Diskussion »Nortik Fold 4.2 Review/Testbericht«

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  1. TP seit 2012

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    Da sich im Netz wenig zum Nortik Fold finden lässt, und ja vielleicht doch der eine oder andere wissen möchte wie sich das Dingens denn so anlässt, vielleicht interessiert ja jemanden ein kleiner Erfahrungsbericht...
    Die Kurzversion ist: Wer weder Auto noch Stellplatz hat, aber trotzdem ein Kajak haben möchte mit dem man auch mal auf Gepäckfahrt gehen kann, und sich nicht gleich ein vollwertiges klassisches Faltboot leisten will oder wem die Aufbauzeit solcher Dinger zu lange dauert, der hat hier einen guten, preiswerten, Kompromiss vor sich. 


Nun zur längeren Beschreibung
    
Auf- und Abbau.: Das erste Mal zähle ich jetzt einfach mal nicht, denn da habe ich mir Zeit gelassen, mit der Bedienungsanleitung und diesem neuen Ding gekämpft. Beim zweiten Mal brauchte ich dann 15 Minuten, aber auch das geht sicher noch deutlich schneller.

    Einige Dinge sind selbst erklärend, bzw. nach dem ersten Mal echt kein Thema. Der Bug ist ein nicht so intuitives Herumgezupfe und Gewickle, auch beim Sitz muss man erst mal draufkommen, wie man den jetzt so spannt, dass da alles wirklich fixiert und stabil ist. Die Schienen die das Oberdeck zusammenhalten erfordern ein wenig Anstrengung, aber für diesen Zweck ist Silikonfett beigelegt, angeblich wird's von Mal zu Mal leichter, und letztendlich ist es dann auch nicht so wild.
Der Abbau ist tatsächlich sehr leicht (3 Minuten im Zweitversuch), und lediglich beim Zusammenfalten gibt es einen Moment an dem man trotz Anleitung mal länger brauchen kann das System zu verstehen, zumindest war das bei mir so.
    
Die Bedienungsanleitung ist durchwachsen — während einige Aufbauschritte sehr gut erklärt werden, und auch darauf hingewiesen wird, was schwierig werden kann oder vielleicht komisch erscheint, wird in einigen anderen Fällen ein schwer erkennbares Bild und eine Erklärung geliefert die auch nicht massiv weiterhilft (dieser Bug schon wieder!). Alles in allem wäre hier Luft nach oben für die nächste Überarbeitung.


    Material:
    
Natürlich muss man das Material im Verhältnis sehen — die Spanten könnten natürlich leichter und genauso fest konstruiert sein, die Packtasche erfüllt ihren Zweck, aber da kennt man von iSUPs weiter entwickelte Teile; wahrscheinlich liessen sich einige Dinge leichter und trotzdem stabiler bauen: aber will man das entsprechende Geld auch locker machen? Alles in allem bekommt man also (vermutlich) wofür man zahlt. Positiv erwähnt seien hier trotzdem vor allem der Sitz selbst, inkl. aufblasbarer Auflage die nicht nur für Bequemlichkeit sondern auch für Halt sorgt, und der auch am Abend vor dem Lagerfeuer praktisch sein dürfte. Auch die Deckleinen wirken mal auf Anhieb beruhigend solide.
Abzüge verdienen aber die schwer zu beschreibende Lösung am Bug, und der Süllrand ermuntert zur Überarbeitung für die nächste Auflage. Dass Fußstützen schlicht und einfach fehlen ist das einzige ernsthafte Manko.
    Ich habe statt einer Seesocke Auftriebskörper (von einer Firma mit "Z" aus Essen Kupferdreh) drinnen — das kann man natürlich alles lang und breit diskutieren, und man kann auch beides reingeben; die Auftriebskörper haben aber den Bonus die Bootshülle nochmal zu versteifen, bzw. vorne als Fußstützenersatz zu dienen.
    
Praxistauglichkeit:
    
Bevor man mit dem Boot auf dem Wasser unterwegs ist muss man es erst mal dorthin transportieren. Die Tasche lässt sich zwar als Rucksack tragen, für wirklich große Distanzen fehlt dann aber der Beckengurt. "Mal schnell mitnehmen" ist also nur bedingt eine Option, und in öffentlichen Verkehrsmitteln fällt man mit dem Platzbedarf schnell negativ auf. Aber wer sich ehrlich vor Augen hält was die Maßangaben bedeuten darf davon nicht überrascht sein. Auch hier ist das Fold ein Kompromiss, nur, wie oben gesagt, man erspart sich einen fixen Liege/Stellplatz und Dachträger beim Auto. Als Hinweis für alle große Menschen: nach vorne ist theoretisch unbegrenzt Platz, ich bin 188cm und 90 Kilo und komme mir im Cockpit klein vor.

