwerke beeinflusst (Albula, Moesa, Sill, Ruetz) und zugleich ist Gefahr durch neue Ableitungen im Verzug (Sesia, Mastallone, Ruetz, Sill, Ötz, Moesa) bzw. die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange (Cannobino).

Diverse neue Kraftwerke und Ableitungen sind rund ums Sesiatal geplant, wobei der Fokus am Mastallone (samt Nebenflüssen) liegt. Hier könnten neben Anlagen am Mastallone selbst auch Ableitungen und Kraftwerke an bis zu sechs Nebenbächen (u.a. Landwasser, Sabbiola, Rio Val Bella) errichtet werden. Doch auch beispielsweise an der Sorba und Gronda ist eine neue Ableitung über mehr als 100 Meter Höhendifferenz möglich. Darüber hinaus sind auch Sermenza und Artogna in Gefahr.

Cannobino Kraftwerk

Bauarbeiten oberhalb des Wasserfalls von Ponte Falmenta am mittleren Cannobino. | Quelle: Matthias Breuel

Insgesamt gibt es Pläne für bis zu 15 neue Anlagen, diese sind aber zum Glück noch nicht abschließend genehmigt. Sobald die Genehmigungen vorliegen, könnten die ersten Bauarbeiten aber möglicherweise noch in diesem Jahr beginnen. Um die Zerstörung dieses einmaligen Naturparadieses zu verhindern, haben sich im »Comitato Salvaguardia Val Mastallone« Bürger, Fischer und Paddler zusammengefunden. In ehrenamtlicher Arbeit wurden bereits mehrere Veranstaltungen organisiert, die das Bewusstsein und Interesse für die bedrohten Naturschönheiten stärken und die negativen Auswirkungen der Projekte verdeutlichen sollen. Neben Aktionen im Tal, z.B. im Rahmen des Valsesia-Riverfestivals, gab es auch in Mailand Veranstaltungen.
Hier gibt es weitere Infos zur Initiative.

Können auch die nächsten Generationen noch diese Schönheit genießen? Die Mastallone-Klamm. | Quelle: Matthias Breuel

Ein paar Täler weiter am Einstieg des mittleren Cannobino wurden wir an Pfingsten bereits von relativ weit voran geschrittenen Bauarbeiten überrascht. Oberhalb des Wasserfalls bei Ponte Falmenta quert eine provisorische Brücke den Fluss, umfangreiche Erdarbeiten wurden unternommen und ein Stollen kommt aus dem Berg. Nähere Infos über das Projekt konnte ich leider bislang nicht in Erfahrung bringen, die 4-Paddlers-Redaktion freut sich aber über sachdienliche Hinweise.

Paddelprotest des Comitato Salvaguardia Val Mastallone. | Quelle: Comitato Salvaguardia Val Mastallone

Was können wir Paddler derzeit tun? (Online-)Petitionen gegen die Projekte gibt es im Moment noch nicht, falls dieses Mittel in naher Zukunft genutzt wird, ist aber eine breite Unterstützung gefragt (4-Paddlers wird berichten). Gefragt ist weiterhin Unterstützung bei Events und Aktionen vor Ort, wie z.B. dieses Jahr beim Valsesia-Riverfestival. Und natürlich sollten wir Paddler möglichst die lokale Wirtschaft vor Ort stärken, also Lebensmittel im Tal und nicht ausschließlich daheim beim Discounter kaufen und zwischendurch auch mal Essen gehen. Das kostet nicht viel Überwindung ;-) stärkt aber unser Ansehen und das Interesse der Politik vor Ort am Kajaktourismus beträchtlich. Was wiederum ein gutes Mittel gegen Kraftwerkspläne ist.

Mögen sich die drohenden Wolken über dem Sesiatal bald wieder verziehen und uns dieses Paradies erhalten bleiben. | Quelle: Matthias Breuel

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Hauptberuflich Geograph und Verkehrsplaner, nebenbei Paddler, Autor und Fotograf aus Leidenschaft. Egal ob leicht oder schwer, Spielboot oder Creeker, Feierabendpaddeln oder Seekajakurlaub, Vielfalt ist Trumpf, Hauptsache unterwegs mit guten Freunden und begeisterten Mitpaddlern.

1 Kommentar

  1. TrustedPaddler

    der kleine Laden in Campertogno wird von einem jungen Ehepaar betrieben. Er ist Eiskletterer und Alpinist - sie macht vornehmlich aber nicht ausschließlich den Verkauf. Der Käse den sie verkauft, ein Hartkäse, wird von ihre Mutter von Hand hergestellt. Mit den Bratwürsten (die gibts Meterweise) gehts grad weiter. Selten so was gegessen. DIe Preise, auch für Bier, etc. sind Disounterverdächtig. Auch die Weckle (Brötchen) nicht die runden, sind der Bringer.
    Blöd wer da nach Varallo gurkt zum einkaufen.

    Zum andern, im Rahmen des Races gabs Abends ne Veranstaltung zur Demo auf aufm Mastallone und der Brücke in Varallo. Da war einer vom ansässigen Raftuntermehmen der (gut) gesprochen hat - und der hat nicht nur für die Wassersportler gesprochen, sondern auch für die Fischer. Bemerkenswert wie ich finde-und wichtig.

    Ich kann mich täuschen aber mir kams so vor als ob die T-Shirts "Save the Rivers of Val Sesia" guten Zuspruch fanden der Termin am Sonntagvormittag (nach der Raceparty) hingegen weniger.
    Mir ist ldgl. Simon Westgarth aufgefallen, der in Zivil, ohne Paddelklamotten ldgl mit Weste und Helm das Stück Mastallone runter ist. (Ich nich-ich stand auf der Brücke mit T-Shirt;muss auch sein)

    Die Demo hätte breiter aufgestellt werden müssen. Aufm Wasser war was los, aber in Varallo hat niemand was mitgekriegt der nicht auf der Brücke war.
    Das muss besser werden..

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