    Fahreigenschaften
:
    Als Kajak überzeugt das Fold dann aber massiv. Es läuft geradeaus wie ein deutlich längeres Boot, ist leicht und damit sehr gut zu beschleunigen, und hat eine knackige E-Stabilität, mag aber einem Anfänger zuerst ziemlich kippelig vorkommen. Rennen oder Marathons gewinnt man damit nicht, und wie gut sich das mit Wellen tut kann ich im Moment auch nicht beurteilen. Für die Runde nach der Arbeit oder entspannte Gepäckfahrt mit der Strömung passt's allemal.
    
Wie gesagt, all das sind nur erste Eindrücke. Die Haltbarkeit des Materials und einiger Teile (der Bug und diese Ratschen) werden sich erst zeigen, und widrigere Wetter- und Flussverhältnisse warten auch noch. Bis dahin bin ich, bei allem Kompromiss, glücklich mit dem Kauf.
 Man sollte sich vorher klar sein was dieses Boot ist, und was nicht. Das Konzept "Origamiboot" punktet durch seine Flexibilität und den Preis, wer auf Expedition gehen will, muss dann halt dementsprechend löhnen und sich Zeit für den Bootsaufbau nehmen, wer nur am Teich rumpaddeln will und klein genug ist, wird mit dem Nortik Scubi und vergleichbaren Produkten am Markt glücklicher.

  2. Traudl Schulz20.01.16 13:27

    Hallo Ruhrwiener, vor einigen Tagen das Boot gekauft und zu Hause probeaufgebaut, kann es sein, dass es einfacher ist, den Sitz vorher mit den Spanten zu verbinden und dann die Spanten einzusetzen? Oder wenigsten die Rücklehne mit dem hinteren Spanten, dann die Bodenplatte einsetzen, dann den Sitzgurt vorne befestigen?
    Zweite Frage: Wo lagerst du das Nortik Fold bei Minustemperaturen?

  3. TP seit 2012

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    Hallo TraudlHmmm, hab da mit dem Sitz schon rumprobiert, ja, da gibt's einige Möglichkeiten wie man's machen kann, hab auch schon die Mittelplatte als erstes reingelegt und dann alles andere montiert, oder das Deck oben offen gelassen und dann erst... geht alles, ich spiel mich da recht entspannt.Lagern tu ich mein Boot zusammengefaltet in einem minimal beheizten Bootshaus -- Minusgrade bekommt es dort nicht, und daher bin ich entspannt (da ich mir einen Stellplatz nicht leisten will bzw. es eh keinen gibt steht das Paket halt in einer EckeI

  4. Hi RuhrWiener,

    jetzt ist Dein Beitrag ja nun schon ein Jahr alt, und Du hast hoffentlich schon etliche Touren mehr (nicht nur auf der Ruhr?) gemacht. Magst Du ein paar weitere Zeilen zu Deinen Erfahrungen mit dem Fold schreiben? Und vielleicht auch etwas zu Deinem Eindruck von der Stabilität des Materials nach dieser Zeit?

    Danke und mfG

    Vielleicht fahren wir uns sogar mal über den Weg, ich komme ebenfalls aus Essen :-)

  5. TP seit 2012

    27 Posts

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    Gerne :)Bei den Fahreigenschaften bleibe ich auch bei leichtem Wellengang und bei starkem Wind dabei - das Ding fährt sich wie ein längeres Boot, was für mich eigentlich immer eine gute Sache war; auch eine relative Anfängerin hat sich darin bei anhebender Windstärke 6 auf einem kleinen See noch wohl gefühlt, nix mit Luvgierigkeit oder anderen Problemen (wir sind dann trotzdem in einer Bucht in Deckung gegangen). Der Aufbau ist mittlerweile sehr entspannt, und ich habe den für mich optimalen Weg gefunden den Sitz einzubauen. Da bleibe ich dabei, das muss jedeR für sich rausfinden, was ihr oder ihm da am meisten gefällt (ich hake mal die Deckleinen und Ratschen ein damit das Boot so ungefähr Form hat, kümmere mich dann um die Inneneinbauten, und ganz am Schluss kommen die gefetteten und damit eigentlich recht leichtgängigen Schienen drauf). Mit ein klein wenig Übung ist man da auf jeden Fall entspannt bei zehn Minuten oder sogar weniger dabei.Zum Material: Also, die zehntausend Faltungen oder was das aushalten soll, das sehe ich mittlerweile mit skeptischer Spannung. An den Faltstellen sieht man mittlerweile sehr deutlich, dass die das Material belasten. Ich bin immer noch über sehr wenige Steinchen gefahren, da gibt es keine Spuren. Also: nach kaum eineinhalb Jahren sieht man Spuren, aber noch hält alles wie es soll. Eine letzte Bemerkung: Nortik dürfte im letzten Jahr da einiges verbessert haben, so gibt es, wenn ich das richtig mitbekommen habe, mittlerweile Fußstützen, und auch bei den Schienen haben sie was verändert.

  6. Weser Paddler08.09.16 12:14

    Hallo RuhrWiener,

    herzlichen Dank für deine ausführlichen Schilderungen. Sie helfen mir bei der möglichen Entscheidung ein Nortik Fold zu kaufen schon sehr weiter. Ich bin mir sicher, dass das Material bei pfleglicher Fahrweise lange halten wird. Unsicher bin ich hauptsächlich wegen der Faltstellen. Du schreibst, dass du die Haltbarkeit dort mit Skepsis betrachtest, da schon Spuren erkennbar sind. Könntest du vielleicht genauer beschreiben, wie sich die Faltstellen verändern. Und evtl. eine persönliche Einschätzung abgegen, wie viele Faltungen du dem Boot zutraust. Ganz Herzlichen Dank!
    Torsten

  7. Verena Weidner02.10.16 12:20

    "Ich habe statt einer Seesocke Auftriebskörper (von einer Firma mit "Z" aus Essen Kupferdreh) drinnen..."
    Ich habe mir das Nortik Fold 4.2 gerade gekauft und würde gerne passende Auftriebskörper kaufen, kenne mich aber gar nicht aus. Haben Sie einen konkreteren Tipp für mich? Die Idee, dass solch ein Luftsack auch die Fußstütze "ersetzen" kann, finde ich ansprechend! Danke und viele Grüße, Verena Weidner

  8. TP seit 2012

    27 Posts

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    @Weser PaddlerEs tut mir leid, aber das kann ich echt überhaupt nicht einschätzen. Habe das mit Mitgliedern meines Vereins besprochen, die sich da auskennen sollten, und auch da kamen wir zu keiner Einigung. Mein Bauch bezweifelt, dass wir da in 1000ern reden können, aber das kann auch vollkommen falsch sein. Sorry.@Verena WeidnerDa habe ich mir von den guten Leuten beim Sport Schröer in Unna helfen lassen, die haben da gut Ahnung. Ich hatte aber gedacht, dass es mittlerweile Fußstützen gibt?

  9. TP seit 2016

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    Interessant, jetzt bin ich wieder am überlegen hatte mich auf einer anderen Website über Kajaks informiert, dort dachte ich dass es das beste für mich als Anfänger wäre ein Luftboot zu kaufen. Aber ich sehe jetzt auch die Vorteile eines sogenannten Faltboots. Finanziell bin ich relativ gut aufgestellt, was würdet ihr einem Anfänger denn empfehlen Falt- oder Luftkajak?

    Lg Vice

  10. TP seit 2006

    100 Posts

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    Hi
    Es geht nicht darum ob du Anfänger bist oder nicht, es geht immer darum was ein Paddler,(oder ein angehender Paddler) will. es gibt auch keine globale Antwort auf deine Frage.
    Der eigentliche Punkt ist, hast du ein Auto oder nicht, wenn du ein Auto hast, das du auch zum Paddeln benutzen kannst, dann kommt meines Erachtens weder ein Faltboot noch ein Gummiboot in Betracht.
    Alles sind nur Kompromisse die nur für spezielle Zwecke eingesetzt werden, z.b. eine längere Reise mit dem Zug (und mit dem Kayak). Will ein Paddler nur gelegentlich aufs Wasser, oder will er den Sport regelmässig ausführen. Ich benutze das Kayak um mich fit zu halten, den Feierabend auf dem See zu genießen, mit Freunden auf dem Wildwasser zu paddeln, im Urlaub längere Touren übers Meer machen, zu diesem Zweck habe ich auch diverse Kayaks, mein Standardboot ist allerdings ein normales Seekayak.
    Also stell dir zuerst die Frage, was willst du, oder was nimmst du dir für die Zukunft vor, erst wenn du diese Frage beantwortet hast, dann würde ich mir Gedanken über das Boot machen.

    MFG

  11. TP seit 2016

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    Interessant, jetzt bin ich wieder am überlegen hatte mich auf einer anderen Website über Kajaks informiert, dort dachte ich dass es das beste für mich als Anfänger wäre ein Luftboot zu kaufen. Aber ich sehe jetzt auch die Vorteile eines sogenannten Faltboots. Finanziell bin ich relativ gut aufgestellt, was würdet ihr einem Anfänger denn empfehlen Falt- oder Luftkajak?

    Lg Vice